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Neues Graduiertenkolleg an der Medizinischen Fakultät Heidelberg

16.11.2001 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

"Epidemiologie übertragbarer und chronischer, nicht übertragbarer Erkrankungen und deren Wechselbeziehungen" - Promotionsstipendien für 15 Doktoranden - Sprecher: Prof. Dr. Heiko Becher

An der Universität Heidelberg wird ab dem 1. April 2002 ein neues Graduiertenkolleg mit dem Titel "Epidemiologie übertragbarer und chronischer, nicht übertragbarer Erkrankungen und deren Wechselbeziehungen" eingerichtet. Sprecher des Kollegs ist Prof. Dr. Heiko Becher, Abteilung Tropenhygiene und öffentliches Gesundheitswesen am Hygiene-Institut, Universitätsklinikum Heidelberg. Stellvertretender Sprecher ist Prof. Dr. Hermann Brenner, Abteilung Epidemiologie, Deutsches Zentrum für Alternsforschung. Das Kolleg umfasst Promotionsstipendien für 15 Doktoranden sowie Sachmittel für epidemiologische Feldarbeit, Lehrveranstaltungen und weiteres mehr.

Die Epidemiologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit der Verteilung und Häufigkeit von Erkrankungen in repräsentativen Gruppen der Bevölkerung befasst. Sie trägt wesentlich zum besseren Verständnis von Krankheitsursachen und, daraus abgeleitet, auch zur Krankheitsvorbeugung bei. Während epidemiologische Forschung, die in Deutschland lange unterrepräsentiert war, in jüngster Zeit einen erheblichen Aufschwung erfahren hat, wird es angesichts eines im Vergleich zu den angelsächsischen Ländern eklatanten Mangels an Weiterbildungsprogrammen für den wissenschaftlichen Nachwuchs zunehmend schwieriger, hochqualifizierte Nachwuchskräfte für eine wissenschaftliche Laufbahn zu finden.

In Heidelberg sind mittlerweile zahlreiche ausgewiesene Abteilungen etabliert, die mit epidemiologischen Methoden in verschiedenen Bereichen sehr erfolgreich arbeiten und über vielfältige epidemiologische Expertise verfügen, und in denen auch eine beträchtliche Anzahl an Doktorarbeiten betreut und durchgeführt wurden. Insgesamt sind an der Universität Heidelberg die Abteilungen Tropenhygiene und öffentliches Gesundheitswesen, klinische Sozialmedizin, Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie beteiligt, am Deutschen Zentrum für Alternsforschung die Abteilung Epidemiologie, am Deutschen Krebsforschungszentrum die Abteilung klinische Epidemiologie, Arbeitsgruppe Umweltepidemiologie.

Mit der Bündelung der Forschungsinteressen und der in Heidelberg verfügbaren epidemiologischen Erfahrung und Kenntnisse in einem systematisch angelegten Forschungs- und Studienprogramm soll nun ein Beitrag zu einer besseren Ausbildung und schnelleren Qualifizierung der Doktoranden geleistet werden. Über die Schaffung eines gemeinsamen Informationsforums, gemeinsam organisierter Spezialvorlesungen, Praktika und Ringvorlesungen unter Einbeziehung nationaler und internationaler Kooperationspartner der einzelnen Arbeitsgruppen soll zudem der wissenschaftliche Austausch und Erkenntnisgewinn maximiert und der wissenschaftliche Nachwuchs für die anstehenden Forschungsaufgaben umfassender ausgebildet werden.

Die Antragsteller wollen mit dem beantragten Graduiertenkolleg in mehrfacher Hinsicht neue Wege in der Qualifizierung von Doktoranden auf dem Gebiet der epidemiologischen Forschung beschreiten.

Etablierte und neu eingerichtete große epidemiologische Studien, die mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten und mit unterschiedlichen Designs in unterschiedlichen Populationen durchgeführt werden, werden als gemeinsame Plattform für Dissertationsprojekte von mehreren Arbeitsgruppen in interdisziplinärer Zusammenarbeit genutzt. Hierzu zählen zwei laufende prospektive Kohortenstudien im süddeutschen Raum mit 25 000 und 14 000 Studienteilnehmern im mittleren und höheren Erwachsenenalter, eine in Vorbereitung befindliche retrospektive Kohortenstudie von 50000 Spätaussiedlern aus osteuropäischen Ländern, eine bevölkerungsbezogene Fall-Kontroll-Studie zum kolorektalen Karzinom sowie ein in einem Entwicklungsland etabliertes "Demographic Surveillance System", ein prospektives Erhebungsinstrument einer Gesamtbevölkerung von 60 000 Individuen.

Die Kollegiaten haben so die Möglichkeit, alle Arbeitsschritte verschiedener Studientypen im Bereich der deskriptiven und analytischen Epidemiologie in einem forschungsorientierten Ausbildungsprogramm von der Studienimplementation, der Feldarbeit, verschiedenen Labortechniken bis hin zur statistisch-epidemiologischen Auswertung und wissenschaftlichen Zusammenfassung und Verbreitung der Ergebnisse zu durchlaufen und zu erlernen.

Zweitens soll eine Integration des Methodenrepertoires und der Anwendungsgebiete der traditionellerweise zumeist in getrennten Schulen und Arbeitsgruppen angesiedelten Bereiche der Epidemiologie der übertragbaren Erkrankungen und der Epidemiologie der nicht übertragbaren Erkrankungen erreicht werden. Das Forschungs- und Studienprogramm trägt damit den in jüngster Zeit rasch zunehmenden Erkenntnissen über die vielfältigen Interaktionen zwischen beiden Bereichen in besonderer Weise Rechnung.

Rückfragen bitte an:

Prof. Dr. Heiko Becher
Abteilung Tropenhygiene und öffentliches Gesundheitswesen am Hygiene-Institut, Universitätsklinikum Heidelberg
Tel. 06221 565031 und 565344, Fax 565948

allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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