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Wissenschaftspreise für Geographie der Prof. Dr. Frithjof Voss Stift vergeben

03.10.2001 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG)

Die beim 53. Deutschen Geographentag in Leipzig erstmals verliehenen Preise würdigen herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Anthropogeographie, der Physischen Geographie und der Angewandten Geographie

Leipzig, 3. Oktober. Anlässlich des 53. Deutschen Geographentages wurden im Leipziger Gewandhaus die von der Prof. Dr. Frithjof Voss Stiftung für Geographie erstmals ausgelobten Preise für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Anthropogeographie, der Physischen Geographie und der Angewandten Geographie verliehen. Mit den mit jeweils 20.000 Mark dotierten Preisen werden zukunftsweisende wissenschaftliche Arbeiten gewürdigt, die maßgeblich zur Entwicklung und zum Ansehen der Geographie als moderne Erd-, Raum- und Umweltwissenschaft beigetragen haben.
Uta Hohn vom Institut für Geographie der Universität Duisburg wurde für ihre Forschungsarbeit über die Stadtplanung in Japan mit dem Wissenschaftspreis Anthropogeographie ausgezeichnet. Die umfangreiche Monographie dokumentiert und analysiert an ausführlich vorgestellten Projekten Geschichte, Rechtsgrundlagen, Praxis und Theorie der Stadtplanung in einem hierzulande noch immer wenig bekannten Kulturkreis. Gleichzeitig werden aufschlussreiche Vergleiche zur westlichen Planungspraxis gezogen.
Nach Auffassung der Jury ist es der Autorin gelungen, mit dem ersten wissenschaftlichen Grundlagenwerk zur Stadtplanung in Japan außerhalb des japanischen Sprachraums der stark auf Europa und die USA zentrierten internationalen Debatte um eine nachhaltige Stadtentwicklung eine wichtige Facette hinzuzufügen. Das mit viel Sachmaterial ausgestattete Werk der Duisburger Geographin, hinter dem mehrere längere Forschungsaufenthalte in Japan und die Auswertung umfangreicher japanischer Quellen stehen, besticht nicht nur durch methodische Klarheit und gute Lesbarkeit. Auch die hervorragende Text- und Bildgestaltung setzt neue Maßstäbe in der wissenschaftlichen Literatur.
Die gut 600 Seiten starke Studie lädt den Leser zu einer fesselnden Entdeckungsreise durch die Geschichte der modernen japanischen Stadtplanung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute ein. "Mit ihrer Habilitationsschrift zur japanischen Stadtplanung hat Frau Hohn ein Opus magnus im wörtlichen wie im übertragenen Sinne vorgelegt", so Professor Hans Heinrich Blotevogel von der Universität Duisburg in seiner Laudatio an die Preisträgerin.
Den Prof. Dr. Frithjof Voss Wissenschaftspreis für Physische Geographie konnte Johannes Ries von der Universität Frankfurt entgegennehmen. Seine Forschungsarbeit über Bodenerosion in den von Nutzungswandel und Flächenstilllegungen betroffenen Agrarregionen im Nordosten Spaniens zeichnet sich nach Auffassung der Juroren durch die unkonventionelle Weiterentwicklung klassischer Feldmethoden und den Einsatz innovativer Verfahren aus. Nicht zuletzt als Ergebnis der EU-Agrarpolitik haben auch in Südeuropa viele Landwirte die Landnutzung eingeschränkt und Teile ihrer Ackerflächen stillgelegt. Gerade in regenarmen Regionen hat dies erhebliche Auswirkungen auf die Landschaft, denn eine dichte Vegetationsdecke kann sich, wenn überhaupt, erst nach Jahrzehnten ausbilden. Zunehmende Erosion bis hin zur Desertifikation sind die negativen Folgen.
