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TA-Akademie: Stammzellen-Debatte braucht Beteiligung der Öffentlichkeit

28.01.2002 - (idw) Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg

Vertrauen in die Politik ist bei der Gentechnik gering

Vor der entscheidenden Abstimmung über den Import embryonaler Stammzellen am 30. Januar im Deutschen Bundestag regt die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (TA-Akademie) an, den Dis-kurs mit den Bürgern bei diesem hochsensiblen Thema stärker in den Mit-telpunkt zu rücken. ,,Egal wie die Abstimmung ausgeht, die Debatte wird weitergehen, denn sie wurde bisher fast nur unter Experten und Verbands-sprechern geführt", so Prof. Ortwin Renn, Leitender Direktor der TA-Akademie. ,,Was fehlt, ist eine breite öffentliche Diskussion, wie sie nur mit Hilfe innovativer Bürgerbeteiligungsverfahren gelingen kann", sagte Renn. Gerade politische Institutionen, Wirtschaft und Wissenschaft genössen in der Gentechnikdebatte nur geringes Vertrauen, wie eine Umfrage der TA-Akademie im Auftrag der Europäischen Kommission vom November 1999 zeigt. ,,Deshalb ist es wichtig, dass der Bioethik-Diskurs nicht nur in Fachgremien wie dem Nationalen Ethikrat stattfindet, sondern auf eine breite Basis gestellt wird", so Renn. Es bestehe sonst das gesellschaftliche Risiko, dass die Diskussion an den zentralen Gesichtspunkten, die für die Bevölkerung wichtig seien, vorbei geführt werde. Gerade bei gesellschaftlich strittigen Themen wie der Gentechnik am Menschen könnten diskursive Formen der Bürgerbeteiligung eine wertvolle Beratungshilfe für die parlamentarischen Gremien bei der Entscheidungsfindung darstellen. Dies zeigten die guten Erfahrungen der TA-Akademie mit Bürgerforen, bei denen nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürger in mehrtägigen Diskussionen ein eigenes Urteil abgeben. ,,Ein wesentlicher Vorteil dieser Bürgerforen gegenüber Meinungsumfragen besteht darin, dass die Bürger im Laufe des Verfahrens gut informiert werden und sich in einer breit angelegten argumentativen Auseinandersetzung mit konträren Positionen beschäftigen", so Renn. Die daraus resultierenden Empfehlungen zeichneten sich durch ihre differen-zierten Urteile aus, die auch das gewohnte Schwarzweiß-Schema verließen. Bürgerforen könnten somit dazu beitragen, das Selbstverständnis einer wertpluralistischen und demokratischen Gesellschaft in Bezug auf die Grundsatzfragen der Bioethik zu klären.

Ansprechpartner:
Prof. Ortwin Renn, Tel. 0711/9063-160
E-Mail: ortwin.renn@ta-akademie.de

Markus Geckeler, Tel: 0711/9063-222
E-Mail: markus.geckeler@ta-akademie.de


Zur aktuellen Diskussion: Ingo Hillebrand, Dirk Lanzerath: Klonen. Stand der Forschung, ethische Diskussion, rechtliche Aspekte. Zeitfragen, Juni 2001.
Aktuelle Neuauflage im Internet unter www.ta-akademie.de auch als Download. Gedruckte Version ab Mitte Februar verfügbar unter Fax-Nr. 0711/9063-299 bzw. per E-Mail unter www.ta-akademie.de.
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