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Verständige Technik

26.10.2001 - (idw) Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD

Das EMBASSI-Konsortium stellt auf der internationalen Statustagung "Mensch-Technik-Interaktion" globales Assistenzkonzept für Unterhaltungselektronik, Haushalt, Auto und Terminals vor.


Neue hochwertige Geräte wie digitale Fernseher, Personal Video Recorder, öffentliche Terminals oder Navigationssysteme erleichtern den Alltag der Menschen - das zumindest verspricht die Werbung. Aber oftmals kann der Kunde die Vielzahl von Funktionen eines neuerworbenen Gerätes nicht nutzen, komplizierte Menüs oder unverständliche Bedienungsanleitungen bescheren ihm mehr Frust als Freude.
Das wird sich in Zukunft ändern, denn im Leitprojekt EMBASSI entwickeln namhafte Partner aus Industrie und Forschung seit zwei Jahren eine "Elektronische Multimediale Bedien- und Service-Assistenz". Ihr Ziel ist, dass Jede und Jeder die Alltagstechnik einfach und intuitiv nutzen kann. "Nicht die unbegrenzten technischen Möglichkeiten der Geräte stehen im Mittelpunkt unserer Forschungstätigkeit, sondern die Bedürfnisse der Menschen. Die neuen Technologien müssen sich an die individuellen Fähigkeiten und Gewohnheiten des Einzelnen anpassen", betont Dr. Thorsten Herfet von der Grundig AG, dem EMBASSI-Konsortialleiter. Vom Kind bis zum Senior sollen alle die Alltagstechnik bedienen können. Die Ingenieure und Informatiker, Ergonomen, Psychologen und Designer in der interdisziplinären Projektgruppe arbeiten an einem umfassenden modularen Assistenzkonzept, das auf innovativen Softwarekomponenten basiert. Dafür entwickeln die Partner unter anderem neuartige Benutzungsschnittstellen, so dass der Nutzer seine Wünsche auf einfache Weise mittels Gesten, Mimik, Texteingabe oder auch Sprache äußern kann. Zusätzliche Hilfe bieten so genannte Avatare, Computer-erzeugte Figuren, die auf Monitoren erscheinen und beispielsweise schrittweise die Bedienung eines Gerätes erläutern.

EMBASSI zielt nicht auf Einzellösungen für die Bedienung von Geräten ab, sondern bindet die verschiedenen Technologien in ein dynamisches vernetztes Gesamtsystem ein. "Die Besonderheit ist der offene und erweiterbare semantische EMBASSI-Layer, eine standardisierte 'semantische Sprachebene' die eine Kommunikation mit bzw. zwischen unterschiedlichen Geräten ermöglicht. Auf deren Basis können Geräte im Auftrag des Nutzers komplexe Aufgaben kooperativ bewältigen - sogar ohne einander vorher kennen zu müssen", erläutert Dr. Thomas Kirste vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung, der wissenschaftliche Koordinator des Projekts. Ein einheitliches Steuerungsprinzip ist in allen Geräten - ob Videorekorder, Navigationssystem oder öffentliches Terminal - integriert.
Die innovative, heutige Systeme um eine semantische Ebene ergänzende Softwareinfrastruktur von EMBASSI interpretiert die Bedürfnisse des Nutzers, die er durch Mimik, Gesten oder Sprache ausdrückt und übermittelt entsprechende Signale an die Geräte. Gleichzeitig gibt er dem Menschen auch eine Rückmeldung, so dass dieser jederzeit die Kontrolle behält. Ferner gewährleisten spezialisierte Systemkomponenten eine individuelle Benutzerführung: Der Assistent "kennt" die Vorlieben einzelner Familienmitglieder. So schlägt er der Mutter eine Auswahl von Spielfilmen im abendlichen Programm vor und der Sohn erhält seinen bevorzugten Musiksender in der richtigen Lautstärke. Diese persönliche intelligente Assistenz unterstützt den Anwender nicht nur Zuhause, sondern auch im Auto und im öffentlichen Raum.

Die Projektpartner stellen auf der internationalen Statustagung "Mensch-Technik-Interaktion" am 26. und 27. Oktober in Saarbrücken zum einen ihre Zwischenergebnisse in der Mitte der vierjährigen Laufzeit von EMBASSI vor. Zum anderen zeigen sie an beispielhaften Anwendungsszenarien für Haushalt, Auto und öffentliche Terminalsysteme wie technische Laien mit Hilfe intelligenter Assistenzsysteme mühelos Videorekorder programmieren, Gefahren im Autoverkehr meistern und auch Sehbehinderte spielend leicht Bankgeschäfte am Automaten erledigen können.

In naher Zukunft könnte am Abend beim Betreten des Hauses der Befehl "mach hell" genügen und schon wird die Beleuchtung aktiviert. Der Wunsch "ich möchte die Nachrichten sehen" informiert die persönliche digitale Assistenz darüber, dass er die Sendung um Viertel nach Acht auf Kanal 7 einschalten soll. Das EMBASSI-System im Auto wird mittels Blickverfolgung registrieren, dass die Aufmerksamkeit des Fahrers nachlässt und ihn warnen. Die mobile Assistenz ermöglicht beispielsweise auch Behinderten, komplexe Transaktionen an einem Bankautomaten vorzunehmen.

Mit Hilfe der Anwendungsszenarien Privathaushalt, Kraftfahrzeug und öffentliche Terminalsysteme evaluieren die EMBASSI-Partner ihre einzelnen Assistenzkonzepte. Die Erkenntnisse der Usability Tests fließen in den Prozess der weiteren Forschungsarbeit ein. "In der kommenden zweiten Projektphase werden wir zwar die Funktionalitäten der einzelnen Komponenten vervollständigen, unser Fokus wird aber auf der Entwicklung eines konfigurierbaren Gesamtsystems liegen, das alle Teilkomponenten integriert", sagt Dr. Thorsten Herfet von der Grundig AG. Das Assistenzsystem soll zum einen für unterschiedliche Anwendungsgebiete konzipiert sein, zum anderen werden die neu entwickelten Basis-Technologien in die weitere Forschungsarbeit zur Mensch-Technik-Interaktion einfließen.

Die Ergebnisse des EMBASSI-Projektes sollen die globale Marktposition der beteiligten deutschen Unternehmen langfristig stärken, denn die Bereiche Automobil und Consumer nehmen auch international eine Schlüsselstellung ein.


EMBASSI ist ein Leitprojekt zum Themenfeld "Mensch-Technik-Interaktion in der Wissensgesellschaft" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Es startete 1999 und hat eine Laufzeit von vier Jahren. Zum EMBASSI-Konsortium gehören folgende Projektpartner: Grundig AG, DaimlerChrysler AG, Loewe Opta GmbH, Robert Bosch GmbH, Siemens AG, Sony International (Europe) GmbH, BioID AG, European Media Lab, Handy Tech Elektronik GmbH, Ingenieurbüro Dr. Seveke, Sikom GmbH, technik für menschen GmbH, FORWISS Erlangen, Humboldt-Universität zu Berlin, Kunsthochschule für Medien Köln / Universität zu Köln, Forschungsinstitut Technologie Behindertenhilfe, Ev. Stiftung Volmarstein, Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD und Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Zentrum für Graphische Datenverarbeitung e.V. (ZGDV).

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