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DGZMK-Jahrestagung: Gelungener Kongress mit rhetorischem Paukenschlag

06.10.2004 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V.

Die 128. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde stand unter dem Thema " State of the Art der Zahnmedizin - Ökonomie und Qualitätssicherung in der zahnärztlichen Praxis" und wurde gemeinsam mit der Vereinigung für Wissenschaftliche Zahnheilkunde Stuttgart sowie der Akademie Praxis und Wissenschaft vom 30. September bis 2. Oktober veranstaltet.

Stuttgart. Ein rhetorischer Paukenschlag durch den früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Prof. Dr. h.c. Lothar Späth eröffnete in der Staatsgalerie die 128. Jahrestagung der DGZMK in Stuttgart. Sie stand unter dem Thema " State of the Art der Zahnmedizin - Ökonomie und Qualitätssicherung in der zahnärztlichen Praxis" und wurde gemeinsam mit der Vereinigung für Wissenschaftliche Zahnheilkunde Stuttgart sowie der Akademie Praxis und Wissenschaft vom 30. September bis 2. Oktober veranstaltet. Dank der etwa 650 Besucher der Jahrestagung konnten die beiden Tagungsleiter, DGZMK-Vizepräsident Dr. Bernhard Fuchs (Leonberg) sowie Prof. Dr. Dr. Dieter Weingart (Stuttgart), ein zufriedenes Fazit der mit Fachvorträgen, APW-Workshops, einer Industrieausstellung sowie einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm gut organisierten Veranstaltung ziehen. Turnusmäßig stand der Wachwechsel in der Präsidentschaft an, Prof. Dr. Heiner Weber (Tübingen), übergab sein Amt an Prof. Dr. Georg Meyer (Greifswald). Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde Prof. Dr. Thomas Hoffmann (Dresden) ohne Gegenstimme zum neuen President elect der DGZMK gewählt, Dr. Günter Dhom (Ludwigshafen) wurde mit gleichem Ergebnis neuer Vorsitzender der APW. Bei Stimmenthaltung des Vorstands wurde dieser einstimmig entlastet.

Spät kam er - doch um so mitreißender: Einen bemerkenswerten Festvortrag lieferte "Cleverle" Lothar Späth unter der Überschrift "Was jetzt getan werden muss - Seitenblicke auf Deutschland" ab. Damit nahm er auch direkten Bezug auf das ökonomische Oberthema der Jahrestagung. Deutschland stehe vor der "melancholischen Kapitulation vor der Wirklichkeit" konstatierte er, sah aber zugleich auch Anlass für Optimismus: "Immer wenn es uns schlecht geht, sind wir am besten." Hierzulande habe man über die Wiedervereinigung schlicht die Globalisierung verschlafen, und Globalisierung bedeute in erster Linie die Verlagerung der ökonomischen Leitfunktion weg von der Produktion hin zum Vertrieb. Gute Aussichten aber auch für Zahnärzte: Der Gesundheitsmarkt sei ein stark wachsender Markt, der, von allen Regularien befreit und dem freien Wettbewerb ausgesetzt, ein immer bedeutenderer Wirtschaftsfaktor werden könne. Mit seiner These, der freie Wettbewerb sei die einzige Möglichkeit, auf Dauer auch wieder international zu bestehen, dürfte er aber in der politischen Landschaft (noch) nicht überall auf Zuspruch stoßen. Die soziale Wirklichkeit verglich er mit einem Zoo, in dem die Tiere geduldig auf ihre Wärter harrten, die ihnen regelmäßig das Futter brächten. Späth forderte dazu auf, Zäune einzureißen und die "freie Wildbahn" zu erobern. Wärter seien dann allerdings überflüssig. Nicht nur für seine Schlussforderung, die Hälfte der Beamten in Deutschland abzubauen und dafür die Zahl der Freiberufler zu verdoppeln, erntete er stürmischen Beifall.

