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TA-Akademie empfiehlt "Jahr der Verhaltenswissenschaften" 2004

15.03.2002 - (idw) Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg

Ein ,,Jahr der Verhaltenswissenschaften'' im Jahr 2004 könnte nach Meinung von Prof. Ortwin Renn einen Schub für das Verständnis der Öffentlichkeit für die Wissenschaft und deren Funktionsweise bringen. ,,Die Frage, warum Menschen sich verhalten, wie sie sich verhalten, übt nach wie vor eine große Faszination aus'', sagte der Leitende Direktor der Akademie für Technikfolgenabschätzung (TA-Akademie) anlässlich eines Vortrags von Ekkehard Winter, Leiter des Bereiches Programm & Förderung beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft am 13. März in Stuttgart-Vaihingen. Dieses Interesse könne man sich zu Nutze machen, um den Prozess des Public Understanding of the Science and Humanities (PUSH), also eines besseren Verständnisses von Wissenschaft in Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik zu fördern. ,,Die Idee des Wissenschaftsjahres hat es vor allem vermocht, die jeweilige Wissenschaftsgemeinde zu mobilisieren'', so Winter in seinem Vortrag ,,Wissenschaft im Dialog - von PUSH zur Bürgerkonferenz''. 2000 wurde erstmals das Jahr der Physik ausgerufen, dem 2001 das Jahr der Lebenswissenschaften und 2002 das der Geowissenschaften folgten. Für 2003 steht als Thema das "Jahr der Chemie" bereits fest, das Thema im Jahr 2004 ist noch offen.
Mit PUSH stieß der Stifterverband 1998 eine Initiative der gesamten Wissenschaft in Deutschland an, um im Dialog vor allem junge Menschen stärker für die Wissen-schaft zu begeistern, aber auch das Verständnis in Politik und Wirtschaft für die Belange der Wissenschaft zu erhöhen. Mit dem Wissenschaftsjahr, dem Wissen-schaftssommer, neuartigen Partizipationsformen, wie etwa der Konsensuskonferenz zur Gentechnik in Dresden oder dem Jugendforum ,,Pfade nach Utopia'', das von der TA-Akademie gemeinsam mit dem Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim geplant und umgesetzt wurde, kann PUSH auf eine Fülle von Aktivitäten zurückblicken, deren Erfolg allerdings bisher noch nicht genau überprüft wurde. Sorge bereitet Winter nach wie vor die mangelnde Beteiligung der Geisteswissen-schaften am PUSH-Prozess. So hätten sich bei den bisherigen drei Ausschreibungen, bei denen jeweils rund 250.000 Euro an Fördergeldern vergeben wurden, kaum interessante Projektanträge geistes- oder sozialwissenschaftlicher Einrichtungen befunden.
,,Die Wissensgesellschaft verlangt den informierten, aufgeklärten Bürger, der in der Lage ist, neue Erkenntnisse zu bewerten, und die Optionen einzuschätzen, die sie für Gesellschaft, Wirtschaft und das Leben der Menschen bereithalten'', so Winter. Langfristiges Ziel von PUSH müsse es deshalb sein, den Prozesscharakter der Forschung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. In der Forschung gehe es weniger darum, fertige Antworten zu präsentieren, als vielmehr die richtigen Fragen zu stellen. Gleichzeitig müsse es gelingen, strukturelle Änderungen im Wissen-schaftssystem durchzusetzen, etwa indem die Anreize für Wissenschaftler, sich dem Dialog mit der Öffentlichkeit zu stellen, stärker honoriert würden. Winter regte dazu an, etwa die Tätigkeit als Sachverständigen bei einer Konsensuskonferenz als ein Merkmal für Qualifikation positiv im Lebenslauf zu bewerten und nicht nur wie bisher die Liste der Publikationen. Hier unterscheide sich die Rolle des Wissen-schaftlers immer noch zu stark vom europäischen Ausland, wo öffentliche Vermitt-lung von Forschung bereits zu den Kernaufgaben gehöre.

Ansprechpartner: Prof. Ortwin Renn, Tel: 0711/9063-160

Ortwin.renn@ta-akademie.de

Dr. Birgit Spaeth, Tel: 0711/9063-226
Birgit.spaeth@ta-akademie.de

Dr. Angelika Lindner, Tel: 0201/8401-158
a.lindner@stifterverband.de
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