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Nachwuchswissenschaftler fordern berechenbarere Karrierechancen

14.03.2002 - (idw) Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Auf Einladung der Jungen Akademie haben sich Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen und Initiativen des Wissenschaftlichen Nachwuchses in Blankensee (Brandenburg) getroffen. Zweck des Treffens von THESIS e.V., der Jungen Akademie und der Initiative 'PerspektiveFORSCHUNG' war es, die Standpunkte hinsichtlich der Chancen und Risiken der nun umzusetzenden Dienstrechtsreform einander vorzustellen und Aktivitäten zukünftig stärker zwischen den Gruppen zu koordinieren.

Bei dem Treffen wurde deutlich, dass die Positionen der angereisten Organisationen in allen wichtigen Punkten übereinstimmen. Giovanni Galizia, Sprecher der Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie, fasst zusammen: "Die Dienstrechtsreform ist notwendig und geht in die richtige Richtung. Aber wichtige Reformfelder sind schlecht oder gar nicht bearbeitet worden. Dies stellt den Erfolg der Reform ernsthaft in Frage." Über die Bereitschaft der politisch Verantwortlichen, die Expertise der jungen Wissenschaftler ernst zu nehmen, können alle Nachwuchsorganisationen von enttäuschenden Erfahrungen berichten. Die Organisationen fordern nun, dass bei der jetzt anstehenden Umsetzung der Reform in den Bundesländern die Nachwuchswissenschaftler nicht weiter gezielt ausgegrenzt werden dürften. Harald Völker, Bundesvorsitzender von THESIS, blickt gedämpft optimistisch in die Zukunft: "Die Länder würden sich einen Bärendienst erweisen, wenn sie das Wissen und die Erfahrungen des Wissenschaftlichen Nachwuchses nicht in die Beratungen einbeziehen würden."

Die Junge Akademie, 'PerspektiveFORSCHUNG' und THESIS bemängeln, dass die öffentliche Debatte derzeit ausschließlich über das Thema Befristungsregel geführt wird. Die Nachwuchsorganisationen nennen mit der Ausstattung der Juniorprofessuren und der Minimierung biografischer Risiken zwei weitere Bereiche, in denen es Verbesserungen geben müsse. Bei der Ausstattung sollten in den Landesgesetzen materielle Mindeststandards festgeschrieben werden. Auch müsse bei der Umsetzung des neuen Gesetzes in Landesrecht für die neuen Qualifikationswege spätestens in der Endphase der Reform das tenure-track Modell eingeführt werden. Ein besonders kontraproduktives Hindernis für die wissenschaftliche Laufbahn sehen die Nachwuchswissenschaftler in den nach wie vor fehlenden Berufsperspektiven für diejenigen, die nicht auf eine Professur berufen werden. Auch wer keinen Ruf erhalte, müsse seine Leistungsfähigkeit sowohl in der Forschung als auch auf dem außeruniversitären Arbeitsmarkt angemessen entfalten können. Dazu bedürfe es des Ausbaus von Funktionsstellen im akademischen Mittelbau und der Einführung innovativer Arbeitsplatzmodelle für Wissenschaftler, wie z.B. drittmittelfinanzierter unbefristeter Planprojektstellen. Weitere wichtige Maßnahmen seien die konsequente und unbürokratische Öffnung des gymnasialen Lehramts und der Fachhochschulen für Seiteneinsteiger aus der Universitätslehre sowie kompetenzspezifische Placement-Hilfen für den freien Arbeitsmarkt.

Weitere Informationen/Kontakt:

Junge Akademie: Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, http://www.diejungeakademie.de, Giovanni Galizia (galizia@diejungeakademie.de)

THESIS: Interdisziplinäres Netzwerk für Promovierende und Promovierte THESIS e.V.,

http://www.thesis.de, Harald Völker (harald_voelker@gmx.net)

PerspektiveFORSCHUNG: Initiativgruppe am Max-Planck-Institut für Meteorologie, http://www.mpimet.mpg.de/~giorgetta.marco/hrg12/mpi_hrg.html, Johann Jungclaus (jungclaus@dkrz.de)
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