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Neue Ausstellung im Universitätsmuseum

19.10.2001 - (idw) Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Tübingen, 19. Oktober 2001

EINLADUNG

Neue Ausstellung im Universitätsmuseum -
Silke Radenhausen: Leinwandobjekte einer Reise nach Tübingen zu den Shipibo-Conibo


Sehr geehrte Damen und Herren,
in der ethnologischen Sammlung des Museums Schloss Hohentübingen sind Keramikgefäße und Textilien ständig ausgestellt, die peruanische Shipibo-Conibo Indianerinnen hergestellt und mit kunstvollen Ornamenten verziert haben. Die Künstlerin Silke Radenhausen aus Kiel hat in einer Kunst-Installation diese Ornamente aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst und in Beziehung auf den neuen Aufenthaltsort - das Schloss und die Stadt Tübingen und ihre Umgebung - bearbeitet. In ihren Leinwandobjekten lassen sich bedeutsame Ornamente des Stadtbildes, etwa das mittelalterliche Fachwerk, außerdem topographische Muster der Landschaft rund um Schloss Hohentübingen, erkennen.

Zu einer Führung durch die Kunst-Installation mit der Künstlerin Silke Radenhausen möchte ich Sie für

Freitag, den 26. Oktober 2001, um 11 Uhr in den Fünfeckturm des Museums Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11

sehr herzlich einladen. Sie erhalten zu diesem Termin auch den Katalog der Ausstellung.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Seifert

In der Anlage finden Sie einen ausführlichen Text zum Konzept der Kunst-Installation von Dr. Volker Harms, Institut für Ethnologie der Universität Tübingen.

Presse-Information zur Sonderausstellung:

"Hybride Topographien - Leinwandobjekte einer Reise nach Tübingen zu den Shipibo-Conibo"
Eine Werk-Installation der Kieler Künstlerin Silke Radenhausen in den Ausstellungsräumen der Völkerkunde-Abteilung des Museums Schloß Hohentübingen vom 27. Oktober 2001 bis 22. März 2002

Die Kieler Künstlerin Silke Radenhausen hat in der Völkerkunde-Abteilung des Museums Schloß Hohentübingen eine Werk-Installation eingerichtet, die den Titel "Hybride Topographien - Leinwandobjekte einer Reise nach Tübingen zu den Shipibo-Conibo" trägt. Auf der zunächst nur wahrnehmbaren Oberfläche der von ihr ausgestellten Werke setzt sie sich mit der Kunst der Ornamente auseinander, die die Shipibo-Conibo-Indianerinnen in Peru für die Dekoration der in der Völkerkunde-Abteilung des Museums ausgestellten beeindruckenden Keramikgefäße und Textilien geschaffen haben. Im Kern und der Gesamtkonzeption ihrer Installation lässt sich Silke Radenhausen jedoch von der These leiten, dass die kunsthandwerklichen Objekte der peruanischen Indianerinnen mit der Einverleibung in eine völkerkundliche Sammlung vollständig aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und einem absolut neuen Kontext - dem des Museums im Tübinger Schloss - zugeführt wurden. Daher gilt das Interesse der Künstlerin dem Ziel, der Topographie dieses neuen Zusammenhangs nachzuspüren. Mit ihren Werken umkreist sie den Ort, an dem die völkerkundlichen Sammlungsobjekte aus der Kultur der Shipibo-Conibo nun verwahrt werden. Die Ornamente und Zeichen auf den Werken von Silke Radenhausen beziehen sich deshalb im gleichen Abstand auf die Ornament-Kunst der Shipibo-Conibo-Indianerinnen einerseits und auf die Stadt- und Schlosslandschaft Tübingens sowie deren symbolische Vermittlung auf Stadtplänen und Landkarten andererseits.

