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Aktuelle Therapiekonzepte in der Rheumatologie

01.10.2001 - (idw) Universitätsklinikum Tübingen

PRESSE-EINLADUNG
6. Jahrestagung des Rheumazentrums Baden-Württemberg

Vom 19. bis 20. Oktober findet am Universitätsklinikum Tübingen die 6. Jahrestagung des Rheumazentrums Baden-Württembergs statt, zusammen mit der neu gegründeten Rheuma-Forschungs-Initiative Tübingen (RFiT).
In der Rheumatologie haben sich in letzter Zeit wichtige Ergebnisse in der Grundlagenforschung ergeben, die zu wegweisenden und grundlegenden Verbesserungen bei der Behandlung und Diagnose entzündlich-rheumatischer Erkrankungen geführt haben.
Die wichtigsten Vertreter auf dem Gebiet der Rheumaforschung und -behandlung werden sich in Tübingen über die klassischen Therapiekonzepte hinaus den neu eingeführten Medikamenten und neuartigen Behandlungsprinzipien widmen, die für viele Rheumapatienten Erleichterung bringen werden.
Zu einem Pressegespräch mit den Rheuma-Experten

am Freitag, 19. Oktober, 11.00 Uhr
Kliniken Schnarrenberg Tübingen, Konferenzzentrum, Ottfried Müller Strasse 6 (im Kasinogebäude, Obergeschoss), Raum 3

möchten wir Sie herzlich einladen.

Mit freundlichen Grüßen


Dr. Ellen Katz

Zum besseren Verständnis und zur Einführung ins Thema legen wir Ihnen einen Text bei, der Ihnen einen Überblick über die Problematik der Rheumaerkrankungen gibt.

Anlage zur Presseeinladung
6. Jahrestagung des Rheumazentrums Baden-Württemberg
Aktuelle Therapiekonzepte in der Rheumatologie


Was ist rheumatoide Arthritis?

Die chronische Polyarthritis, auch rheumatoide Arthritis genannt, ist eine Erkrankung, bei welcher insbesondere die Funktion der Gelenke in Händen, Armen und Beinen durch schmerzhafte Entzündungen zunehmend eingeschränkt wird. Ohne rechtzeitige und konsequente Behandlung ist ein totaler Verlust der Beweglichkeit der Gelenke ein wesentliches Charakteristikum der chronischen Polyarthritis. Unbehandelt "fließt" die rheumatische Entzündung (Rheuma von griechisch rheo = ich fließe) durch den ganzen Körper und greift auch auf die Blutgefäße oder inneren Organe über. Die Folge sind Fieber (Rheumaschub), Unbeweglichkeit, starke Schmerzen im ganzen Körper und Übelkeit; Symptome also wie bei einer schweren Grippe; nur, dass die Beschwerden über Monate oder Jahre andauern und nur in sehr wenigen Fällen spontane Besserung eintritt. Die chronische Polyarthritis stellt ein großes medizinisches Problem dar, da die Ursachen dieser Erkrankung noch nicht völlig verstanden sind und bislang effiziente Therapien gefehlt haben.

Wer ist betroffen?
In westlichen Ländern leiden bis zu 1.5 % der Gesamtbevölkerung an chronischer Polyarthritis. Bei Erreichen des Rentenalters leiden schon mehr als 10 % der Senioren an chronischer Polyarthritis und die Bedeutung dieser und ähnlicher Krankheiten steigt durch die Veränderungen der Alterspyramide in den Industrienationen. Auch dadurch werden solche Erkrankungen in den nächsten Jahren an Bedeutung für die Bevölkerung und die behandelnden Spezialisten gewinnen.

Neben der chronischen Polyarthritis gibt es eine ganze Reihe anderer Gelenksentzündungen, (Spondylarthrititiden wie Morbus Bechterew, Psoriasis-arthritis, reaktive Arthritis), deren Verlauf der chronischen Polyarthritis sehr ähnlich sein kann und für die Betroffenen nicht weniger problematisch ist. Solche Gelenkserkrankungen treten häufig schon bei jüngeren Personen und vor dem 35. Lebensjahr auf. Sie bedeuten daher für die Patienten unbehandelt eine lange Leidenszeit und stellen für die behandelnden Spezialisten eine besondere therapeutische Herausforderung dar.

