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Gewalt an Schulen

23.09.2004 - (idw) Universität zu Köln

Gewalt an Schulen
Verbale Gewalt am häufigsten

Die Schule ist immer ein Ort der Gewalt gewesen. Die häufigste Form von Gewalt an deutschen Schulen ist verbale Gewalt wie Beleidigen oder Drohen. Der Umgangston verroht zunehmend. Zu diesem Ergebnis kommt Kristian Klett in einer Untersuchung zum Thema "Gewalt an Schulen", die er am Pädagogischen Seminar der Universität zu Köln durchführte.

Viele Jugendliche haben während ihrer Pubertät und Adoleszenszeit ein erhöhtes Aggressionspotenzial. Dies gilt vor allem, wenn sie gewaltbereiten Gruppen angehören. In der Übergangsphase zum Leben als Erwachsener tritt zunehmend eine Entwöhnung von der Gewalt ein. Beeinflusst durch ein weniger gewaltbereites gesellschaftliches Umfeld sinkt das Gewaltpotenzial des Einzelnen. Gewalt verliert an Attraktivität, es werden vermehrt gewaltlose Problemlösungen gesucht. Interessanterweise wird dieser Prozess bei einer Rückbesinnung auf die eigene Jugend zunehmend weniger erinnert. Die Zeit als Jugendlicher erscheint im Rückblick weniger von Aggressionen geprägt zu sein als in der heutigen Zeit. Es entsteht der Eindruck: Früher war alles besser.

Mit der Feststellung, dass die Schule schon immer ein Ort der Gewalt war, verbindet Kristian Klett die Forderung nach mehr Gewaltpräventionsmaßnahmen. Er zeigt in seiner Untersuchung auf, dass Streitschlichterprogramme die Einstellung der Schüler zur Gewalt nachhaltig verändern. Schüler, an deren Schulen Gewaltpräventionsmaßnahmen durchgeführt werden, geben deutlich seltener an, Angst an ihrer Schule zu haben.

Wenn es an der Schule zu Gewalttaten kommt, handelt es sich eher selten um harte körperliche Gewalt. Wesentlich häufiger ist die verbale Gewalt. Sie verläuft subtiler, aber nicht weniger wirksam, wie Kristian Klett erfahren hat. Die Mehrheit der von ihm befragten Schüler klagen über schlimme Beschimpfungen, Verleumdungen und Erniedrigungen als die häufigste Form von Gewalt an ihrer Schule. Der Pädagoge stellt fest, dass die deutsche Sprache zunehmend verroht. Harte Ausdrucksformen werden auch über die Medien wie das Fernsehen transportiert und damit hoffähig gemacht. Diese Ausdrücke finden sich auf dem Schulhof wieder.

Die Untersuchung verweist auf den Trend, dass die Täter immer jünger werden. Das Durchschnittsalter liegt zwischen 13 und 15 Jahren. Die Ursachen der Gewaltanwendung sind unterschiedlich. Jugendliche, die selbst geschlagen oder missbraucht worden sind, oder die einer gewaltbereiten Gruppe angehören, haben eine höhere Neigung, zum Täter zu werden. Erfahrene Ungerechtigkeit ist dabei der größte Auslöser für Aggression. Auch der Bildungsgrad spielt eine Rolle. 26 Prozent der Hauptschüler und fast ein Drittel der Gesamtschüler bezeichnen das Klima an ihrer Schule als "aggressiv/gewalttätig". Bei den Gymnasiasten sind es nur vier Prozent.

Verantwortlich: Manuela Zimmermann

Für Rückfragen steht Ihnen Kristian Klett unter der Telefonnummer (0175) 40 10 255, der Fax-Nummer 470 50 30 und der E-Mail Adresse webmaster@gewalt-an-schulen.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden sie auch im Internet unter: http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html
Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dank-bar.
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