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Streiten will gelernt sein: Studierende übten mit Schülern

31.10.2001 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Terroranschläge von New York und Washington und der aggressive Protest von Globalisierungsgegnern am Rande von Wirtschaftsgipfeln haben die Schlagzeilen der vergangenen Monate bestimmt. Dass Konflikte mit Gewalt ausgetragen werden, ist auch bei Kindern und Jugendlichen auf Schulhöfen zu beobachten: Offensichtlich fehlen hier Strategien, mit denen sich verschiedene Interessen friedlich unter einen Hut bringen lassen. Darum übten angehende Religionslehrer von der Uni Würzburg mit Kindern der Kürnacher Grundschule, wie man Meinungsverschiedenheiten ohne Streit beilegen kann.

Zuvor hatten sich die 21 Studierenden bei einem Seminar des Würzburger Lehrstuhls für Religionspädagogik der Katholisch-Theologischen Fakultät ein halbes Jahr lang mit der so genannten Mediation nach Thomas Gordon beschäftigt. Bei dieser Methode zur Streitschlichtung lösen Kinder und Jugendliche ihre Konflikte untereinander, ohne dass ein Erwachsener eingreifen muss.

Die Studierenden lernten, was es bedeutet, die eigene Meinung zu vertreten, ohne andere körperlich oder mit Worten zu verletzen, und übten die kommunikativen Techniken ein, die Gordon vorschlägt. Beispiel: Beim Herumtoben im Klassenzimmer stößt ein Schüler gegen einen Tisch und ein Schulmäppchen landet auf dem Boden. Die falsche verbale Reaktion des Mäppchenbesitzers lautet etwa: "Pass doch auf, Du Depp!" Besser wäre: "Wenn Du nicht aufpasst und mein Mäppchen runterwirfst, gehen meine Stifte kaputt!"

Schon zu Beginn des Seminars war geplant, das Erlernte später mit Kindern einzuüben. Als Partner wurde die Grundschule in Kürnach bei Würzburg gewonnen. Auf Anregung der Direktorin Margit Meisner machten die Studierenden schon vor dem eigentlichen Projekt die Lehrerinnen der Schule und die Eltern der Kinder mit den Methoden der Mediation vertraut.

Die Lehrerinnen befassten sich im Rahmen eines pädagogischen Tages unter Anleitung der Studierenden in Rollenspielen mit der Streitschlichtung nach Gordon. Außerdem wurde zusammen überlegt, wie die verschiedenen Techniken mit den Kindern eingeübt werden können. Den Müttern und Vätern wurde die Mediation auf einem Elternabend vorgestellt.

Am 9. Oktober war es dann soweit: Die Studierenden übten mit den einzelnen Klassen und deren Klassenlehrerinnen in verschiedenen Spielen, wie man die eigene Meinung vertritt, ohne andere zu verletzen. Dazu Dozent Ulrich Riegel: "Das Projekt wurde von allen Beteiligten als viel versprechend erlebt. Die Studierenden hat vor allem erstaunt, mit welcher Begeisterung sich die Kinder auf die Übungen einließen. Außerdem freuten sie sich über die freundliche Aufnahme durch die Lehrerinnen, so dass sie niemals das Gefühl hatten, 'nur' Student zu sein."

Nach Auskunft von Riegel lernten die Studierenden durch die Zusammenarbeit mit der Schule, die Möglichkeiten der Mediation realistisch einzuschätzen. Darüber hinaus erfuhren sie was es bedeutet, Unterricht zu planen und mit Kindern und Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Auch im Kollegium der Grundschule habe die Kooperation mit der Universität ein positives Echo gefunden. Jetzt sei die Spannung groß, wie sich die neu gelernten Strategien bei Konflikten im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof auswirken werden.

Die Grundidee des Seminars soll unter dem Titel "Kommunikation im System Schule" nun für die Fortbildung von Religionslehrern weiterentwickelt werden.

Weitere Informationen: Ulrich Riegel, T (0931) 888-4841, Fax (0931) 888-4840, E-Mail:
ulrich.riegel@mail.uni-wuerzburg.de
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