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Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch soziale Netzwerke

27.10.2004 - (idw) Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

Ob Arbeitslosigkeit nur ein kurzer Zwischenstopp im Erwerbsleben ist oder zum Dauerzustand wird, hängt nicht nur von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel Hartz IV ab, sondern auch von persönlichen und sozialen Eigenschaften der Arbeitslosen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Dies zeigt eine aktuelle Studie des DIW Berlin mit dem Titel "Der Einfluss von Persönlichkeitseigenschaften und sozialen Ressourcen auf die Arbeitslosigkeitsdauer", die auf den empirischen Daten der Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) beruht.

Der Autor der Studie, Arne Uhlendorff, stellt fest, dass im Westen Arbeitslose, die davon ausgehen, die Folgen ihres Handelns weitgehend selbst bestimmen zu können, überdurchschnittliche Chancen haben, der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Menschen mit dieser selbstbewussten "Kontrollüberzeugung" finden mit 17 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit einen neuen Arbeitsplatz.

In den neuen Bundesländern hat die Kontrollüberzeugung dagegen keine Auswirkung. Hier führt vor allem soziales Kapital in Form von politischem und ehrenamtlichem Engagement zu einer überdurchschnittlichen Chance auf eine neue Beschäftigung. Wer sich wöchentlich sowohl ehrenamtlich in Vereinen, Verbänden oder sozialen Diensten als auch politisch engagiert, nimmt im Vergleich zu Personen ohne ehrenamtliche Aktivitäten mit 45 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit wieder Arbeit auf. Im Westen spielen soziale Netzwerke für eine Wiederbeschäftigung dagegen keine Rolle.

Die unterschiedlichen Effekte in Ost und West erklärt Arne Uhlendorff in seiner Untersuchung mit dem umfassenden Strukturwandel in den neuen Bundesländern. "Das berufliche Schicksal wird im Osten unter den neuen institutionellen Rahmenbedingungen von den individuellen Ressourcen und der familialen Situation bestimmt. Eine starke Selbstwirksamkeitsüberzeugung läuft dagegen ins Leere", sagt Arne Uhlendorff. Im Westen, gekennzeichnet durch relative gesellschaftliche Kontinuität und geringere Arbeitslosigkeit, kann sich diese Eigenschaft hingegen positiv auswirken.

Die Studie von Arne Uhlendorff "Der Einfluss von Persönlichkeitseigenschaften und sozialen Ressourcen auf die Arbeitslosigkeitsdauer" ist in der "Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie", Heft 2, 2004, erschienen.
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