Folge: Irreversible Zerstörung der Knorpel
Bisher war es nicht möglich die Entzündungsprozesse der chronischen Polyarthritis und die damit verbundene irreversible Zerstörung der Knorpel in den Gelenken der Extremitäten wirksam zu unterbinden. Man konnte im wesentlichen nur die sog. systemischen Beschwerden (Fieber, Schmerz, Steifigkeit, Übelkeit) unterdrücken, die Patienten mussten einen zunehmenden Verlust der Gelenkfunktion hinnehmen. In den meisten Fällen war früher oder später eine orthopädische, d.h. operative Versorgung mit einem künstlichen Gelenk notwendig.

Seit ca. einem Jahr zugelassen: Neue Medikamente lassen hoffen
Die Entzündungen der Gelenke werden vor allem von zwei Botenstoffen, sog. Zytokinen ( von griechisch zytos = Zelle, kineo = ich bewege oder aktiviere), Interleukin-1 (IL-1) und Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-a) aktiviert. So war der Versuch naheliegend, die natürlichen biologischen Gegenspieler als Therapeutika einsetzen zu wollen. In der letzten Dekade wurde daher eine neue Klasse von Medikamenten, die biologischen Gegenspieler der Zytokine, die sog. "Biologicals", entwickelt. Mit diesem Begriff werden Medikamente umschrieben, welche ziemlich exakte Kopien der natürlich vorkommenden Entzündungshemmer darstellen und die daher ein großes Potential zur Modulation der chronischen Arthritiden bieten. Biologicals wurden durch gentechnische Methoden hergestellt um ihre Wirkung in vor-klinischen Studien zu prüfen. Seit etwa einem Jahr sind nun solche Biologicals als Medikamente zugelassen und werden als alleiniges Medikament oder in Kombination mit anderen bewährten Rheumamedikamenten sehr erfolgreich eingesetzt. Neue Biologicals stehen unmittelbar vor der Zulassung und werden voraussichtlich ab Sommer 2002 klinisch eingesetzt werden.

Die kombinierte Behandlung von Patienten mit chronischer Polyarthritis mit einem der Biologicals (anti-TNF-a) und Methotrexat hat zum ersten Mal überhaupt dazu geführt, dass der Prozess der Knorpeldestruktion bei solchen Erkrankungen gestoppt werden konnte. Bei Patienten mit chronischer Polyarthritis können bis zu 70% der Patienten erstmals mit einer radikalen Besserung der Symptome rechnen, bei Spondylarthritiden sind die Erfolge noch höher. Neue Kombinationen von Bio-logicals mit anderen Wirkstoffen ( z.B. anti-TNF-a + Leflunomid, anti-TNF-a + anti-IL-1) sind in größeren Zentren derzeit in der Erprobung. Der Einsatz von Bio-logicals bei Rheumapatienten bietet nach bisheriger Beurteilung erstmalig die Chance, diese Erkrankungen langfristig und evtl. sogar ursächlich zu behandeln.

Zum Kongress
Den Veranstaltern ist es gelungen, aus dem gesamten deutschsprachigen Raum die bedeutendsten Kliniker und Forscher auf dem Gebiet der Rheumatologie nach Tübingen zu bitten; Experten, die maßgeblich an der Entwicklung der neuesten Rheumamedikamente, speziell der Biologicals, beteiligt waren und weiterhin sind, wie: Prof. Kalden (Erlangen), Prof. Sieper (Berlin), Prof. Smolen (Wien), Prof. Gay (Zürich), Prof. Gross (Kiel) & Prof. Peter (Freiburg). Ein Kongress in dieser Qualität hat im südwestdeutschen Raum bisher noch nie stattgefunden und ist auch überregional in diesem Jahr einmalig.


Ansprechpartner für nähere Informationen

Rheumazentrum Württemberg
PD Dr. Wilhelm K. Aicher
Tel. 0 70 71 / 29-8 60 45, Fax 0 70 71 / 4 50 41
RfiT@uni-tuebingen.de
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