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Neue Impulse für die deutsch-schwedische Zusammenarbeit in den Kulturwissenschaften

20.03.2002 - (idw) VolkswagenStiftung

VolkswagenStiftung finanziert Einrichtung einer Gastprofessur am Swedish Collegium for Advanced Study in the Social Sciences in Uppsala

Mit dem Ziel, den deutschen Geisteswissenschaften in Schweden zu mehr Aufmerksamkeit und Wirkung zu verhelfen, stellt die VolkswagenStiftung an ihrem Jubiläum rund 630.000 Euro für eine Gastprofessur bereit, die für zunächst fünf Jahre am Swedish Collegium for Advanced Study in the
Social Sciences in Uppsala (SCASSS) eingerichtet und nach dem Philosophen und Kulturwissenschaftler Ernst Cassirer benannt werden soll. Initiator auf deutscher Seite ist Professor Dr. Bernd Henningsen vom Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität Berlin.

Wer war Ernst Cassirer? Im Alter von fast sechzig Jahren verließ der deutsche Jude im Jahr 1933 dieses Land und verbrachte den Rest seines Lebens vornehmlich in Schweden. In seinem skandinavischen Exil hatte er von 1935 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1940 eine Professur für Philosophie inne und setzte sich dabei vor allem mit der schwedischen Philosophie der Gegenwart auseinander. 1941 wurde er, der wie kein anderer der ausgewanderten deutsch-jüdischen Gelehrten die Wahlverwandtschaft zwischen den beiden Kulturen verkörperte, in die Königliche Akademie Schwedens aufgenommen.

Der Name Ernst Cassirers steht aber nicht nur für die Geschichte eines intellektuellen und wissenschaftlichen Dialogs zwischen Deutschland und Schweden, sondern auch für aktuelle Grundsatzfragen interdisziplinärer
kulturwissenschaftlicher Forschung. So erweist sich derzeit etwa das von Cassirer zur Überwindung der Trennung der Wissenschaftskulturen angeregte Gespräch zwischen Geistes- und Naturwissenschaften als hoch aktuell.

Ziel der Förderung ist es, über die auf fünf Jahre angelegte Gastprofessur deutsch-schwedische Forschungskooperationen auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften in einem breiteren, europäischen und internationalen Kontext neu zu verankern. "Die jetzt eingerichtete Ernst-Cassirer-Gastprofessur in Schweden ist daher auch jenseits ihrer bilateralen und regionalen Aspekte von einer weit reichenden wissenschaftspolitischen Bedeutung", betont Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung. Die künftigen Inhaber der Gastprofessur - fünf werden es im Rahmen der Unterstützung durch die Stiftung sein - sind jeweils zwölf Monate in Uppsala zu Gast.
Sie widmen sich während ihres Forschungsaufenthaltes jenen Themen, mit denen sie sich um die Professur beworben haben.

Die Professur ist bewusst keiner wissenschaftlichen Disziplin zugeordnet. Vielmehr wird das Fächerspektrum der Professur ganz im Sinne Cassirers das weite Feld der Sozial- und Kulturwissenschaften umspannen - mit besonderem Augenmerk auf jenen Fächern und Fragestellungen, die für dessen Denken Richtung weisend waren wie die Philosophie, Sprachwissenschaft, Religionswissenschaft, Anthropologie, Recht und Geschichte. Dabei kommt es wesentlich auf die Anschlussfähigkeit für andere Fächer an. Begleitet wird die Gastprofessur von
- einem Postdoktoranden-Fellowship,
- einem alljährlichen Ernst-Cassirer-Symposium,
- einer alljährlichen Ernst-Cassirer-Spring oder -Summer School.

Bei der Auswahl der Bewerber um die Professur stehen die Qualität der geleisteten Forschungen, hohe internationale Reputation und die Originalität der Fragestellung im Vordergrund. Sowohl Gastprofessur als auch Postdoktoranden-Fellowship stehen vorrangig deutschen beziehungsweise an deutschen Universitäten oder Forschungseinrichtungen tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern offen.
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Kontakt Gastprofessur: Humboldt-Universität Berlin, Nordeuropa-Institut, Prof. Dr. Bernd Henningsen, Telefon: 0 30/20 19 66 25, Fax: 0 30/20 19 66 26
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Die Anbindung an das in Uppsala ansässige Swedish Collegium for the Advanced Study in the Social Sciences sichert der Gastprofessur auf Grund der herausragenden Stellung und der hohen Reputation des Instituts ein Höchstmaß an Ausstrahlung im Hinblick auf andere Forschungszentren in Schweden, Skandinavien und im ganzen Ostseeraum. In einem ihrer letzten Forschungsberichte hat die schwedische Regierung das SCASSS als "wichtigstes Beispiel einer langfristigen Anstrengung zur Stärkung der Geistes- und Sozialwissenschaften in Schweden" bezeichnet. Für die Anbindung solch einer Gastprofessur ist das SCASSS mithin erste Wahl.

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Kontakt Förderung durch die VolkswagenStiftung:
Dr. Vera Szöllösi-Brenig, Telefon: 05 11/83 81 - 218, E-Mail: szoelloesi@volkswagenstiftung.de

Kontakt VolkswagenStiftung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Christian Jung, Telefon: 05 11/83 81 - 380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
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