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12. Weltkongress für Biomedizinische Alkoholforschung vom 29.9.-2.10. in Heidelberg/Mannheim

03.09.2004 - (idw) Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim

Vom 29. September bis zum 2. Oktober tagen mehr als 600 Suchtexperten aus aller Welt im Rahmen des 12. Weltkongress für Biomedizinische Alkoholforschung der "International Society for Biomedical Research on Alcoholism (ISBRA) in Heidelberg und Mannheim. Die 1981 gegründete Gesellschaft ISBRA ist der erste wissenschaftliche Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die sich mit der Erforschung des Alkoholismus, mit dessen Behandlungsmöglichkeiten sowie der Prävention beschäftigen. Alle zwei Jahre treffen sich die Experten aus aller Welt, um sich auf den neuesten Stand der Forschung zu bringen und um sich interdisziplinär auszutauschen. Prof. Dr. Karl Mann, Deutschlands einziger Lehrstuhlinhaber für Suchtforschung und Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, holte als Tagungspräsident diesen Kongress erstmals nach Deutschland.

Im Rahmen des Kongresses wird die gesamte Palette der modernen Alkoholforschung vorgestellt. Die Grundlagenforschung liefert neue Erkenntnisse über die Angriffsstelle von Alkohol an Zellmembranen (site of action), die eine rezeptorähnliche Funktion haben und damit völlig neue Wege zum Verständnis und der Beeinflussbarkeit der Alkoholwirkung eröffnet. Ein Plenarvortrag von Prof. Ting-Kai Li, dem Direktor des National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism, sowie eine Reihe von Symposien beschäftigen sich mit den neuesten Befunden zur Genetik des Alkoholismus, insbesondere zum genetisch-bedingten Risiko der Entwicklung von Abhängigkeit und/oder Folgeschäden. Bildgebende Verfahren wie Kernspintomographie und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) haben in den letzten Jahren wesentliche Erkenntnisse zu Veränderungen der Struktur und Funktion des Gehirns bei Alkoholpatienten geliefert. Mittels funktioneller Bildgebung kann heute der Grad der Rückfallgefährdung von Patienten dargestellt werden, so dass hieraus unmittelbar individuelle Therapiemaßnahmen abgeleitet werden können. Neben den Organschäden am Gehirn werden Alkoholwirkungen auf innere Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse diskutiert. Hierzu hat es in den letzen Jahren ebenfalls interessante Weiterentwicklungen gegeben, die auf der Untersuchung neuer Tiermodelle beruhen.
Die Therapie von Menschen mit Alkoholproblemen war vor etwa 10 Jahren fast ausschließlich psychotherapeutisch orientiert. Auch in diesem Bereich haben sich wesentliche Fortschritte ergeben, insbesondere in einer Verkürzung und stärkeren Fokussierung der Therapie. Hierzu werden die Ergebnisse einer neuen britischen Studie vorgestellt. Diese Studie an mehr als 700 Patientinnen und Patienten hat auch interessante Daten zur Gesundheitsökonomie des Alkoholismus geliefert, die während des Kongresses in einem Plenarvortrag erörtert werden (Prof. Christine Godfrey, York). Den vielleicht therapeutisch bedeutsamsten Schritt in den letzten Jahren hat die Pharmakotherapie des Alkoholismus gemacht. Eine ganze Reihe von Substanzen, die auf den bei Alkoholikern veränderten Neurotransmitterstoffwechsel im Gehirn eingreifen, wurde getestet. Es zeigte sich, dass insbesondere zwei Substanzen zuverlässig die Anzahl der Rückfälle verringern und die Abstinenzzeiten verlängern können. Die in Deutschland eingeführte Substanz Acamprosat wurde ganz aktuell im August 2004 auch in den USA zugelassen.
Die internationale Forschung der letzten Jahre hat unser Wissen um die Entstehung und Behandlung von Alkoholabhängigkeit und schädlichem Alkoholgebrauch revolutioniert. Bei der Größenordnung des Problems ist dies auch von wesentlicher Bedeutung: So sind beispielsweise in Deutschland etwa 4,5 Mio. Menschen unmittelbar betroffen (ca. 2 Mio. Abhängige, ca. 2,5 Mio. mit schädlichem Gebrauch), hinzukommen weitere 5-6 Mio. mit riskantem Konsum. Schon vor Jahren wurden vor allem in den USA und den skandinavischen Ländern große Forschungsprogramme aufgelegt. In den USA werden für Alkohol- und Drogenforschung jährlich eine Milliarde US-$ investiert. In Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein Forschungsprogramm im Rahmen der "Gesundheitsforschung 2000" aufgelegt. Vier Suchtforschungsverbünde bearbeiten seit einigen Jahren vor allem Fragen der konkreten Umsetzung der neuen Erkenntnisse, erste Ergebnisse haben bereits internationale Beachtung gefunden. Ohne diese BMBF-Fördermaßnahme wäre der Kongress kaum erstmals seit seiner Gründung nach Deutschland vergeben worden.

Während des Kongresses werden täglich ausgewählte, aktuelle Forschungsergebnisse, die auf dem Kongress vorgestellt werden, als Pressemitteilung per Mail verschickt.


Anmeldungen zum Kongress für Medienvertreter und weitere Informationen bei:
Dr. Marina Martini,
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim
Fon: 0621/1703-1301, -1302; Fax: 0621/1703-1305
E-Mail: martini@zi-mannheim.de
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