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Erster Alois Alzheimer-Preis geht an Grundlagenforscher und Kliniker

21.09.2004 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Welt-Alzheimer-Tag: Zahl der Alzheimer-Kranken steigt stetig

Prof. Dr. Thomas Arendt vom Paul-Flechsig-Institut der Universität Leipzig und Privatdozent Dr. Harald Hampel vom Alzheimer-Gedächtnis-Zentrum der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München, erhalten den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Alois Alzheimer-Preis der Universität Frankfurt für ihre Erkenntnisse zum frühen Untergang von Nervenzellen in wichtigen Regionen des menschlichen Gehirns (Hampel) und den molekularen Mechanismen, die diesen bedingen (Arendt). Die Universität verleiht den Alois Alzheimer-Preis, der alle zwei Jahre vergeben wird, anlässlich des 90. Jahrestages ihrer Gründung zum ersten Mal. Die Preissumme stiftete die Commerzbank Stiftung. Bereits 1997 engagierte sich die Commerzbank Stiftung in der Aufbauphase des Alzheimer Forschungszentrums Frankfurt am Main (AFZF). Die Auszeichnung der Wissenschaftler findet am heutigen Welt-Alzheimer-Tag (21. September) um 17.30 Uhr im Universitätsklinikum, Haus 23, Eingang A, Hörsaal 3 (Campus Niederrad) statt.
Privatdozent Dr. Harald Hampel und sein Mitarbeiter Dr. Stefan Teipel vom Alzheimer-Gedächtnis-Zentrum der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians Universität München haben mit der von ihnen vorgelegten Arbeit einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, das Auftreten von sehr frühen Gehirnveränderungen (vor dem Auftreten klinischer Symptome bei den Patienten) bei der Alzheimer-Krankheit besser zu verstehen und damit für die klinische Diagnostik und Therapieentwicklung nutzbar zu machen. Sie konnten zeigen, dass erwachsene Patienten mit Down-Syndrom (Trisomie 21), die aufgrund einer Mutation im Chromosom 21 ein stark erhöhtes genetisches Risiko zeigen, in den nächsten Jahren an Alzheimer zu erkranken, bereits fortgeschrittene Alzheimer-typische Hirnsubstanzverluste aufwiesen - noch bevor Gedächtnisstörungen von den Patienten selbst wahrgenommen oder klinisch messbar waren. Die beiden Neurowissenschaftler kombinierten modernste Verfahren der neuronalen Bildgebung (Kernspintomographie des Gehirns) mit genetischen, psychometrischen und labortechnischen Untersuchungen, um neue Marker für die Frühdiagnose der Alzheimer-Krankheit zu entwickeln (Teipel und Hampel et al., BRAIN, 2004:127:811-824). Den Hirn-Forschern gelang mit ihrer Methodik der Nachweis, dass im frühen vorklinischen Stadium der Erkrankung vor allem der für die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen essenziell wichtige Hirnmantel (graue Substanz oder Neokortex ) vom Nervenzelluntergang betroffen ist. Speziell auf diese Nervenzellen gerichtete medikamentöse Therapiestrategien stehen zum Teil bereits zur Verfügung oder sind derzeit in der Entwicklung.
Professor Dr. Thomas Arendt und seine Gruppe am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig konnten zeigen, dass die bei der Alzheimer-Krankheit auftretenden Veränderungen Ausdruck einer gestörten Hirnplastizität sind. Durch den Nachweis, dass bestimmte molekulare Veränderungen, die bisher als für die Alzheimer-Krankheit spezifisch galten, auch unter physiologischen Bedingungen - wie beispielsweise in der Hirnentwicklung oder im Winterschlaf - vorkommen, konnten neue Einsichten in den Mechanismus des Zelluntergangs im Gehirn gewonnen werden. Diese bilden die Basis für möglicherweise neue diagnostische und therapeutische Verfahren. Die Neurowissenschaftler in Leipzig kombinieren modernste zell- und molekularbiologische Untersuchungen am menschlichen Gehirn mit der Entwicklung von Erkrankungsmodellen, die es erlauben, therapeutische Konzepte zu entwickeln und zu überprüfen. So gelang es der Gruppe unter experimentellen Bedingungen Nervenzellen vor dem Zelltod zu schützen, indem sie einen so genannten molekularen Schalter (Regulatorproteine) in die Nervenzellen einführten, der neuroplastische Vorgänge regulieren kann. (Arendt et al. J.Neurosci. 2003:23:6972-6981; Arendt Progr.Neurobiol.2003:71:83-248)

In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gegenwärtig mehr als eine Million Menschen an einer Demenzerkrankung, davon zwei Drittel an Alzheimer. Im Jahr 2050 werden es voraussichtlich zwei Millionen sein. Die Krankheit ist eine langsam, aber stetig voranschreitende Erkrankung des menschlichen Gehirns, bei der durch die Anhäufung von Proteinen (Plaques) Nervenzellen zerstört werden. Sie beginnt schleichend mit Gedächtnis- und Orientierungsstörungen und kann bis zur völligen Abhängigkeit der Betroffenen von Betreuung und Pflege führen. Zwei Drittel der Kranken werden von Angehörigen betreut. "Die Erkrankung ist bisher nicht heilbar", erläutert Prof. Dr. Konrad Maurer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Vorsitzender des Preisrichterkollegiums für den Alois Alzheimer-Preis. "Die Behandlung besteht aus einer medikamentösen Therapie und aus psychotherapeutischen Maßnahmen, wie Gedächtnistraining, aber auch Musiktherapie."

Konrad Maurer entdeckte übrigens 1995 im Keller seiner Klinik die Akte der Auguste D. aus Mörfelden und damit den ersten von Alois Alzheimer selbst in Frankfurt dokumentierten Fall dieser Erkrankung aus dem Jahre 1906. Im Rahmen der Veranstaltungen zur Feier des 90-jährigen Bestehens der Johann Wolfgang Goethe-Universität wird am 17. Oktober um 15 Uhr (Kartenkontingent vorhanden) und um 19.30 Uhr (ausgebucht) das Theaterstück "Die Akte Auguste D." von Ulrike und Konrad Maurer im Schauspiel Frankfurt aufgeführt (Kleines Haus, Neue Mainzer Straße 17). Die wiederentdeckte Akte der Auguste D. ist Ausgangspunkt dieses Theaterabends, der in authentischen und fiktiven Szenen einer unheimlichen Krankheit nachspürt. Kostenlose Eintrittskarten sind im Sekretariat der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Frankfurts erhältlich.

Die Lebensläufe, Kontaktadressen und Fotos der Preisträger sind in der Pressestelle erhältlich: Dr. Monika Mölders, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Telefon: 069/798-23266; Fax. 069/798-28530, E-Mail: Moelders@ltg.uni-frankfurt.de

Weitere Informationen zur Preisverleihung, der Gedächtnissprechstunde und zum Theaterstück (kostenlose Eintrittskarten): Prof. Dr. Konrad Maurer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Telefon 069/6301-5125, Fax 069/6301-5290, E-Mail: konrad.maurer@em.uni-frankfurt.de

Informationen zum Welt-Alzheimer-Tag unter www.deutsche-alzheimer.de

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