In der Eröffnungspressekonferenz zum wissenschaftlichen Kongress hatten zuvor der noch amtierende Präsident, Prof. Dr. Heiner Weber, der Vizepräsident, Dr. Bernhard Fuchs, sowie der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, das Thema Qualitätssicherung unter den Aspekten Ausbildung, Fortbildung und zahnärztliche Praxis näher beleuchtet. Dabei forderte Prof. Weber über eine neue Approbationsordnung mehr Wettbewerb in der Ausbildung an den derzeit 29 Hochschulstandorten zu schaffen, diese Kompetition müsse sich dann auch im Beruf selbst niederschlagen. Seine Hoffnung, noch am selben Tag eine Einigung innerhalb des Verbandes der Hochschullehrer in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (VHZMK) erzielen zu können, erfüllte sich aber nicht ganz. Sie wird für Anfang des kommenden Jahres erwartet, eine Arbeitsgruppe soll noch strittige Punkte für die nächste Sitzung des Verbandes am 13. Januar klären. Wichtig sei es, so Wber, schon in der Ausbildung eine neue Qualität zu schaffen und dauerhaft zu sichern.

BZÄK-Präsident Weitkamp begrüßte noch einmal ausdrücklich die unter der Präsidentschaft Prof. Webers noch engere Kooperation zwischen Standespolitik und Wissenschaft, die mit dem Bezug des Berliner Büros der DGZMK in den Räumen der BZÄK auch eine räumlich wahrnehmbare Gestalt angenommen habe. Dieses Zusammenwachsen ohne Aufgabe der eigenen Identitäten diene dem Wohl des gesamten Berufsstandes. Weitkamp kritisierte die Bundesregierung, die eine Reform der Reform schon eingeleitet habe, bevor diese überhaupt in Kraft getreten sei. Dabei sei mit falschen Zahlen operiert worden, nach seinen Berechnungen und Gesprächen mit der Versicherungsindustrie hätte eine Prämie für den Zahnersatz etwa 6,80 Euro gekostet. Angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland müsse die Politik erkennen, dass Solidarität nicht länger nur zwischen Arm und Reich, sondern ebenso sehr zwischen Alt und Jung hergestellt werden müsse. Verlierer in der jetzt geschaffenen Regierungslösung sei der Patient, dem die Wahlmöglichkeit zur Ausgestaltung seiner Versicherung für den Zahnersatz genommen worden sei. Das im Zahnheilkundegesetz geschaffene Privileg müsse der Berufsstand verteidigen. Qualitativ bewege sich der Berufsstand auf sicherem Terrain mit insgesamt hohem Niveau. Eine neue Musterberufsordnung werde voraussichtlich Anfang kommenden Jahres dafür sorgen, dass die Kollegenschaft angemessen auf die vom Gesetzgeber ermöglichten neuen Organisationsformen für die Praxis reagieren könne.

Dr. Fuchs beschrieb die Qualitätssicherung in der Fortbildung über das Modell der Agentur Praxis und Wissenschaft, die mit ihren strukturierten Angeboten und dem modularen Aufbau das ideale Design postgraduierter Fort- und Weiterbildung darstelle. Die in Curricula erworbenen Qualifikationen könnten über das Continuumprogramm fortgeschrieben werden, die als Basis auch für internationale Ansprüche genügten. Dr. Fuchs verwies in dem Zusammenhang auf die kürzlich zwischen DGZMK und dem Royal College of Surgeons (RCS) getroffene Kooperationsvereinbarung, die es deutschen Kolleginnen und Kollegen ermögliche, an dem "Diploma Implant-Course of the Royal College of Surgeons" teilzunehmen. Am Ende dieses Kurses, der aus 14 Einheiten (Units) besteht, von denen wiederum drei in England abgehalten werden, steht zunächst einmal eine Prüfung, nach deren Bestehen der auch gemäß der europäischen Gesetzgebung in Deutschland zu führende Titel "Diploma in Implant Dentistry of Royal College of Surgeons" geführt werden darf. Ist der Kursteilnehmer danach bereit, eine zusätzliche Arbeit (Thesis) zu schreiben, so kann diese dem "Londons St. Mary`s Universital Hospital" vorgelegt werden. Diese Londoner Universität hat den o. g. Implantologiekurs des RCS als postgraduiertes Masterprogramm anerkannt. Nach Akzeptanz der eben genannten Arbeit durch die dortige Universität /durch die dortige Klinik ist der Absolvent/ die Absolventin berechtig den Titel eines "Master of Sciences" zu führen.

Weitere Höhepunkte der Jahrestagung waren der Festabend im Mercedes-Benz-Museum in Untertürkheim sowie die abschließende Preisverleihung des traditionellen Dentsply-Förderpreises in Zusammenarbeit mit BZÄK und DGZMK im Friedrichsbau-Varieté, die in diesem Jahr zum 18. Mal stattfand.

MARKUS BRAKEL
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