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Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz

21.09.2004 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Im Gegensatz zu der Situation bei anderen schweren chronischen Erkrankungen gibt es derzeit hierzulande kaum wissenschaftlich evaluierte Managementprogramme für die Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz. An der Universität Würzburg wird jetzt der Nutzen eines interdisziplinären Betreuungs-Programms erforscht, das, sollte es sich bewähren, Modellcharakter für eine Umsetzung in die Routineversorgung habe.

Das jedenfalls meinen die Professoren Christiane Angermann und Georg Ertl vom Universitätsklinikum Würzburg, die das Projekt leiten.

Nach einer kürzlich publizierten amerikanischen Meta-Analyse von Studien zu multidisziplinärem Krankheitsmanagement bei Herzinsuffizienz verbessern diese Programme die Versorgungsqualität und mindern die Zahl der Krankenhausaufenthalte. In einigen Studien wurde auch die Sterblichkeit gesenkt. Und dies, ohne dass die Kosten explodierten, sagt Prof. Angermann. Erprobt würden dabei verschiedene Versorgungsmodelle, etwa an Krankenhäuser assoziierte Spezialprogramme, durch Krankenschwestern betriebene Ambulanzen, Telefon- oder Tele-Monitoring. Die Frage der optimalen Vorgehensweise sei jedoch offen und werde vom Schweregrad der Herzinsuffizienz sowie den Gegebenheiten des jeweiligen Gesundheitssystems bestimmt. Mit dem Würzburger Projekt sollen nun auch hierzulande entsprechende Daten erhoben werden.

Dabei wird zunächst in einer Querschnittsuntersuchung eine konsekutiv rekrutierte Stichprobe von herzinsuffizienten Patienten systematisch erfasst. Einschlußkriterien sind die Einweisungsdiagnose Herzinsuffizienz sowie eine eingeschränkte linksventrikuläre Pumpfunktion und klinische Symptome der Herzinsuffizienz. Diese Querschnittsuntersuchung soll es ermöglichen, für den Raum Würzburg/Unterfranken modellhaft ein aussagekräftiges Profil der Krankheitsmanifestation unter den aktuellen Versorgungsbedingungen zu erhalten - mit Daten etwa zu Fragen nach Geschlechter- und Altersverteilung, Schweregrad, Ätiologien, edukativ beeinflussbaren Risikofaktoren, Umsetzung leitliniengerechter Therapie und Prävalenz psychischer Komorbidität. Auch der Verbrauch medizinischer Ressourcen und die dabei entstehenden Kosten werden analysiert. An den Daten sollen sich Bedarfsplanungen orientieren können, so Angermann, die schätzt, dass in die Studie innerhalb eines Jahres etwa 600 - 700 Patienten eingeschlossen werden können.

Alle Patienten werden in einer prospektiven randomisierten und kontrollierten Interventionsstudie weiterverfolgt, durch die der Nutzen des umfassenden, interdiziplinären Betreuungsprogramms erforscht wird. Dabei wird die Hälfte der Patienten weiter so versorgt wie bisher ("Usual Care"). Die andere Hälfte der Patienten erhält die sogenannte "Netzwerk-Care". Deren wichtigste Säulen sind - außer der internistisch-kardiologischen Betreuung - zum einen die "Hilfe zur Selbsthilfe" und zum anderen ein bedarfsorientiertes Telefonmonitoring. Die "Hilfe zur Selbsthilfe" wird als individuelle telefonische Schulung angeboten und umfasst Information über Krankheit und Behandlung, Training von Fertigkeiten zur Selbstdiagnostik und -behandlung, Anleitung zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil, Übung von Stressbewältigung und eine psychologische Unterstützung zum Abbau von Angst und Depression. Mit Hilfe des bedarfsangepassten telefonischen Monitoring werden der Gesundheitszustand überwacht sowie der Lebensstil und die Medikamentencompliance überprüft. Es wird durch speziell geschulte Schwestern durchgeführt. Der kombinierte primäre Endpunkt ist der Tod und die Hospitalisierung aus allen Gründen. Auch Lebensqualität, Inzidenz von Depression und gesundheitsökonomische Aspekte werden in beiden Gruppen verglichen. Nachuntersuchungen erfolgen in 6-monatigen Abständen

Selbstverständlich erfordert die Qualität der Versorgung des Würzburger Management Programms eine entsprechende Infrastruktur. Diese wird durch das Würzburger Interdisziplinäre Netzwerk Herzinsuffizienz (INH) gewährleistet, in dem universitäre Einrichtungen, nicht akademische Krankenhäuser der Region und niedergelassene Ärzte seit mehreren Jahren zusammenarbeiten und von dem Versorgungs- und Grundlagenforschung gleichermaßen profitieren. Dabei wechseln die Patienten entsprechend dem Bedarf innerhalb des INH die Versorgungsebene; die Kooperation der Netzwerkpartner funktioniere immer besser, berichtet Angermann, für die die integrierte Netzwerke Betreuungsstrukturen der Zukunft sind. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen gemeinsam gefördert. Es wurden bereits über 200 Patienten in das Behandlungsprogramm eingeschlossen. In zwei Jahren sollen die Ergebnisse der Studie vorliegen.

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