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"Perspektiven Medizin"

14.03.2002 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Die Zeiten, in denen ein Medizinstudium den Weg in eine glanzvolle berufliche Karriere geebnet hat, sind lange vorbei. Wer sich heute für den Arztberuf entscheidet, muss schon eine große Portion Idealismus und Durchhaltevermögen mitbringen. Dies gilt insbesondere auch für diejenigen jungen Mediziner, die eine wissenschaftliche Tätigkeit anstreben. Auf die derzeit ausgesprochen schwierigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen und speziell in der Hochschulmedizin sowie auf ihre momentan unsicheren Zukunftsaussichten machen junge Mediziner am 16. April 2002 beim traditionellen Tag des Wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Münster aufmerksam. "Perspektive Medizin" ist die von 9 bis 19 Uhr im münsterschen Schloss stattfindende Veranstaltung überschrieben, bei der die Nachwuchswissenschaftler der Medizinischen Fakultät in Vorträgen und Posterbeiträgen auch eine Auswahl ihrer breitgefächerten Forschungsaktivitäten präsentieren.

Zunehmende Sparzwänge im Gesundheitswesen, unabsehbare organisatorische Veränderungen im Zuge der bevorstehenden grundlegenden Reform der Krankenhausfinanzierung, ständig wachsende administrative Aufgaben und wöchentliche Arbeitszeiten zwischen 60 und 80 Stunden bei vergleichsweise geringer Bezahlung bestimmen heute den Alltag der jungen Mediziner an den deutschen Universitätskliniken. In anderen Krankenhäusern und Praxen ist es kaum besser. "Es wird zur Zeit an vielen Schrauben im Gesundheitswesen gedreht, ohne dass es ein sichtbares Gesamtkonzept gibt", betont Privatdozent Dr. Josef Vormoor von der Klinik für Kinderonkologie, einer der Organisatoren des Tags des Wissenschaftlichen Nachwuchses. "Keiner weiß, wie es mit dem Gesundheitswesen weitergeht", pflichtet ihm seine Kollegin Privatdozentin Dr. Anne Wolowski von der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik bei, die neben Dr. Carsten Müller-Tidow (Innere Medizin A), Dr. Nicola Tidow (Klinische Chemie) und Dr. Gregor Theilmeyer (Anästhesiologie) eine der Mitorganisatoren ist. Zwar lasse die Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes beziehungsweise des Urteils des Europäischen Gerichtshofes, wonach Bereitschaftsdienst nicht wie an deutschen Kliniken üblich, als Arbeitszeit gewertet werden darf, die Einstellung zusätzlicher Ärztinnen und Ärzte erwarten. Wie Patientenversorgung, Forschung und Lehre an den Universitätskliniken künftig sinnvoll realisiert werden könne, bleibe dabei jedoch weiter offen.


Verschärfend hinzu kommen für die Mediziner an den Universitätskliniken Strukturveränderungen an den Medizinischen Fakultäten im Zuge der rechtlichen Verselbstständigung der Krankenversorgung und neuer Modalitäten bei der Mittelzuweisung sowie insbesondere auch die aktuellen Entwicklung im Bereich der Hochschulgesetzgebung. Große Sorge bereitet dem wissenschaftlichen Nachwuchs vor allem die im Zuge des neuen Hochschulrahmengesetzes vorgesehene Befristungsreglung für Nachwuchswissenschaftler. Auch die Einführung von Juniorprofessuren wird speziell für den Bereich der Medizin als praktisch kaum praktikabel und der damit einhergehende Bedeutungsverlust der Habilitation von vielen jungen Wissenschaftlern sehr kritisch gesehen. Vormoor hebt in diesem Zusammenhang die heute zunehmend genutzte Möglichkeit der so genannten kumulativen Habilitation hervor, bei der mehrere Veröffentlichungen zu bestimmten wissenschaftlichen Fragestellungen die klassische große Habilitationsschrift ersetzen.

Um die vielen Fragen, die junge Mediziner derzeit angesichts der aktuellen tiefgreifenden Veränderungen im Gesundheitswesen und in der Hochschulpolitik stark bewegen, eingehend zu erörtern und möglicherweise auch kontrovers zu diskutieren, haben die Organisatoren des Tags des wissenschaftlichen Nachwuchses als Referenten und Teilnehmer einer abschließenden Podiumsdiskussion führende Vertreter aus der Bildungs- und Hochschulpolitik sowie der ärztlichen Standesvertretung gewinnen können. Dazu zählen unter anderem der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium Wolf Michael Catenhusen, der Vizepräsident des Deutschen Hochschulverbandes Prof. Dr. Claus Herberhold sowie der Mannheimer Anästhesist Dr. Josef Ungemach als Vorstandsmitglied des Marburger Bundes. Wie sich aus ihrer Sicht die "Perspektive Medizin" darstellt, diskutieren bei der um 17.30 Uhr in der Aula im Schloss stattfindenden Podiumsdiskussion ferner der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Münster Prof. Dr. Clemens Sorg sowie als Vertreter der münsterschen Nachwuchswissenschaftler Privatdozentin Dr. Sabine Kliesch (Urologie) und Privatdozent Dr. Burkhard Brandt (Klinische Chemie).

Dass die jungen Mitglieder der Medizinischen Fakultät bei allen Unwägbarkeiten im Hinblick auf ihre Zukunftsperspektiven und trotz der besonderen Belastungen in ihrem Spannungsfeld zwischen Krankenversorgung, Forschung und Lehre gleichwohl hervorragende wissenschaftliche Arbeiten leisten, wird am Vormittag bei der Präsentation von Forschungsprojekten deutlich. Bei der Auswahl der acht Vorträge hat das Organisationsteam darauf geachtet, die große Bandbreite der Forschung an der Medizinischen Fakultät vor Augen zu führen. Das Spektrum der präsentierten Arbeiten reicht von molekulargenetischen Beiträgen zur Krebsforschung über Projekte zur Stammzellforschung bis hin zur Untersuchung der Mechanismen des postoperativen Schmerzes. Ergänzt wird das Vortragsprogramm durch 40 Posterbeiträge, in denen Nachwuchswissenschaftler aus allen Bereichen der Medizin ihre Forschungsarbeiten präsentieren.

Nach dieser Vorstellung von Forschungsarbeiten geht es am Nachmittag in weiteren Themenblöcken um Erfahrungsberichte münsterscher Nachwuchswissenschaftler im Ausland und um Aspekte der Forschungsförderung, bevor ab 14.45 Uhr eingehend die beruflichen Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses erörtert werden.

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