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RUB-Klinikum eröffnet PTB-Zentrum: Wenn der Unfall Körper und Seele krank macht

07.10.2004 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Wer einen schweren Unfall überlebt hat, trägt oft nicht nur körperliche Verletzungen davon. Viele Unfallopfer können die lebensgefährliche Situation nicht verarbeiten und nicht vergessen: Fachliche Hilfe bietet jetzt das "Kompetenzzentrum für psychische Störungen nach Arbeitsunfällen" an den BG-Kliniken Bergmannsheil (Klinikum der Ruhr-Universität), in dem sich Neurologen, Psychologen und Schmerzspezialisten zusammengeschlossen haben. Ziele und Arbeitsweise des neuen Zentrums werden am 14. Oktober 2004 (11.30 Hörsaal 3, Bergmannsheil) der Öffentlichkeit und den Medien vorgestellt.

Bochum, 07.10.2004
Nr. 288


Wenn der Unfall Körper und Seele krank macht
Hilfe für Patienten mit psychischen Störungen nach Arbeitsunfall
RUB-Klinikum eröffnet neues Zentrum


Wer einen schweren Unfall überlebt hat, trägt oft nicht nur körperliche Verletzungen davon. Viele Unfallopfer können die lebensgefährliche Situation nicht verarbeiten und nicht vergessen, sie haben Schlafstörungen, leiden unter Immunschwäche, Herz-Kreislaufproblemen, Persönlichkeitsveränderungen, chronischem Schmerz und vielen anderen Symptomen. Fachleute sprechen u.a. von der posttraumatischen Belastungsstörung (PTB), die schwierig zu erkennen und noch schwieriger zu behandeln ist. Fachliche Hilfe bietet jetzt das "Kompetenzzentrum für psychische Störungen nach Arbeitsunfällen" an den BG-Kliniken Bergmannsheil (Klinikum der Ruhr-Universität), in dem sich Neurologen, Psychologen und Schmerzspezialisten zusammengeschlossen haben. Ziele und Arbeitsweise des neuen Zentrums werden am 14. Oktober 2004 (11.30 Hörsaal 3, Bergmannsheil) vorgestellt. Medienvertreter sind herzlich willkommen!

Lebensgefahr hinterlässt Spuren

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann sich entwickeln, wenn Menschen eine lebensbedrohliche Situation durchstehen mussten, selbst wenn die körperlichen Verletzungen nicht tatsächlich lebensgefährlich waren. "Ein Bergmann zum Beispiel, der bei einem Grubenunfall über Stunden verschüttet war und letztlich keine bleibenden körperlichen Schäden davonträgt, kann trotzdem an PTB erkranken, wenn er sich in dieser Situation tödlich bedroht sah.", erklärt der Neurologe Prof. Dr. Martin Tegenthoff. Bei PTB-Patienten verheilen begleitende körperliche Verletzungen nicht richtig, bei rund 70 Prozent dieser Patienten entwickeln sich chronische Schmerzen, Schlafstörungen und massive psychische Veränderungen kommen hinzu. Charakteristisch ist, dass die Betroffenen aus Scham und Angst vor der neuerlichen Konfrontation mit der auslösenden Situation ihre Krankheit gegenüber ihren Ärzten bagatellisieren, was die Diagnose erschwert.

Neues berufsgenossenschaftliches Zentrum

Das neue Zentrum, das jährlich 150 bis 200 Patienten beraten und behandeln soll, ist in NRW einmalig: Als einziges Zentrum für psychische Störungen von Unfallopfern ist es an einer Unfallklinik angesiedelt - also dort, wo Verunglückte zuerst versorgt und über lange Zeit betreut werden. Auffälligkeiten können früh erkannt und behandelt werden, was die Aussicht auf Heilung verbessert. Die Disziplinen arbeiten vom ersten Patientenkontakt an zusammen, denn: "Das Problem bei PTB-Patienten ist, dass sie gleichzeitig an vielen verschiedenen Störungen leiden, die einzeln behandelt oft nur schwer therapierbar sind", so Prof. Dr. Christoph Maier vom Schmerzzentrum der Ruhr-Universität Bochum in den BG-Kliniken Bergmannsheil.

Dicke Akten sichten, viele Untersuchungen

Das Expertenteam des Zentrums ist Ansprechpartner für Ärzte in ganz Deutschland, die mit berufsgenossenschaftlich versicherten Unfallopfern mit auffällig langen Leidensgeschichten konfrontiert sind. Wichtige Beratung leisten die Spezialisten des Zentrums auch für die Mitarbeiter der Berufsgenossenschaften, die nach Arbeits- und Wegeunfällen über Therapie, Versorgung und auch ggf. Rentenzahlungen entscheiden müssen. Am Anfang steht in solchen Fällen die gründliche Sichtung der Patientenakten, die oft schon beträchtliche Ausmaße angenommen haben. Körperliche Untersuchungen durch Neurologen und Schmerzspezialisten schließen sich an, psychologische und psychiatrische Untersuchungen sind notwendig, bevor das Spezialistenteam eine Therapieempfehlung ausspricht. "Jeder Patient muss individuell behandelt werden, es gibt keinen allgemein gültigen Therapieplan", betont Dr. Jutta Frettlöh, Psychologin im Schmerzzentrum. Ein Arzt und ein Psychologe werden für das Zentrum neu eingestellt.

Weitere Informationen

Dr. Jutta Frettlöh, Abt. für Schmerztherapie, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/3026638, E-Mail: frettloeh@anaesthesia.de

Prof. Dr. Martin Tegenthoff, Neurologische Klinik, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-6808, E-Mail: martin.tegenthoff@rub.de

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