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Sofja Kovalevskaja-Preis: Kurzbiografien der Preisträgerinnen und Preisträger

19.07.2001 - (idw) Alexander von Humboldt-Stiftung

Alexander von Humboldt-Stiftung vergibt knapp 19 Millionen Mark an folgende Nachwuchs-Forscherinnen und -Forscher

1
Dr. Tiziana Boffa Ballaran (33), Italien, Chemie und Physik der Minerale
Gastinstitut: Bayerisches Geoinstitut, Universität Bayreuth.

Tiziana Boffa Ballaran studierte an der Universität Milano und wurde 1997 an der Universität Pavia promoviert. Seitdem war sie Mitarbeiterin an den Universitäten Biella (Italien), Cambridge (GB) und Bayreuth. Als Gastwissenschaftlerin forschte sie an den Universitäten Aveiro (Portugal), Århus (Dänemark) und Wroclaw (Polen).

Als Mineralphysikerin erforscht Ballaran, wie sich die Struktur von Mineralien unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen verändert. Dabei dienen die Mineralien als Beispiel für Materialien mit komplexen chemischen und physikalischen Eigenschaften. Zur Zeit plant Ballaran, die Elastizität von Mineralien zu erforschen, in denen einzelne Atome ausgetauscht wurden. Dazu entwickelte sie auch neue spektroskopische Untersuchungsverfahren.


2
Dr. Stephane Charlot (37), Frankreich, Astrophysik
Gastinstitut: MPI für Astrophysik, Garching.

Stephane Charlot studierte an der Université de Paris 7 und wurde dort 1992 promoviert. Er war Mitarbeiter an den Universität Berkeley, am Kitt Peak National Observatory und am Space Telescope Institute (alle in den USA). Seit 1995 ist er Chargé de Recherche am Institut d'Astrophysique de Paris. 1998 erhielt er die Bronzemedaille des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS).

Wie Sterne entstehen, ist eine von vielen Fragen, die Charlots Projekt beantworten soll: Der Franzose hat sich der Entstehung und Evolution von Galaxien verschrieben. Insbesondere widmet er sich der Interpretation von Galaxien-Spektren in Beobachtungsprojekten großen Maßstabs. Ausgangspunkt ist das umfangreiche Datenmaterial, das von verschiedensten internationalen Einrichtungen gesammelt wurde. Für die Interpretation des Materials entwickelte Charlot ein neues Computerprogramm, das so genannte "Sophistcated Population Synthesis Models".


3
Dr. Paolo D'Iorio (37), Italien, Geschichte der Philosophie
Gastinstitut: Institut für Englische Philologie, Universität München.

Paolo D'Iorio studierte am Konservatorium Luigi Boccherini in Lucca und an der Universität Pisa. 1993 wurde er an der Scuola Normale Superiore in Pisa promoviert. Im Anschluss war er als Mitarbeiter an der Universität Pisa, danach am Institut des Textes et Manuscrits Modernes des CNRS in Paris tätig.

D'Iorios Arbeitsgebiete sind die Philosophie Nietzsches und die Editionswissenschaft. Während des geplanten Forschungsprojektes plant er eine virtuelle Verknüpfung der umfangreichen Arbeiten zu Nietzsche, die im Internet vorliegen. Ziel ist ein Hypertext, der die weiterführende Edition, Kommunikation und Forschung von Wissenschaftlern aus aller Welt zu Nietzsche erlaubt. Zusätzlich plant D'Iorio, mit dieser Methode den rechtlichen Status der Werke und des Nachlasses von Nietzsche in der Sekundärliteratur zu untersuchen, die im Internet veröffentlicht wurde.


4
Dr. Michael Feiginov (29), Russische Föderation, Physikalische Elektrotechnik
Gastinstitut: Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, Technische Universität Chemnitz.

