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Mexiko-Forscher wird Ehrendoktor der FU. Prof.Dr. Friedrich Katz wird am 15. November ausgezeichnet

13.11.2002 - (idw) Freie Universität Berlin

Das Lebenswerk des Historikers und Mexiko-Forschers Prof. Dr. Friedrich Katz wird am Freitag mit der Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin ausgezeichnet. Die Würdigung findet auf Initiative des Lateinamerika-Institutes und des Fachbereiches Geschichts- und Kulturwissenschaften in einer akademischen Feierstunde im Senatssaal der FU statt. Professor John Coatsworth von der Harvard-Universität hält die Laudatio auf den 1927 in Wien geborenen Wissenschaftler.

Im Zentrum der Forschungstätigkeit von Friedrich Katz steht Mexiko, ein Land, das trotz oder gerade wegen seiner bewegten Geschichte immer wieder bereit war, Flüchtlinge aus aller Herren Länder aufzunehmen und willkommen zu heißen. Ende der 30er Jahre wurde Mexiko zur rettenden neuen Heimat für viele Europäer, die gegen die faschistischen Truppen Francos in Spanien gekämpft hatten. Auch vielen jüdischen Flüchtlingen, die in den USA keine Aufnahme fanden, wurde es ein Zufluchtsort. Die Großzügigkeit, mit der Mexiko die Emigranten aufnahm, begründete in Friedrich Katz eine tiefe, mitfühlende Sympathie und Verbundenheit mit dem mexikanischen Volk: Er war selbst einer dieser vielen, bunt zusammengewürfelten Emigranten, 1927 als Jude in Wien geboren, lebte der Sohn des Schriftstellers Leo Katz bis 1933 in Berlin. Nach der Flucht vor den Nationalsozialisten 1933 wurde Mexiko seiner Familie zum Rettungsanker vor dem braunen Terror und ihm zum Objekt seiner wissenschaftlichen Leidenschaft.

Die Frage der Nationalität spielt bei Friedrich Katz wie bei vielen Emigranten eine untergeordnete Rolle. Zwar ist Katz österreichischer Staatsbürger, weitaus prägender als seine kurze Jugend in Wien oder Berlin war für ihn jedoch Mexiko. Nach dem Studium in Mexiko-Stadt und New York promovierte er 1954 in Wien über die "Sozialökonomischen Verhältnisse bei den Azteken im 15. und 16. Jahrhundert" und habilitierte sich 1962 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Daraus entstand 1964 das Buch "Deutschland, Díaz und die Mexikanische Revolution: Die deutsche Politik in Mexiko, 1870-1920", in dem er umfangreiches Material aus diplomatischen Geheimarchiven verarbeitete. Nach Lehraufträgen in Mexiko und den beiden wichtigen US-amerikanischen Universitäten für Lateinamerikastudien, den Universitäten von Texas in Austin und Chicago, lebt und arbeitet er seit den 70er Jahren in Chicago, zuletzt als Chairman des Zentrums für Mexiko-Forschung.

Friedrich Katz, in vier Ländern zu Hause, ist der kosmopolitischste unter den führenden Historikern der jüngeren mexikanischen Geschichte. Carlos Fuentes lobt seine 1998 verlegte Biographie des mexikanischen Revolutionsführers Francisco "Pancho" Villa "The Life and Times of Pancho Villa" als ein "Meisterwerk zeitgenössischer Geschichtsschreibung". Friedrich Katz gelang es, globale Strukturen und Dynamiken ebenso in die Geschichtsforschung mit einzubeziehen wie das lokale Handeln der Akteure vor Ort. Auch hierin spiegelt sich die Vielfalt seines eigenen bewegten Lebens.

Ort und Zeit: Senatssaal im Henry-Ford-Bau, Garystr. 35, 14195 Berlin, U-Bhf. Thielplatz. Freitag, 15. November, 19.00 Uhr
Weitere Informationen: Prof. Dr. Marianne Braig, Lateinamerika-Institut, Rüdesheimer Str. 54-56, 14197 Berlin, Tel.: 030/838-53094, E-Mail: mbraig@zedat.fu-berlin.de, Internet: http://www.fu-berlin.de/lai
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