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Wie therapiert man Seen?

14.03.2002 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.

80 Experten aus ganz Deutschland beim Workshop des Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) vom 18.-20. März in Blossin bei Berlin

Vom 18. bis 20. März 2002 veranstaltet das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) einen dreitägigen Workshop zur Seenrestaurierung im Jugendbildungszentrum Blossin am Wolziger See, nahe Berlin. Aus ganz Deutschland kommen mehr als 80 Fachleute aus Ingenieurbüros, Behörden der Wasserwirtschaft und Forschungseinrichtungen zusammen, um Stand und Perspektiven der Seentherapie zu diskutieren.

Hohe Nährstoffeintrage aus der Landwirtschaft und häuslichem Abwasser führen zur Überdüngung (Eutrophierung) der Seen. Dies ist im Berliner und Brandenburger Raum, aber auch im übrigen Bundesgebiet, ein häufiges Gewässergüteproblem. Die Folgen: Algenmassenentwicklungen, Auftreten toxischer Blaualgen, Verlust der Artenvielfalt, Sauerstoffschwund, Fischsterben und Geruchsbelästigung. Der Handlungs- und Erfolgsdruck für die Entscheidungsträger ist enorm.
Zwar führten der Bau von Kläranlagen, phosphatfreie Waschmittel und eine veränderte Düngepraxis in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren zu einem Rückgang der Neueinträge, aber einmal in die Seen eingebrachte Nährstoffe bleiben dort oft noch jahrzehntelang wirksam. Bis die Wirkung der reduzierten Neueinträge einsetzt, können als "Übergangslösung" Restaurierungsverfahren im Gewässer zum Einsatz kommen, um die Symptome der Überdüngung abzuschwächen.
Eingesetzt werden Verfahren wie Belüftung des Tiefenwassers, Entfernung des Seeschlammes oder Zugabe von chemischen Fällmitteln. In der Vergangenheit blieben die Wirkungen der sehr kostenintensiven Verfahren, die in Deutschland jährlich viele Millionen Euro verschlingen, häufig weit hinter den Erwartungen zurück oder gänzlich aus. Deshalb sollen während des Workshops die vorliegenden Erfahrungen kritisch ausgewertet, der Ablauf von Entscheidungsprozessen analysiert und wissenschaftliche, umweltpolitische und administrative Defizite herausgearbeitet werden.

Der Workshop wird organisiert im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Forschungsvorhabens, welches die naturwissenschaftlichen Entscheidungsgrundlagen beim Einsatz von Restaurierungsmaßnahmen verbessert. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse sollen mit dem Workshop einem breiten Fachpublikum aus der wasserwirtschaftlichen Praxis zugänglich gemacht werden.

Anprechpartner: Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
Prof. Dr. Christian Steinberg, Berlin, Tel.: 030 641 81 -601
Prof. Dr. Rainer Koschel, Stechlin-Neuglobsow, Tel.: 033082 699-0
Dr. Michael Hupfer, Berlin, 641 81 -605
Während der Tagung: 0170/7176715
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