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"Abgewickelt und weggeworfen - Orangenpapiere"

15.11.2001 - (idw) Freie Universität Berlin

Ausstellung im Botanischen Garten der FU vom 16. November bis 3. März 2002

In der Sonderausstellung "Abgewickelt und weggeworfen - Orangenpapiere" vermittelt das Botanische Museum der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit dem Orangenpapiermuseum (OPIUM) in Salzgitter einen Einblick in die Bilderwelt der Orangenpapiere. Dank der Sammelleidenschaft Herrn Dr. Dirik von Oettingens präsentiert es ab Freitag eine Leihgabe von 340 Exponaten unter Glasrahmen. Seit 1997 sammelt Dr. von Oettingen Orangenpapiere, seine Sammlung umfasst 30.000 Papiere aus aller Welt.

Orangenbäume, aus Südostasien stammend, vertragen keinen Frost. In Europa ist ihr Anbau deshalb auf südliche Mittelmeergebiete wie Sizilien oder die Region Valencia beschränkt. Noch im 19. Jahrhundert war eine Apfelsine ("Apfel aus China") in Mittel- und Nordeuropa unerschwinglich. Nur Könige und Fürsten konnten sich die köstlichen Früchte durch Kuriere bringen lassen oder sie in eigens dafür konstruierten Orangerien am Hofe ziehen.

Neue Transportmittel wie Eisenbahn, Dampfschiff und später der Lkw machten ab etwa 1860 zunehmende Exporte von Orangen aus Südeuropa in unsere Breiten möglich. Einzeln von Hand mit Stroh in Holzkisten verpackt, gelangten die wertvollen Früchte zu uns. Um Transportschäden und gegenseitige Ansteckung mit Fäulnis einzuschränken, wurden sie in Papier eingeschlagen, das seit der Erfindung des Holzschliffes im Preis gesunken und nun auch für einfache Massenverwendungen einsetzbar war.

Zunächst blieb dieses Einwickelpapier unbedruckt. Dann aber begannen einzelne Erzeuger, ihren Namen in schön geschwungener Schreibschrift darauf anzubringen. Kleine Abbildungen kamen hinzu, und bald war das Orangenpapier als Träger von Reklame erfunden. Immer reicher wurde diese Bilderwelt. Technische Errungenschaften, schöne Frauen, Mohren, bekannte Persönlichkeiten, die gesamte Tierwelt, Zitrusfrüchte in immer neuen Variationen, Sonnen und andere Himmelskörper, Szenen aus Anbau und Ernte, das klassische Altertum, Kronen, Herzen, Edelsteine, Ornamente, Schiffe und Flugzeuge, Märchen, Comics, - es gibt wohl keinen Lebensbereich, der nicht seinen Niederschlag auf ihnen gefunden hätte.

Orangenpapiere werden massenhaft in meist einfachen Drucktechniken hergestellt und in aller Regel weggeworfen. Künstlerischem Anspruch selten genügend, gewinnen sie gerade durch diese Flüchtigkeit ihren Reiz. Sie wollen gefallen, aber nur für einen kurzen Augenblick. Vor dem Mülleimer bewahrt, sind sie Kultur- und Zeitzeugnisse für den Anbau von Zitrusfrüchten am Mittelmeer, Verkaufsplakate im Kleinformat und Sammelgrafiken, die nichts kosten.


Öffnungszeiten: Botanisches Museum, Königin-Luise-Str. 6 - 8, 14191 Berlin täglich 10.00 bis 18.00 Uhr

Informationen: Prof. Dr. Brigitte Zimmer, Tel.: 030/838-50135, Fax: 838-50186, Internet: http://www.bgbm.fu-berlin.de/bgbm

Orangenpapiermuseum (OPIUM), Dr. Dirik von Oettingen, Alter Weg 58, 38229 Salzgitter, Tel.: 05341/871083, Fax: 871084, E-Mail: oettingen@t-online.de, im Internet: http://www.opium.via.t-online.de/index1.htm
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