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Neuro-orthopädische Erkrankungen und ihre Folgen an der Wirbelsäule

11.11.2002 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Die 21. Arbeittagung der Gesellschaft für Wirbelsäulenforschung findet am 15./16. November im Maritim Hotel Frankfurt statt.

Wirbelsäulenleiden ganz allgemein lassen sich aufteilen in Nacken-, Rücken- oder Kreuzschmerzen ohne grobe Störung des Wirbelsäulenverlaufes einerseits und mit Störungen der Wirbelsäulenstatik mit und ohne Schmerzen andererseits. In die erste Gruppe gehören die degenerativen Wirbelsäulenleiden mit Segmentinstabilität auf dem Boden eines degenerativen Bandscheibenschadens und einer Wirbelgelenksarthrose oder eine Wirbelgelenksarthrose alleine. Über arthrotische Randzacken, eine Bandscheibenvorwölbung oder eine Verdickung des gelben Bandes kann es zu einer Spinalkanalverengung oder einer Verengung der Nervenaustrittsstellen der Wirbelsäule kommen. Außerdem gehören zu dieser Gruppe die projizierten Schmerzbilder als Folgen ungelöster individueller und sozialer Probleme.

Anläßlich der 21. Arbeittagung der Gesellschaft für Wirbelsäulenforschung am 15./16. November im Maritim Hotel Frankfurt, Theodor-Heuss-Allee 3., beschäftigen uns die Krankheitbilder der zweiten Gruppe, nämlich die Störungen der Wirbelsäulenstatik im Wachstumsalter in Verbindung mit neuro-muskulären Erkrankungen.

Wirbelbogenschlußstörungen und Fehlbildungen der Rückenmarkshäute gehören zur Myelodysplasie mit den verschiedensten Begleitfehlbildungen (Tethered Cord Syndrom)oder Liquorstauungen.Die Spina bifida aperta geht regelmäßig einher mit einer Bewegungsstörung der Beine und Störung der Funktion der Schließmuskeln von Blase und Mastdarm.Unregelmäßigkeiten in der Anlage der Wirbelkörperkerne oder der Bandscheiben eventuell in Kombination mit symmetrischen oder asymmetrischen Rippen- oder Wirbelbogensynostosen erzeugen an der wachsenden Wirbelsäule Fehlbildungsskoliosen, -kyphosen oder -kyphoskoliosen. Betrifft die Fehlbildung den Kopf-Hals-Übergang, dann kann es zum Arnold-Chiari Syndrom kommen.

Neben den angeborenen Wirbelsäulen- und Rückenmarksschäden gibt es die während der Schwangerschaft schon vorhandenen neurologischen Störungen und die durch perinatale Hypoxie entstehenden so genannten infantilen Zerebralparesen mit den unterschiedlichsten Lähmungsformen und nachfolgenden Wachstumsstörungen der Wirbelsäule.

Eine der infantilen Zerebralparese sehr ähnliche Erkrankung ist das sogenannte Rett-Syndrom. Es wird noch heute mit der infantilen Zerebralparese verwechselt oder gar nicht erkannt. Es handelt sich um eine angeborene, genetisch bedingte neurologische Erkrankung mit Kleinhirn- und Stirnhirndefekten. Wenn die Betroffenen das Erwachsenenalter erreichen, haben sie zu 80% bis 100% eine Skoliose.

Zwei große neurologische Krankheitsbilder, die progressive Muskeldystrophie und die Friedreich-Ataxie, treten schon bei Kindern auf und wirken sich ungünstig auf die wachsende Wirbelsäule aus. Hier gibt es neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Molekulargenetik, die uns Einblick in die Entstehung der neuro-muskulären Störung geben. Demgegenüber hat die Poliomyelitis und die Spondylitis tuberculosa glücklicherweise keine Bedeutung mehr.

Ein besonderes Thema stellen die Rückenmarksschäden durch Unfälle und Rückenmarksschäden in Verbindung mit Wirbelsäulenoperationen dar, weil bei diesen neurologischen Ausfällen nicht mehr ausschließlich die wachsende Wirbelsäule betroffen ist, sondern vielfach Erwachsene eine Querschnittslähmung erleiden.

Die Medizinalstatistik gibt uns Aufschluß über Art und Häufigkeit angeborener neuro-muskulärer Störungen in Verbindung mit Syndromen. Es wird die Bedeutung genetischer Faktoren deutlich. Die sonographische Schwangerschaftsüberwachung, Fruchtwasseruntersuchungen, perinatale Behandlungsstandards und die Früherkennung von neurologischen und Wirbelsäulenerkrankungen einerseits und neurochirurgische und orthopädische Operationen andererseits haben bei den neuro-orthopädischen Erkrankungen neue Verhältnisse entstehen lassen. Deshalb wurde dieser Forschungsbereich aufgegriffen und zum Thema der 21. Arbeitstagung der Gesellschaft für Wirbelsäulenforschung gemacht.

Dr. Peter Edelmann

Gesellschaft für Wirbelsäulenforschung
e-mail: Dr.Peter-Edelmann@t-online.de
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