Michael Feiginov studierte am Moskauer Institut für Physik und Technologie und wurde 1999 am Institut für Radioingenieurwesen und Elektronik der Russischen Akademie der Wissenschaften promoviert. Für diese Arbeit erhielt er den russischen Staatspreis für junge Wissenschaftler. Er ist nun wissenschaftlicher Mitarbeiter der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Feiginov arbeitet in der Hochfrequenz-Technik. Bisher wurden elektromagnetische Strahlen im Terahertz-Bereich vor allem für die Weltraumforschung untersucht. Neuerdings zeichnen sich auch Anwendungen in der Medizin ab. Mit seinem Projekt plant Feiginov, neue Terahertz-Strahlenquellen zu entwickeln. Sein besonderes Augenmerk gilt sogenannten Nanostruktur-Bauelementen, die Materialeigenschaften messen, insbesondere von biologischen Materialien. Die am meisten versprechenden Quellen, die Feiginov studiert, sind so genannte Resonanz-Tunnel-Dioden (RTD). Darüber hinaus erforscht Feiginov, wie sich biologische Zellen als Sensoren für Terahertz-Strahlung einsetzen lassen.

5
Dr. Daniel Hofstetter (34), Schweiz, Elektronen- und Quantenoptik
Gastinstitut: Abteilung Optoelektronik, Universität Ulm.

Daniel Hofstetter studierte an der Universität Zürich und wurde 1996 an der Universität Neuchâtel promoviert. Als Postdoctoral Fellow arbeitete Hofstetter am XEROX Research Center in Palo Alto, USA, und anschließend an der Universität Neuchâtel. 1997 erhielt er für seine Dissertation den Preis der schweizerischen Physikalischen Gesellschaft.

Laser für die Telekommunikation, Druckverfahren und Umwelttechnik gehören zu den Produkten, die Hofstetter in seinem Projekt entwickeln will. Der Schweizer konzentriert sich besonders auf die Entwicklung so genannter "Wide Gap Semiconductor Quantum Cascade Devices". Diese Halbleiter-Laser arbeiten mit unsichtbaren infrarot- und infrarot-nahen Lichtwellen. Während Infrarot-Laser vor allem in der Telekommunikation wichtig sind, kann der andere Wellenlängenbereich für optische Datenspeicherung und Druckverfahren genutzt werden. Andere Wellenlängen, z.B. im mit-infraroten Bereich, werden für Untersuchungen unter anderem in der Umwelttechnik eingesetzt.


6
Dr. Judith H. Klein (30), USA, Stofftransport und Membranbiologie
Gastinstitut: Fachbereich Chemie, Universität Frankfurt.

Judith Klein studierte an der Universität Köln und wurde 2000 am M.I.T. in Cambridge, Mass. (USA) promoviert. Sie ist seitdem Mitarbeiterin am M.I.T., mit Forschungsaufenthalten an der Universität Köln, am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln und am Imperial College in London. Für ihre Arbeit hat Klein verschiedene Auszeichnungen erhalten.

Klein interessiert sich besonders für Proteine in der Membran von Zellen. Denn Proteine sind an vielen lebenswichtigen Vorgängen der Zelle beteiligt. Zu ihren herausragenden Leistungen gehören die biophysikalische Charakterisierung des Membranproteins Rhodopsin mit Hilfe von spektroskopischen Methoden und die Untersuchung der strukturellen Unterschiede zwischen dunkel- und lichtadaptivem Rhodopsin. Dies sind wesentliche Beiträge zur Entwicklung von neuen Methoden, um Zellteile für weitere Untersuchungen zu markieren. Weitere Beiträge von Klein sind die strukturelle Aufklärung eines Faltungsintermediates von Lysozym und die Untersuchung der mebraninduzierten Faltung von Proteinen.


7
Dr. Yuriy Makhlin (31), Russische Förderation, Theoretische Festkörperphysik
Gastinstitut: Institut für Theoretische Festkörperphysik, Universität Karlsruhe.

Yuriy Makhlin studierte am Moskauer Institut für Physik und Technologie und wurde 1995 am Landau Institut für theoretische Physik (Russische Förderation) promoviert. Seitdem war er Mitarbeiter am Landau Institut, an der Universität Illinois (USA) und als Humboldt-Forschungsstipendiat 1997/98 an der Universität Karlsruhe. Neben verschiedenen anderen Auszeichnungen erhielt Makhlin 1995 den Landau Preis.

