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Ruheständler als Pioniere der Freizeitgesellschaft?

02.10.2001 - (idw) Universität Kassel

Kasseler Universität erfragt Pläne und Wünsche der "jungen Alten".

Kassel. Jedes Jahr scheidet eine Reihe von Bürgern in unserer Region relativ jung aus dem Erwerbsleben. Die Beschäftigten des Volkswagen-Werkes Kassel haben einen nicht unerheblichen Anteil an diesem Personenkreis. Diejenigen, die einen Altersteilzeitvertrag abgeschlossen haben verlassen das Werk im Alter von durchschnittlich 58 Jahren. Für die Pläne und Wünsche dieser "jungen Alten" interessiert sich der seit 1999 bestehende Arbeitskreis "VW-Altersteilzeit", an dem sich neben dem Betriebsrat und der BKK des Werkes in Baunatal auch die Stadt Baunatal, der Landkreis Kassel sowie die evangelische Kirchengemeinde Altenbauna beteiligen.

Prof. Dr. Fred Karl, Fachgebiet Soziale Gerontologie im Fachbereich Sozialwesen der Universität Gesamthochschule Kassel wurde beauftragt, eine telefonische Befragung von 50 ausscheidenden Beschäftigten durchzuführen. Die Mehrheit der interviewten Fast-Ruheständler hat für die neue Lebensphase Pläne geschmiedet. Nicht unerwartet spielen dabei Freizeit mit der Familie, Arbeit in Haus und Garten sowie Fernreisen eine große Rolle. Großes Interesse besteht aber auch an Weiterbildung. Die Hitliste gefragter Angebote wird angeführt von PC- und Internetkursen.

Fortgesetztes Engagement - aber mehr Freiräume
Unerwartet groß ist die Anzahl der bereits jetzt in Vereinen, sozialen und politischen Ehrenämtern aktiven Beschäftigten. Dabei korrespondiert offensichtlich die Verantwortungsübernahme im Beruf mit der im Gemeinwesen. Die Ergebnisse verweisen zugleich darauf, dass ein nicht unerheblicher Teil dieser Aktiven den Ruhestand als Befreiung von bisherigen Verpflichtung in Beruf und Gesellschaft wahrnimmt. Verantwortliche Positionen sollen an die jüngere Generation abgegeben werden. Dieselben Personen betonen jedoch ihr Interesse an fortgesetztem Engagement. Mehr Individualität, größere Spontaneität, weniger Hierarchie und Konkurrenz werden als Bedingungen für die Fortsetzung genannt. Es gibt eine ganze Reihe von Ideen, um die sich selbstorganisierte Gruppen bilden könnten. Hier eine Auswahl: Organisation gemeinsamer Reisen, Gründung altersgruppenspezifischer Sport- und Wandergruppen, Bildung von Sprachlerngruppen, Einrichtung einer Wissensbörse und eines Kulturtreffs, Gründung einer Betreuungsinitiative für ältere Mitbürger.

Offensichtlich sind die Akteure in den Kommunen gefragt, Strukturen zu schaffen, die das Potential der älteren Generation im Interesse eines lebendigen Gemeinwesens zur Entfaltung bringen. Ein erster Anfang wurde mit dem Markt der Möglichkeiten gemacht.

p/jb
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Weitere Information:
Prof. Dr. Fred Karl
Tel.: (0561) 804-2928 / -2930
E-Mail: fredkarl@hrz.uni-kassel.de

Dipl.Soz.arb./päd. Kirsten Aner
Tel.: (0561) 804-2931
E-Mail: aner@uni-kassel.de
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