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PISA und die Folgen

12.11.2002 - (idw) Universität Rostock

Symposium der Universität Rostock untersuchte Veränderungen nach der PISA-Studie

Was kommt von der PISA-Studie eigentlich in der Schule an? Diese Frage versuchte das "IV. Rostocker Universitätssymposium zu aktuellen Fragen und Problemen der Schulpädagogik" am vergangenen Wochenende zu beantworten.
Seit der Veröffentlichung der Ergebnisse des "Programme for International Student Assessment" - kurz PISA - vor einem Jahr ist klar: Deutschlands Schulunterricht ist so mangelhaft, dass seine Schüler es im Vergleich mit 31 anderen Industriestaaten nur ins untere Drittel der Vergleichstabellen schaffen. Im Juni erschien die PISA-Erweiterungsstudie, die Vergleiche zwischen den einzelnen Bundesländern erlaubt. Mecklenburg-Vorpommerns Schüler erreichen dabei auf allen Gebieten hintere Ränge.
Grund genug für Schulpädagogen und Erziehungswissenschaftler der Universität Rostock, zu hinterfragen, was Politik und Wissenschaft jetzt zu tun gedenken. Die Antworten fielen ernüchternd aus. Außer bekannten, oft gehörten Konzepten gäbe es in der deutschen Bildungspolitik kaum Neues, berichtete Prof. Dr. Wolfgang Nieke. Und das weder auf Bundesebene, noch in einzelnen Bundesländern oder der Kultusministerkonferenz. Nieke untersuchte für das Symposium, wie die Fachpolitik auf die PISA-Ergebnisse reagierte. Neben der Ganztagsschule - deren bundesweite Einführung vom Bundesbildungsministerium teil finanziert wird - solle eine nationale Testagentur gegründet werden. Diese diene als Voraussetzung für künftige nationale Standards in der Schulbildung, hatte der Professor für Allgemeine Pädagogik an der Rostocker Uni herausgefunden. Eine ganz konkrete Reaktion gäbe es in Mecklenburg-Vorpommern. Hier tage im Bildungsministerium bereits eine Arbeitsgruppe, die Lehrplanveränderungen im Deutschunterricht vorbereite. Ziel sei, die bisher ungenügende Lesekompetenz der Schüler M-Vs zu steigern.
Die Forderung nach nationalen Standards griff Prof. Dr. Ewald Terhart in seinem Vortrag auf.
Seine weiteren Vorschläge: Zusätzlich zu den Schulnoten seien ausführliche Qualifikationsprotokolle für jeden Schüler anzufertigen. Dies erhöhe nicht nur die Übersicht über die Schülerleistungen sondern auch deren Motivation. Darüber hinaus müssen auch die Lehrer weiter qualifiziert werden. Heutige Fortbildungen seien kritisch zu hinterfragen und an ihrer Statt Weiterbildungspläne an jeder Schule zu erstellen. Im Unterricht solle "nicht nur Stoff abgearbeitet, sondern auf Ziele hingearbeitet werden", sagte der Professor für Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik der Universität Münster.
Auf dem zweitägigen Symposium, das von Prof. Dr. Toni Hansel vom Institut für Schulpädagogik organisiert wurde, sprachen darüber hinaus Prof. Dr. Wolfgang Sucharowski und Peter Gutjahr-Löser. Sucharowski, Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Rostock, fragte, ob der muttersprachliche Unterricht versagt habe. Gutjahr-Löser, Kanzler der Universität Leipzig, forderte nicht nur Konsequenzen in Schule und Unterricht sondern auch in der Lehrerausbildung. Bereits in den Universitäten müsse angesetzt werden, um Verbesserungen in der Schulbildung zu erreichen.

Michael Lüdtke
Presse- und Informationsstelle
der Universität Rostock
Tel.: 0172/ 80 36 127
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