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Die Musen in der Amtsstube

06.10.2004 - (idw) Universität Leipzig

Anlässlich des 200. Todestages von Christian Felix Weiße (1726-1804) widmet die Kustodie der Universität Leipzig dem Dichter eine Ausstellung, die vom 8. 10. bis 18. 12. 2004 im Kroch-Haus zu sehen ist.

Der Zeitgenosse Gottscheds und Lessings war eine facettenreiche Persönlichkeit: Als Lyriker, Tragödien- und Komödiendichter, Singspielautor, als Kinder- und Jugendschriftsteller und Herausgeber eines Kunstjournals erlangte er weit über die Grenzen Sachsens hinaus Berühmtheit.

Nach Leipzig kam Christian Felix Weiße im Jahr 1745, um Philologie und Theologie zu studieren und sich für ein Schulamt zu qualifizieren. Seine wichtigsten Lehrer an der Universität Leipzig waren J.A. Ernesti, Pionier der philologisch-historischen Bibelforschung, J.F. Christ, der in seine Vorlesungen zur Dichtkunst als erster deutscher Universitätslehrer die bildlichen Zeugnisse der Antike einbezog sowie Gottsched, bei dem er Redeübungen belegte. Mit Mitte dreißig übernahm Weiße dann das Amt des Kreis-Quatembersteuer-Einnehmers für den Leipziger Raum, nach einigem Zögern, denn vom Finanzwesen verstand er nichts. In Briefen klagte er über die Schwierigkeit, Brotberuf und Schriftstellerei in Einklang zu bringen: Er sei in seiner "Zollbude angeheftet", sollten die Musen dort nicht "scheu" werden? Wie es scheint, ließen sie sich von der nüchternen Atmosphäre der Amtsstube nicht abhalten. In den ruhigeren Morgen- und Nachmittagsstunden verfasste Weiße zwischen Akten und Steuerkatastern zahlreiche Dramen, Gedichte und Libretti.

Christian Felix Weiße wurde zu einem der meistgespielten Dramatiker auf deutschen Bühnen. In seiner Studienzeit hatte er zunächst mit dem befreundeten Lessing französische Theaterstücke ins Deutsche übertragen, dann aber bald eigene Bühnenwerke zu schreiben begonnen. Seine Stücke, wie "Die Poeten nach der Mode" (1756), "Romeo und Julie" (1767) oder "Der Fanatismus oder Jean Calas" (1780) sind heute leider nur noch wenigen Leipzigern bekannt. Aus der Zusammenarbeit Weißes mit Johann Adam Hiller gingen beliebte Singspiele hervor, wie "Die Jagd", "Lottchen am Hofe" oder "Die Liebe auf dem Lande". Manche Lieder erlangten eine geradezu volksliedhafte Bekanntheit und wurden nicht nur in den Aufführungen mitgesungen, sondern erklangen auch in Wirtshäusern und auf den Straßen Leipzigs.

Europäische Bedeutung wurde Weiße durch seine Tätigkeit als Publizist und im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur zuteil. Als Herausgeber der "Bibliothek der Schönen Wissenschaften und der Freyen Künste", in der Aufsätze zur Literatur und Kunst in Frankreich, England, Italien, Spanien und Russland erschienen, korrespondierte er mit den führenden Persönlichkeiten seiner Zeit zwischen Kopenhagen und Neapel. Geradezu ein Bestseller wurde seine Zeitschrift "Der Kinderfreund", die durch alltagsnahe Geschichten ein Modell der vernünftigen und verständnisvollen Erziehung propagierte. Schauspiele für Kinder, Lieder und Rätsel dienten sowohl der Unterhaltung als auch der moralischen und ästhetischen Bildung. Christian Felix Weiße gilt als einer der Gründerväter der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.

Die Ausstellung zeichnet anhand zahlreicher Gemälde, Grafiken, Kleinplastiken und Bücher ein lebendiges Bild von Weiße und seiner Zeit, dem gesellschaftlichen Leben und der Stadt Leipzig im Zeitalter der Aufklärung. Eine Videopräsentation stellt Proben von Weißes Texten und vertonten Gedichten vor.

Öffnungszeiten:

Di, Do, Fr 10:00 - 17:00 Uhr
Mi 12:00 - 17:00 Uhr
Sa 10:00 - 13:00 Uhr
montags geschlossen


Weitere Informationen:
Kustodie der Universität Leipzig
Telefon: 0341 97-30170
E-Mail: kustodie@uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/kustodie
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