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Descartes' wichtigstes Buch verkaufte sich schlecht

18.03.2002 - (idw) Niederländische Organisation für wissenschaftliche Forschung - NWO

Der Philosoph René Descartes aus dem siebzehnten Jahrhundert hatte Schwierigkeiten, sein Buch Discours de la méthode zu verkaufen. Jetzt ist es eines der kostbarsten Bücher aus der Philosophie. Historiker Matthijs van Otegem von der Universität von Utrecht kam dem beim Schreiben einer kompletten Bibliografie Descartes Werks auf die Spur.

Descartes hatte 1637 sein Buch Discours de la méthode in einer Auflage von 1500 Exemplaren in der Niederlande drucken lassen. Um das Werk zu promoten, hatte er einen Sonderdeal mit dem Drucker abgeschlossen. Er erhielt 200 Exemplare kostenlos, um diese zu verbreiten, unter der Bedingung, dass er alle unverkauften Exemplare selber aufkauft. So wurde dem niederländischen Dichter P.C. Hooft das Werk zugeschickt. Auch der Franzose Mersenne, der viele einflussreiche Freunde hatte, erhielt ein Exemplar.

Philosoph Matthijs van Otegem entdeckte, dass sich Descartes in einem Brief an Mersenne beklagte, dass er sein eigenes Werk hatte kaufen müssen. Wahrscheinlich war es dem Drucker nicht gelungen, alle Exemplare zu verkaufen. Jetzt wird für ein Originalexemplar über hunderttausend Euro bezahlt. Discours de la méthode enthält unter anderem das Argument 'Ich denke, also bin ich'.

In einer Bibliografie, die er mit Unterstützung der niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) erstellt hat, beschreibt Van Otegem circa 150 Drucke von Descartes Bücher, von denen er insgesamt 1300 Exemplare studiert hat. So wusste er von Discours de la méthode 66 Exemplare aus dem siebzehnten Jahrhundert in öffentlichen Kollektionen zu finden. Die Untersuchung hat insgesamt fünfzehn unbekannte Drucke ans Licht gebracht. Matthijs van Otegem studierte alle individuellen Bücher, denn sogar innerhalb einer Ausgabe bestanden verschiedene Varianten. Das kam, weil im siebzehnten Jahrhundert die Blätter mit einem Druckfehler nicht weggeworfen wurden. Das Papier war zu kostbar, und die Blätter wurden oft einfach eingebunden.

Am liebsten wollte Descartes persönlich die Druckfahnen überprüfen, aber das war ihm nicht immer möglich. Das erweist sich zum Beispiel aus dem Werk Traité des passions de l'âme, das er 1649 drucken ließ. Es ist ein Buch über was wir heutzutage Psychologie nennen würden. In diesem Werk verwendete Descartes sehr spezifisch Großbuchstaben um beispielweise die Emotion Verlangen von einem allgemeinen Verlangen zu unterscheiden. Das Werk wurde gedruckt, ohne dass Descartes dabei anwesend sein konnte, um Korrektur zu lesen. Aus der Studie der verschiedenen Exemplare erweist sich, dass der Korrektor die Großbuchstaben an eine andere Stelle platzierte, als Descartes Absicht war.

Nähere Informationen beim Dr. Matthijs van Otegem (Universität Utrecht, Fachbereich Geschichte der Philosophie), Tel. +31 (0) 30 2531831, oder +31 (0) 20 6824533 (privat), Email: matthijs.vanotegem@phil.uu.nl. Matthijs van Otegem promovierte am 6. März, Promotor war Prof. Dr. Th. Verbeek.
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