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Vertreibungen in Ostmitteleuropa - vergessen zu Gunsten der Zukunft?

12.11.2002 - (idw) VolkswagenStiftung

VolkswagenStiftung unterstützt das "Europäische Forum" in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften - zweite von vier Diskussionsveranstaltungen am Mittwoch, 11. Dezember 2002, 19.30 Uhr

Rund 60 Millionen Menschen wurden im 20. Jahrhundert innerhalb Europas vertrieben oder zwangsumgesiedelt, waren Opfer des so genannten Bevölkerungstransfers. Leitbild dieser Vertreibungspolitiken war die Idee vom ethnisch homogenen Nationalstaat. Heute wird diese Politik der "ethnischen Säuberungen", die auch die Sieger des Zweiten Weltkriegs in den Jahren 1945 bis 1950 gefördert oder toleriert haben, völkerrechtlich und auch als Verstoß gegen die Menschenrechte geahndet.

Nach 1989 ist das Gedächtnis wiedererwacht, bis dahin war es entlang des Eisernen Vorhangs gespalten. Eine offene Debatte über die Geschichte der Vertreibungen war im Europa des Kalten Krieges zumindest in Ostmitteleuropa nicht möglich. Und wer hier zu Lande an das Leid von Flucht und Vertreibung der Deutschen erinnerte, galt lange Zeit als Revanchist. Die europäischen Debatten um Völkermord und "ethnische Säuberungen" im ehemaligen Jugoslawien der 1990er-Jahre rührten an der Erinnerung der jeweils eigenen nationalen Geschichte und am Umgang mit dem Totalitären im 20. Jahrhundert. Es war das Jahrhundert der Vertreibungen. Verlust der Heimat und Entwurzelung sind universelle europäische Erfahrungen. Gleichzeitig prallen die kollektiven und individuellen Erinnerungen daran aufeinander.
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Veranstaltungsort:
Das 2. Podium des Europäischen Forums zum Thema "Vertreibungen in Ostmitteleuropa" findet statt am: Mittwoch, 11. Dezember 2002, 19.30, Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Eingang: Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin
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Mit diesem Thema beschäftigt sich das zweite Podium des Europäischen Forums: ein zivilgesellschaftliches Projekt, das die VolkswagenStiftung gemeinsam mit der Robert Bosch- und der Hertie-Stiftung unterstützt. Viermal im Jahr debattieren in öffentlicher Runde Schriftsteller, Wissenschaftler - viele von ihnen von den Stiftungen in der Vergangenheit gefördert - und Politiker aus unterschiedlichen europäischen Ländern Probleme des gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Einigungsprozesses, die aus der langen Phase der Spaltung Europas resultieren. Das Forum will sich dabei der in Aussicht gestellten Osterweiterung annehmen. Besonderes Augenmerk gilt dem Dreieck Frankreich, Deutschland und Polen. Im Forumskomitee sind Fachleute aus Deutschland, Frankreich, Polen, Holland und Italien versammelt, die nach dem Rotationsprinzip mit jeweils neuen Gästen die Podiumsdiskussionen bestreiten. Das Forum zielt nicht zuletzt auf die Entmythologisierung der eigenen nationalen Geschichte und Selbstbilder als eine wesentliche Voraussetzung für ein europäisches Gedächtnis, das die über 1989 hinaus währende Aufspaltung der Erinnerung überwinden hilft.

2. Podiumsdiskussion des Europäischen Forums
Das zweite von vier Podien findet statt am:
Mittwoch, dem 11. Dezember 2002,
ab 19.30 Uhr, im
Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Folgende Fragen zum Thema "Vertreibungen in Ostmitteleuropa - vergessen zu Gunsten der Zukunft?" werden diskutiert:
- Vergessen zu Gunsten der Zukunft, weil niemand an den alten Wunden rühren will?
- Ein Zentrum gegen Vertreibungen: in Berlin oder in Wroclaw/Breslau?
- Gefährdet die Debatte über die Benes-Dekrete den europäischen Einigungsprozess?
- Kann überhaupt ein "europäisches Gedächtnis" entstehen?

Es diskutieren auf dem Podium Stefan Chwin, Schriftsteller aus Gdansk/ Danzig, Professor Dr. Peter Glotz, Direktor am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, Dr. Jaroslav Kucera, Historiker an der Karls-Universität in Prag, Professor Dr. Karl Schlögel, Historiker an der Universität Viadrina Frankfurt/Oder. Das Podium wird moderiert von der Politologin und Publizistin Dr. Ulrike Ackermann.

Interessierte Journalistinnen und Journalisten sind herzlich eingeladen. Für weitere Informationen steht Ihnen gern zur Verfügung:
Andrea Schwieger Hiepko: Tel.: 01 70/5 48 89 80, Fax: 0 30/2 03 70 - 2 55, E-Mail: info@europaeischesforum.de, www.europaeischesforum.de

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Kontakt/Moderation: Europäisches Forum Berlin, Dr. Ulrike Ackermann, Tel.: 0 30/20 370-256
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Weitere Veranstaltungen des Europäischen Forums: 3. Podium am 5. März 2003 "Heimat als Utopie - Kann Europa Heimat sein?" und 4. Podium am 4. Juni 2003 "Erbschaft der Diktaturen - Vergangenheitsbewältigung in Frankreich, Deutschland und Polen
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Kontakt VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Christian Jung, Tel.: 0511/8381-380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
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