Als Festkörperphysiker erforscht Makhlin, wie Quanten wandern und wie sie sich messen lassen. Sein Arbeitsgebiet hier ist die Verarbeitung von Quanten-Informationen und die Nanotechnologie. Als Projekt plant Makhlin, Quantenbauelemente und Quantenmessprozesse zu entwickeln. Insbesondere sein System zur Kopplung verschiedener Quantenbits hat internationale Anerkennung gefunden. Zuvor hatte Makhlin Superflüssigkeiten und Wirbelbewegungen erforscht.


8
Prof. Dr. Matilde Marcolli (31), Italien, Geometrie
Gastinstitut: MPI für Mathematik, Bonn.

Matilde Marcolli hat an den Universitäten Milano und Chicago (USA) studiert und wurde 1997 in Chicago promoviert. Sie war anschließend an verschiedenen Instituten tätig, darunter am M.I.T. in Cambridge, Mass. (USA) und ist zur Zeit Professsorin am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn.

Marcollis Anliegen ist die Verbindung von Mathematik und theoretischer Physik: ihr Interesse gilt den Eichtheorien und der nicht-kommutativen Geometrie, der hyperbolischen Geometrie und der Arithmetik. Sie widmet sich der Entwicklung von Eichtheorien zu Spiegelsymmetrien und dem fraktalen Quanten-Hall-Effekt. Bereits zu Beginn ihrer Laufbahn hatte sie die für ihr Fachgebiet grundlegende, so genannte Seiberg-Witten-Theorie eingeführt.


9
Dr. Alexander Pukhov (36), Russische Föderation, Theoretische Physik
Gastinstitut: Institut für Theoretische Physik, Universität Düsseldorf.

Alexander Pukhov studierte am Moskauer Institut für Physik und Technologie. 1991 wurde er dort promoviert und anschließend als Assistenz-Professor beschäftigt. Seit 1994 ist Pukhov Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching. Als Gastwissenschaftler war er an den Universitäten Turin (Italien), Osaka (Japan) und Princeton.

Pukhovs Forschung soll einen tiefen Einblick in Grundzusammenhänge unserer physikalischen Welt gewähren: Sein Schwerpunkt sind hochintensive Laser-Plasma-Interaktionen. Pukhov arbeitet hier mit komplexen numerischen Simulationen auf Parallelrechnern. Diese erlauben ein besseres Verständnis von der Beschleunigung von Laser-Plasmen mit Hilfe geladener Teilchen und der Kurz-Puls-Verstärkung dieser Plasmen. Außerdem untersucht Pukhov Quellen kurzwelliger und nuklearer Strahlung und das Verhalten von Fusionszielen.


10
Dr. Tina I. Romeis (36), Großbritannien, Pflanzenphysiologie
Gastinstitut: MPI für Züchtungsforschung, Köln.

Tina Romeis studierte an der Universität Tübingen und wurde dort 1994 promoviert. Nach einem Forschungsaufenthalt am Institut für Genetik in München ging sie 1997 an das Sainsbury Laboratory in Norwich, England, wo sie zunächst als Postdoctoral Fellow tätig war und nun als Wissenschaftlerin angestellt ist.

Romeis untersucht, wie Pflanzen auf Stress reagieren. So erforschte sie die ersten Reaktionen einer Tomatenpflanze, die sich nach Pilzbefall gegen ein Pilzprotein wehrte. In dem geplanten Projekt wendet sie eine von ihr entwickelte Methode an, die proteinbiochemische und genetische Ansätze verbindet. Damit möchte Romeis aufklären, wie Signale innerhalb einer Pflanze am Anfang der Stressreaktion geleitet werden. So wird erstmals angestrebt, den so genannten Calcium Dependent Protein Kinases (CDPKs ) eine eindeutige Funktion in einem regulatorischen Netzwerk abiotischer und biotischer Stressreaktionen zuzuweisen.


11
Jochen M. Schneider (31), Schweden, Werkstoffwissenschaften und Hüttenwesen
Gastinstitut: Lehrstuhl für Theoretische Hüttenkunde und Metallurgie der Kernbrennstoffe, Technische Hochschule Aachen.

