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1000ste Knochenmark-Transplantation an der Medizinischen Hochschule Hannover

25.01.2002 - (idw) Medizinische Hochschule Hannover

Kliniken in Niedersachsen und Bremen haben eine Arbeitsgemeinschaft gegründet

Im Januar 1986 wurde erstmals an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine Knochenmark-Transplantation durchgeführt, die tausendste erfolgte vor wenigen Wochen: Damit ist die aufwendige Therapie 243-mal bei Kindern, 757-mal bei Erwachsenen eingesetzt worden.

Blutkrebs und bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems werden ebenso behandelt wie angeborene Erkrankungen des Immunsystems und Stoffwechselstörungen. Die Übertragung von Knochenmark- oder Blutstammzellen bedeutet meist die einzige Chance, die lebensbedrohlichen Krankheiten zu heilen. Leider führt die Therapie nicht immer zum gewünschten Erfolg - hier spielen vor allem Risiken der Grunderkrankung und transplantationsbedingte Komplikationen eine Rolle.

Bis Ende 2000 standen an der MHH für Kinder und Erwachsene sechs Transplantationsplätze zur Verfügung. Die im vergangenen Jahr eingeweihte "Dr. Mildred Scheel-Station", die von der Deutschen Krebshilfe maßgeblich finanziert wurde, bietet 16 Betten. Rund 150 Übertragungen sind jährlich vorgesehen.

Seit der ersten Transplantation hat sich viel verändert:

· Die Behandlungsergebnisse wurden durch Weiterentwicklungen in der Therapie und in der Nachsorge deutlich verbessert.

· Die Altersgrenze ist erheblich angestiegen: Selbst Patienten, die älter als 60 Jahre sind, können mittlerweile von einer Knochenmark- oder Blutstammzell-Transplantation profitieren.

· Dank großer nationaler und internationaler Spenderdateien werden inzwischen für viele Patienten ohne "passende" Familienangehörige gewebeverträgliche Spender gefunden. Die Zahl der Fremdspender-Transplantationen hat dementsprechend zugenommen.

· Sollte auch kein Fremdspender gefunden werden, bleibt die Möglichkeit, Stammzellen von Eltern auf Kinder zu transplantieren (so genannte haploidente Spender), obwohl die Gewebsmerkmale nur zu 50 Prozent übereinstimmen.

· Heute übertragen Ärzte in den meisten Fällen Stammzellen, die sich aus dem Blutkreislauf des Spenders - ähnlich wie bei einer Blutspende - herausfiltern lassen. Der früher zur Gewinnung des Knochenmarks erforderliche Eingriff kann damit entfallen.

In Niedersachsen ist die MHH das einzige Zentrum, das alle Transplantationsarten für Kinder und Erwachsene anbietet:

· Bei der autologen Transplantation wird patienteneigenes Knochenmark rückübertragen beziehungsweise es werden eigene Blutstammzellen transplantiert.

· Bei der allogenen Transplantation müssen Empfänger und Spender möglichst identische Gewebemerkmale aufweisen. In Frage kommen Geschwister, andere Familienangehörige oder auch Fremdspender.

· Blutstammzellen aus der Nabelschnur werden vorrangig bei Kindern transplantiert. Im vergangenen Jahr gelang erstmals an der MHH eine solche Transplantation bei einer erwachsenen Patientin.

In eingeschränktem Umfang führen Kliniken in Braunschweig, Göttingen, Hameln, Oldenburg und Osnabrück, das Krankenhaus Siloah in Hannover sowie das Zentralkrankenhaus St.-Jürgens-Straße und das Diakonie-Krankenhaus in Bremen ebenfalls Knochenmark- und Blutstammzell-Transplantationen durch. Diese Kliniken und die MHH haben sich jetzt zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um die Therapie in hoher Qualität in der Versorgungsregion Niedersachsen und Bremen ausreichend anbieten zu können: Die "Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung der hämatopoetischen Stammzell-Transplantation in Niedersachsen und Bremen" wurde am 16. Januar 2002 in der MHH gegründet.


Weitere Informationen geben gern: Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der Abteilung Hämatologie und Onkologie der MHH, Telefon: (0511) 532-3020, Privatdozent Dr. Bernd Hertenstein, Abteilung Hämatologie und Onkologie der MHH, Telefon: (0511) 532-6394, Professor Dr. Karl Welte, Direktor der Abteilung Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Telefon: (0511) 532-6710, sowie Privatdozent Dr. Karl-Walter Sykora, Abteilung Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der MHH, Telefon: (0511) 532-3288.
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