Mit der soeben beendeten Ausstellung "Ornament und Abstraktion" in der Fondation Beyeler in Basel wurde das Thema Ornament im Zusammenhang mit der Kunst der Moderne gerade in diesem Jahr erneut aktuell gemacht und weithin wahrgenommen. Silke Radenhausen hat sich jener Thematik nicht nur in der oben angesprochenen Installation im Tübinger Schloss sondern bereits 1997 in ihrem großen Werk "Grammar of Ornament - Paraphrasen zu Owen Jones (1856)" gewidmet. Dessen Kompendium der Ornamente aller Völker und Zeiten, wie sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt waren, ist bezeichnenderweise ebenfalls gerade in einer Faksimile-Ausgabe neuaufgelegt worden.

Owen Jones hat für die Wiedergabe der von ihm gesammelten Ornamente eine eigene Ornamentik gewählt. Diese paraphrasiert Silke Radenhausen in kritisch-ironischer Distanz vermittels ihrer Technik der "topologischen Operationen", mit denen sie die Leinwandobjekte schafft. Auf ganz andere Weise, nämlich in einer repektvollen Fragehaltung nähert sie sich in ihrer Tübinger Installation den Ornamenten, die die Shipibo-Conibo-Indianerinnen in Peru auf ihren kunstvollen Keramikgefäßen und Textilien gestaltet haben. Die grundsätzliche Anerkennung des Umstandes, dass diese ethnographischen Objekte endgültig aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst wurden, führt sie zu einer "Gleichbehandlung" der fremden Ornamente und der von ihr in Tübingen - dem neuen Aufenthaltsort der Shipibo-Conibo-Objekte - wahrgenommenen "einheimischen" Ornamente. Dabei drängten sich dem Blick der Künstlerin zuvorderst die Fachwerk-Ornamente des Mittelalters und der Renaissance in dieser Stadt auf. Es folgten die topographischen Muster der Stadtlandschaft rund um das Schloß Hohentübingen, mit denen sie sich bei der Erkundung des Ortes durch das Lesen von Stadtplänen und Landkarten auseinandersetzen musste.

Aus dieser Dreifelder-Konstellation entstehen im Werk der Künstlerin eine Vielfalt an Bezügen und und teilweise überraschenden Parallelen. Sie hütet sich jedoch, eines der Felder den anderen unterzuordnen oder diesen einzuverleiben. Sie hält vielmehr gleiche Distanz zu allen. Die "Gleichbehandlung" ist geradezu als Gegensatz zur "Gleichsetzung" gemeint. Ornamente in unserer eigenen Kultur sind nicht die "Brücke" zum Verstehen der Ornament-Kunst in der fremden Kultur. In der Interpretation ihres Werkes besteht Silke Radenhausen vielmehr darauf, sich dem Verstehen der fremden Ornamentik nur mit Hilfe der stets vorläufig und bruchstückhaft bleibenden Kenntnisse über die fremde Kultur anzunähern. Die Verbildlichung dessen, was sie sich inhaltlich über die Ornament-Kunst der Shipibo-Conibo-Indianerinnen durch das Studium ethnologischer Literatur angeeignet hat, bleibt daher auch konsequent reduziert auf die Aussage des Untertitels zu ihrem Werk: die Reise nach Tübingen zu den Shipibo-Conibo als Annäherung an die Kunst-Objekte einer fremden Kultur so, wie sie nun im Schloß Hohentübingen bewahrt und ausgestellt werden.

Die Werk-Installation, die die Künstlerin selbst ausgeführt hat, wird als Sonderausstellung vom 27. Oktober 2001 bis zum 22. März 2002 in der Völkerkunde-Abteilung (Fünfeckturm) des Museums Schloß Hohentübingen zu sehen sein. Zur Ausstellung erscheint ein Katalogführer, der im Museum zum Preis von DM 15,- zu erhalten ist.


Dr. Volker Harms (Kustos)
Völkerkunde-Abteilung
Museum Schloß Hohentübingen
Telefon: 07071-2973997; Fax: 07071-294995
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