Jochen Schneider studierte an den Universitäten Hull (England) und Northwestern (USA) und wurde dort 1998 promoviert. Seitdem ist als Dozent an der Universität Linköping (Schweden) tätig. Als Gastwissenschaftler forschte er an verschiedenen Instituten, darunter das Lawrence National Laboratory in Berkeley.

Schneider gilt als eine der führenden Experten in der Beschichtungstechnik. So erzeugt der Materialforscher nanokristalline Oxidschichten mit maßgeschneiderten Eigenschaften. Er hat hier eine Methode des vollkommen ionisierten Plasmas zur Abscheidung von Oxiden aus der Gasphase entwickelt. Mit seinem Projekt erforscht Schneider, wie sich Gefüge und Verunreinigungen der Beschichtung auf ihre Eigenschaften auswirken.


12
Dr. Gleb Sukhorukov (32), Russische Föderation, Physikalische Chemie und Oberflächenphysik
Gastinstitut: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam.

Gleb Sukhorukov studierte an der Lomonosov Universität in Moskau, wo er 1994 promoviert wurde. Seitdem ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kristallographie der Russischen Akademie der Wissenschaften und am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam tätig.

Als profilierter Biophysiker hat sich Sukhorukov auf Hohlkapseln aus Polymeren spezialisiert. Diese werden benutzt, um Arzneimittel oder andere Stoffe in der Pharmazie, Lebensmitteltechnik und Gen-Technologie einzusetzen. Bisher entwickelte Sukhorukov neue Methoden, um Kapseln zu produzieren. Außerdem erforschte er die Durchlässigkeit und Elastizität der Polymerkapseln und wie sich diese Eigenschaften kontrollieren lassen. Internationale Beachtung erhielt Sukhorukov für die Entwicklung von Methoden zur Kolloidbeschichtung durch polymere Multischichten.


13
Dr. Barbara Tillmann (29), USA, Allgemeine Psychologie
Gastinstitut: MPI für neurophysiologische Forschung, Leipzig.

Barbara Tillmann studierte an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und an der Université de Bourgogne (Frankreich), wo sie 1999 promovierte. Seitdem war sie als Postdoctoral Fellow und Mitarbeiterin am Dartmouth College in den USA.

Tillmann erforscht, wie Menschen Strukturen in Sprache und Musik erkennen und erlernen. Als solche gehört sie weltweit zu einer sehr kleinen Gruppe von Wissenschaftlern, die Musikverarbeitung experimentell untersuchen. Mit ihren bisherigen Arbeiten betrat die Psychologin wissenschaftliches Neuland, das als Startpunkt der Entwicklung eines neuen Fachgebietes angesehen wird. In ihrem Projekt verbindet Tillmann Experimente zur Wahrnehmung mit Computermodellen, die Lernprozesse durch neuronale Netze simulieren. Außerdem plant sie, die neuronalen Strukturen beim Hören durch funktionale Kernspintomographie zu analysieren.


14
Dr. Grigori Vajenine (27), Russische Föderation, Festkörperchemie
Gastinstitut: MPI für Festkörperforschung, Stuttgart.

Grigori Vajenine studierte an den Colleges für Chemie in Moskau und Bethe (USA), und wurde 1997 an der Cornell Univerität in Ithaca (USA) promoviert. Seitdem war er Mitarbeiter an der Universitäten Cornell und am Max Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart. Darüber hinaus erhielt er verschiedene Forschungspreise.

Vajenine arbeitet als Festkörperchemiker sowohl theoretisch als auch experimentell. In seinen theoretischen Arbeiten erforscht Vajenine die Atom-Muster, die entstehen, wenn sich Metalle nach dem Kondensieren in Kristallen miteinander verknüpfen. Seine experimentellen Forschung gilt der Beschreibung der Struktur eines ersten Suboxides mit Erdalkalimetallen.


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(verantwortlich: Florian Klebs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Alexander von Humboldt-Stiftung, Fon.: 0228/833-258, Fax: 0228/833-216, E-Mail: presse@avh.de)
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