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Geringere Lebensqualität durch Vorurteile

22.09.2004 - (idw) Universität Zürich

Eine aktuelle Studie des Forschungsbereiches für Klinische und Soziale Psychiatrie der Universität Zürich zeigt, dass die Erwartung psychisch kranker Patientinnen und Patienten, aufgrund ihrer Krankheit diskriminiert zu werden, deren Wohlbefinden und soziale Beziehungen zusätzlich zu den oft schon behindernden Symptomen der Erkrankung belastet.

Psychisch erkrankte Menschen haben es doppelt schwer: Neben ihrer Erkrankung sind sie mit einer "zweiten Krankheit" konfrontiert: den negativen Stereotypen und Vorstellungen über psychische Erkrankungen in der Bevölkerung. Dass moderne Behandlungsmethoden und steigende öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema daran nicht viel geändert haben, zeigt die Studie "Perceived Stigmatization of Mentally Ill People and Its Consequences for the Quality of Life in a Swiss Population" in der aktuellen Ausgabe des "The Journal of Nervous and Mental Disease" (Nr.192,8, Seite 542ff). In dieser Repräsentativerhebung der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich wird deutlich, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung davon ausgeht, dass psychisch Kranke von den meisten Menschen entwertende und diskriminierende Reaktionen zu erwarten haben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führen den Umstand, dass sich diese Stereotypen relativ stabil halten, auch auf eine wichtige soziale Funktionen zurück: Stereotypen erleichtern die Orientierung in einer immer komplexer werdenden Welt und ermöglichen Kommunikation, indem sie ein gemeinsames Verständnis zum Thema herstellen. Nur: diese Vor-Urteile dienen nicht nur der Verständigung,
sondern prägen auch das Verhalten gegenüber den betroffenen Menschen.
Ebenso eindrucksvoll belegt die Studie, dass auch die betroffenen Menschen selbst sich der negativen Stereotypen gegenüber psychisch Kranken bewusst sind: parallel zur Bevölkerung wurden 280 psychiatrische Patientinnen und Patienten befragt. Sie gehen in gleichem Mass wie die Bevölkerung davon aus, von anderen Menschen vorrangig diskriminierend behandelt zu werden, insbesondere in sozialen Beziehungen und bei der Jobsuche. So schliesst die "zweite Krankheit" Stigmatisierung psychisch Erkrankte von wichtigen Lebenschancen aus: allein die Angst vor Ablehnung führt oft zu sozialem Rückzug und verringert die Möglichkeit, positive soziale Kontakte und Erfolge in der Arbeitswelt zu erleben. Gerade diese beiden Faktoren wirken aber dem Stigma psychischer Erkrankungen am besten entgegen: Patienten, die einer bezahlten Arbeit nachgehen sind deutlich gesünder und zufriedener, und persönliche Kontakte mit Erkrankten können am wirksamsten dazu beitragen, negative Stereotype zu sprengen.

Für weitere Auskünfte:
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Forschungsbereich für Klinische und Soziale Psychiatrie
Fon: 0041 1 296 74 00, Email: roessler@spd.unizh.ch
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