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Zwei Preise für die Erlanger Schmerzforschung

07.10.2004 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Wenn das Gehirn einem Körperteil nicht genug Raum gibt, kann das die Schmerzempfindlichkeit ins Unerträgliche steigern. Wenn ein Botenstoff im Rückenmark nicht an schmerzverarbeitende Nervenzellen andocken kann, sind Entzündungen viel leichter zu ertragen. Für diese beiden Entdeckungen zeichnet die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) in diesem Jahr einen Neurologen und eine Pharmakologin der Universität Erlangen-Nürnberg aus. Zwei von drei Förderpreisen, die heute bei der Eröffnung des Deutschen Schmerzkongresses 2004 in Leipzig übergeben wurden, gehen damit nach Erlangen. Das Preisgeld beträgt jeweils 7.000 Euro.

Dr. Christian Maihöfner, Neurologische Klinik und Institut für Physiologie und experimentelle Pathophysiologie, hat den ersten Preis in der Kategorie Klinische Forschung errungen. Ulrike Depner vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie ist der erste Preis in der Kategorie Grundlagenforschung zugesprochen worden.

Unterrepräsentierte Hand
Das Komplex-Regionale Schmerzsyndrom (CRPS) bedeutet für die Erkrankten unverhältnismäßig große Schmerzen bei leichten Verletzungen, dazu dauerhafte Schwellungen und motorische Störungen. Dr. Maihöfner hat Veränderungen im Gehirn von CPRS-Patienten mittels Magnetenzephalographie (MEG), einem nicht-invasiven Verfahren, untersucht. In der zentralen Verarbeitung von Sinnesreizen fand er eine fatale Abweichung. Jeder Teil des Körpers ist in einer bestimmten Region des Gehirns repräsentiert, wobei die Größe der Hirnareale die Bedeutung widerspiegelt. Das Paradebeispiel dafür sind die Hände: Ihnen ist im Normalfall ein überdimensionaler Bereich vorbehalten.

Überraschenderweise ist bei CPRS an der Hand die entsprechende Repräsentation im Gehirn geschrumpft. Das Ausmaß dieser Verkleinerung steht nachweislich in Zusammenhang mit der Schmerzhaftigkeit der Erkrankung und der Ausdehnung der Überempfindlichkeit. Umgekehrt nehmen die Schmerzen ab, wenn die Größenverhältnisse korrigiert werden. Tatsächlich lassen sich diese Veränderungen im Gehirn auf therapeutischem Wege rückgängig machen.

Antennen für anhaltenden Schmerz
Normalerweise verhindern bestimmte Kontrollsysteme im Rückenmark, dass schon geringste Reize Schmerzen auslösen. Bei Entzündungen und Verletzungen scheint diese Kontrolle nicht mehr zu funktionieren und schon kleinste Berührungen oder Bewegungen tun weh. Ulrike Depner und Robert Harvey konnten jetzt auf molekularer Ebene nachweisen, wie es dazu kommt.

Bei Gewebeschädigung bildet das Rückenmark Prostaglandine, die an die Oberfläche von schmerzverarbeitenden Nervenzellen binden. Dort verhindern sie, dass der Überträgerstoff Glycin seine schmerzkontrollierende Wirkung entfalten kann. Mäuse, bei denen dieser Prozess durch genetische Veränderung zerstört wurde, sind Entzündungsschmerzen vergleichsweise schnell wieder los. Obwohl nicht ganz ungefährlich, können dem Menschen in solchen Fällen Arzneistoffe von Typ des Aspirin helfen. Die neuen Ergebnisse zeigen, wie das Aspirin der Zukunft aussehen könnte.

Weitere Informationen:

Dr. Christian Maihöfner
Neurologische Klinik
maihoefner@physiologie1.uni-erlangen.de

Ulrike Depner
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Tel.: 09131/85 -26936
ulrike.depner@pharmakologie.uni-erlangen.de
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