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"...Ich will nich ueber Ammireka nicht stronsen!"

12.11.2002 - (idw) Universität Erfurt

"Die Universität Erfurt freut sich, dass sie die größte Sammlung von Briefen deutscher Amerikaauswanderer der Jahre 1820 bis 1914 übernehmen konnte", betont Präsident Dr. Wolfgang Bergsdorf. Die Sammlung umfasst heute 7.000 Briefe und ist in ihrem Erschließungsgrad einzigartig. Sie wurde heute in der Universitäts- und Forschungsbibliothek auf Schloss Friedenstein in Gotha mit einer Informationsveranstaltung und Lesung dem Publikum zugänglich gemacht.

Deutschland war im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert aufgrund von Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung ein Auswanderungsland. In weiten Kreisen der Bevölkerung versprach das Auswandern bessere Perspektiven als das Bleiben. Die unmittelbaren Berichte in die Heimat sind an sich schon spannend, das wissenschaftliche und öffentliche Interesse aufgrund der durch den Fall von Grenzen und die Globalisierung entstandenen größeren Mobilität und die fremdenfeindliche Vorfälle der letzten Jahre beträchtlich.

Die unter dem Namen "Bochumer Auswandererbrief-Sammlung" (BABS) bekannte Sammlung wurde während der 80er Jahre an der Ruhr-Universität Bochum durch Prof. Dr. Wolfgang Helbich (Schnepfenthal) mit großzügiger Unterstützung seitens der Volkswagen-Stiftung aufgebaut. Die in Bochum geleistete Arbeit umfasste sowohl das Einwerben von Auswandererbriefen durch Presseaktivitäten in der alten Bundesrepublik, wie auch ihre Erschließung und Publikation. Neben der maschinenschriftlichen Erfassung der Texte bildeten die inhaltliche Erschließung durch Schlagwortkataloge sowie die Ermittlung von Hintergrundinformationen zum Briefschreiber sowie die erwähnten Ereignisse und Personen den Schwerpunkt der Arbeiten.

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten unterschiedlichster Disziplinen sind bereits aus dem einmaligen Bestand hervorgegangen, gibt es sonst doch kaum vergleichbar unmittelbare Selbstzeugnisse "einfacher Leute". Die Fragestellungen berühren die Themen Migration, Integration, Sprache, Schriftlichkeit, aber auch Themen der Geschichte Amerikas, da die Wahrnehmung von Fremden für Phänomene des Alltags und Mentalitätsunterschiede vielfach schärfer ist als die Einheimischer.

Zugleich wird eine neue Projektphase eingeläutet: Konnte in Bochum nur Briefmaterial aus den alten Bundesländern gesammelt werden, so soll die Sammlung in den nächsten Jahren um Zeugnisse, welche sich vor allem in Privatbesitz der neuen Bundesländer befinden, erweitert werden. Wer Kenntnis über derartige Briefe hat oder an einer ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Erschließung der Sammlung interessiert ist, wende Sie sich an die Leitung der Forschungsbibliothek (03621/3080-0).
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