Um das komplizierte Zusammenwirken von Landnutzungswandel, Vegetationsbedeckung und Erosionsprozessen auf solchen Brachflächen besser zu verstehen, setzt Ries einen eigens entwickelten ferngesteuerten Heißluftzeppelin ein. Das von Seilen gehaltene Miniluftschiff ist mit einer Kamera ausgerüstet, die großmaßstäbige, gegenüber herkömmlichen Luft- oder Satellitenaufnahmen wesentlich höher auflösende Bilder liefert. Im Rahmen des mehrjährigen Forschungsprojekts EPRODESERT (Evaluation of Processes Leading to Land Degradation an Desertification under Extensified Farming Systems in North-East Spain) ist es Ries und seiner Arbeitsgruppe gelungen, die zeitlichen und räumlichen Veränderungen der Vegetation und des Bodens auf ausgewählten Brachflächen zwischen Ebro und Pyrenäen sehr viel genauer zu erfassen, als dies bislang möglich war.
Mithilfe digitaler Bildauswertungsverfahren, experimentell gewonnener Daten und Messungen vor Ort kommen der Frankfurter Geograph und seine Mitarbeiter darüber hinaus zu Modellen, die es erlauben, durch Nutzungswandel verursachte Landschaftsveränderungen vorherzusagen. Wie Professor Manfred Meurer vom Institut für Geographie und Geoökologie der Universität Karlsruhe in seiner Laudatio hervorhob, können die von Johannes Ries entwickelten Verfahren dazu beitragen, den in vielen Trockenräumen der Erde voranschreitenden Prozess der Desertifikation - ein Aspekt globaler Umweltveränderung - nicht nur besser zu verstehen, sondern auch gezielter zu bekämpfen.
Den Prof. Dr. Frithjof Voss Wissenschaftspreis für Angewandte Geographie hat Rainer Danielzyk für seine maßgeblichen Beiträge und sein Engagement für eine praxisorientierte Regionalplanung überreicht bekommen. Nach seiner Tätigkeit an der Technischen Universität Dresden, Lehrstuhl Raumordnung, wird sich Rainer Danielzyk demnächst einem neuen Aufgabenfeld beim Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen zuwenden. In seiner 1998 an der Universität Oldenburg abgeschlossenen Dissertation hat Rainer Danielzyk das Verhältnis von Alltagshandeln, Kultur und Politik als grundlegenden Wirkungszusammenhang der Regionalentwicklung herausgearbeitet und durch Habermas' Theorie des "kommunikativen Handelns" sowie regulationstheoretische Ansätze zur "kommunikativen Konstruktion von Wirklichkeiten" theoretisch untermauert.
Wie Professor Günter Heinritz von der Universität München bei seiner Preisrede im Leipziger Gewandhaus betonte, hat der Autor damit für die Disziplin eine neue Sichtweise geschaffen. "Rainer Danielzyk ist einer der wenigen Geographen", so Heinritz, "die die derzeit allenthalben eingeforderte neue Kultur der diskursiven und informellen Planung umfassend theoretisch begründen können". Er sei jedoch kein dogmatischer Vertreter dieser neueren Ansätze. Vielmehr verfüge er über umfassende Kenntnisse der klassischen Planungsinstrumente, ihrer Wirkungsweise, Stärken und Schwächen.
Bei der Preisverleihung im Leipziger Gewandhaus bekamen die für ihre Forschungen mit dem Prof. Dr. Frithjof Voss Wissenschaftspreis für Geographie ausgezeichneten Wissenschaftler mit der Preisurkunde auch eine Bronzestatuette überreicht. Die von dem Leipziger Künstler Markus Gläser geschaffene linsenförmige Plastik zeigt auf der Vorderseite die Mutter Erde in Form einer weiblichen Gestalt, die den Erdball schützend umfasst. Auf der Gegenseite symbolisiert ein Suchender den Forscherdrang des Geographen, aufgebrochen, die weißen Flecke auf der Karte der Erde zu tilgen und ihre Schönheit, aber wohl auch ihre Gefährdungen aufzudecken.

Kontakt:

Deutsche Gesellschaft für Geographie e.V. (DGfG)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Peter Wittmann
Tel./Fax: (0711) 2 26 14 02
E-Mail: p.wittmann@epost.de
(bis 5.10.01 zu erreichen unter 0341-973 11 51 im Pressebüro des 53. Deutschen Geographentags in Leipzig)

Prof. Dr. Frithjof Voss
Institut für Geographie der TU Berlin
Tel.: (030) 314-22148
Fax: (030) 314-25194
E-Mail: voss0739@mailszrz.zrz.tu-berlin.de
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