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Chemische Kampfstoffe

15.11.2001 - (idw) Fachhochschule Aalen

Gastvortrag von Dr. Manfred Metzulat an der FH Aalen


Dr. Manfred Metzulat Fritz Haber (1868-1934) spielte eine große Rolle. In der Chemie sowieso, aber auch in der Entwicklung von chemischen Kampfstoffen. Im Vortrag von Dr. Manfred Metzulat an der FH Aalen stand daher der Name Haber am Anfang. Haber hatte den Einsatz chemischer Substanzen als Kampfstoffe propagiert und gilt als verantwortlich dafür, dass am 22. April 1915 bei Ypern 15.000 Menschen einem Angriff mit Chlorgas erlagen. Als die Alliierten Ende 1915 nachzogen, drehte der Wind. Zu diesem Zeitpunkt war man in Deutschland schon weiter: S-Lost war einsatzbereit, das die Tücken der launigen Natur umging. Der von Habers Mitarbeitern Lommel und Steinkopf entwickelte schwefelhaltige Kampfstoff setzt sich zeitig aus der Luft auf Oberflächen der Umgebung ab und kann von dort nicht mehr in die eigenen Reihen zurück geblasen werden. Entsprechend geht die tödliche Wirkung von S-Lost nicht auf ein Lungenödem zurück, wie bei Chlor, sondern erzeugt auf der Haut der Opfer brandblasenartige Metastasen.

Auf die ersten Angriffswellen hin versuchten die Alliierten sich noch mit urinbefeuchteten Tüchern vor dem Giftgas zu schützen. Erst allmählich wurden wirkungsvolle Schutzmasken entwickelt. Als diese sich dann als Bestandteil militärischer Ausrüstungen etablierten, schlug die Stunde des Maskenbrechers Chlor-Arsen-Kampfstoff I (Clark I). Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist Clark I kein Gas. Es breitet sich als Schwebeteilchen in der Luft aus, ohne chemisch mit den Filtern der Masken wechselzuwirken. Zwar ist Clark I nicht toxisch, es löst aber bei den Opfern Atemnot aus. Was wiederum dazu führt, dass diese die Masken abnehmen und dann schonungslos den sie umgebenden Giftgasen ausgesetzt sind.

Metzulat schätzt die Anzahl der durch chemische Kampfstoffe im 1. Weltkrieg ums Leben gekommenen Menschen auf 100.000. Eine weitere Million Opfer habe unter den Spätfolgen, die nicht sofort nach Einsatz der Kampfstoffe nachweisbar waren, gelitten. Angesichts dieser 'Leistung' war der Protest doch recht gering, der sich regte, als Haber 1918 den Nobelpreis für Chemie verliehen bekam.

Für den Zweiten Weltkrieg wurde in deutschen Labors dann mit Phosphorsäureester experimentiert. Dabei gelang dem Chemiker Gerhard Schrader die Synthese des Nervengiftes Sarin. Es blockiert das Enzym Acetylcholinesterase und verhindert so, dass bestimmte Botenstoffe bei der Reizweiterleitung im Nervensystem abgebaut werden können. Als Folge bleiben die Nervenzellen dauererregt und der menschliche Organismus verkrampft.

Weit verheerendere Folgen als Sarin hatte in den zwölf braunen Jahren die kristallisierte Blausäure Zyklon B, die wiederum von Fritz Haber erfunden wurde. Die höchst effiziente und zielgruppenorientierte Anwendung von Zyklon B durch die Nazis musste Haber, selbst Jude, nicht mehr miterleben. Er starb 1934.
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