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25 Jahre Stillstand sind vorbei

23.07.2001 - (idw) Deutsche Krebshilfe e. V.

Durchbruch bei der Behandlung von aggressivem Lymphdrüsenkrebs

Homburg/Saar (so) - In den letzten 25 Jahren gab es keine wesentlichen Fortschritte bei der Therapie des aggressiven Lymphdrüsenkrebs (hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom). Doch jetzt ist es soweit: Die Deutsche Studiengruppe Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome stellte kürzlich ihre bahnbrechenden Ergebnisse auf einem internationalen Kongress vor. Verabreichten sie ihren Patienten die Kombinations-Chemotherapie alle zwei, und nicht wie bisher üblich alle drei Wochen, konnten die Behandlungserfolge deutlich verbessert werden: Bei 75 Prozent der Patienten konnten nach der Behandlung keine bösartigen Zellen mehr nachgewiesen werden - damit steigerten die Mediziner die frühere Erfolgsquote um mehr als 15 Prozent. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt die so genannte NHL-B-Studie seit 1994 mit mehr als 1,4 Millionen Mark.

Vier von 100.000 Deutschen erkranken jedes Jahr an einer sehr aggressiven Form von Lymphdrüsenkrebs - dem hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphom. Die Betroffenen sind meist älter als 60 Jahre. Im lymphatischen System dieser Patienten können bösartig veränderte B-Lymphozyten und T-Lymphozyten nachgewiesen werden. Diese Zellen erfüllen normalerweise wichtige Aufgaben in der körpereigenen Abwehr: Sie erkennen krankhaft veränderte Körperzellen sowie Eindringlinge wie Viren oder Bakterien und vernichten sie. Die schnell wachsenden Krebszellen erfüllen diese Aufgaben aber nicht mehr. Die Abwehrkraft der Patienten ist daher geschwächt. Unbehandelt führen hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome innerhalb weniger Monate zum Tod.

Doch die Behandlungserfolge sind gut. Selbst im fortgeschrittenen Stadium kann der Krebs durch eine Kombinations-Chemotherapie, die so genannte CHOP-Therapie, wirkungsvoll bekämpft werden: Wird sechs Mal alle drei Wochen behandelt, sind knapp 60 Prozent der über 60-jährigen Patienten tumorfrei. Allerdings ließ sich diese Erfolgsquote jahrzehntelang nicht verbessern.

Der Deutschen Studiengruppe Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome gelang es jetzt unter der Leitung von Professor Dr. Michael Pfreundschuh aus Homburg die Erfolge um mehr als 15 Prozent zu steigern. Im Rahmen der von der Deutschen Krebshilfe geförderten NHL-B-Studie behandelten die Mediziner knapp 1.700 Patienten über maximal sechs Monate nach unterschiedlichen Therapie-Schemata. Die besten Behandlungserfolge erzielten die Homburger Wissenschaftler durch die um eine Woche verkürzte und Dosis-reduzierte CHOP-Therapie: Bei knapp 75 Prozent der so behandelten Betroffenen konnte der Tumor nicht mehr nachgewiesen werden. "Damit ist uns nach 25 Jahren Stillstand erstmals ein Durchbruch bei der Behandlung der aggressiven Lymphome gelungen. Wir gehen davon aus, dass die zweiwöchigen CHOP-Therapieintervalle zukünftig Standard bei der Behandlung von älteren Patienten mit hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen sein werden", so Studienleiter Pfreundschuh.

Info-Kasten: Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)
Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 9.000 Menschen an einem Non-Hodgkin-Lymphom. Es gibt eine Vielzahl von Lymphom-Typen. Grund hierfür ist die große Anzahl verschiedener Lymph- und Abwehrzellen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer Entwicklung entarten und zu einer Krebserkrankung führen können. Der Krankheitsverlauf kann sehr unterschiedlich sein: Niedrigmaligne Lymphome - wie das Plasmozytom - schreiten sehr langsam fort. Die Patienten haben oft keine oder nur geringe Beschwerden. Dagegen führen aggressive, hochmaligne Lymphome, zu denen beispielsweise das großzellige B-Zell-Lymphom zählt, unbehandelt nach wenigen Monaten zum Tod. Die Wahl der Therapie richtet sich nach der Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Häufig werden verschiedene Behandlungsmethoden, wie die Chemo- und Strahlentherapie, miteinander kombiniert.

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