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Das Leben nach globalen Katastrophen

13.11.2002 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Internationales Symposium zur Katastrophenforschung am Museum für Naturkunde vom 21.-23.11.2002

Warum die Dinosaurier ausgestorben sind, glaubt heute jedes Kind zu wissen. Ein Meteoriteneinschlag wird sowohl von Laien als auch von der Mehrzahl der Experten dafür verantwortlich gemacht, dass nicht nur die großen Echsen, sondern auch eine Vielzahl anderer Organismen am Ende der Kreidezeit für immer von der Erde verschwanden.
Weniger bekannt ist den meisten, dass das Aussterben dieser Spezies am Ende der Kreidezeit nur eine Tragödie von vielen war, die unsere Erde betroffen haben - und dass es zwar eine große, aber bei weitem nicht die größte Katastrophe in der Geschichte des Lebens darstellt. Selten haben die Wissenschaftler für die anderen Zeiten mit extrem hohen Artensterben so eingängige Theorien parat wie für die so genannte Kreide-Tertiär-Grenze. Zwar glauben einige, dass auch zu anderen Zeiten das massenhafte Artensterben durch Meteoriteneinschläge verursacht wurde, die Indizien sind jedoch mager. Eher spricht man von Klimaveränderungen, aber auch Vulkanismus und Schwankungen in der Durchlüftung der Ozeane werden gerne herangezogen.
Im Bereich der Katastrophenforschung werden beinahe jede Woche neue aufregende Entdeckungen gemacht. Trotzdem ist man sich bei den Mustern und Ursachen nicht so recht einig und viele Fragen sind noch offen: Waren die Katastrophen, die wir zu sehen glauben, wirklich so drastisch wie uns der Fossilbericht glauben macht? Sind Meteoriteneinschläge als Ursachen auch für andere Aussterbeereignisse wahrscheinlich? Welche Rolle spielen Klimaveränderungen? Warum waren einige Tiergruppen offenbar viel stärker betroffen als andere? Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen. Die Antworten darauf ließen das heutige Gefahrenpotenzial abschätzen, das unserer Erde droht. Wenn zum Beispiel Klimaschwankungen in der Vergangenheit einen viel stärkeren Einfluss auf die Lebewelt hatten als Meteoriteneinschläge, sollte sich die Forschung zukünftig mehr auf das Erdsystem konzentrieren. Sollten sich allerdings Himmelskörper als ständige Bedrohung erweisen, muss sich die Forschung verstärkt auf das gesamte Sonnensystem erstrecken.
Im Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin wird im Rahmen des Graduiertenkollegs "Evolutive Transformationen und Faunenschnitte" vom 21.-23. November 2002 ein internationales Symposium zum Thema "Mesozoische und Känozoische Bioevents: Verbindung mit Impakts und anderen Ursachen" abgehalten. Zahlreiche hoch angesehene Wissenschaftler aus den USA, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Deutschland werden die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Aussterbeforschung diskutieren. Da die extrem weit zurück liegenden Katastrophen noch wenige konkrete Daten liefern, konzentriert sich das Symposium auf die Ereignisse der letzten 200 Millionen Jahre. Themen sind:
· Wie wichtig war die Rolle von Meteoriteneinschlägen für Aussterbeereignisse?
· Wie wirkte sich der Meteoriteneinschlag am Ende der Kreidezeit konkret auf die Lebewelt aus?
· Welchen Einfluss hatten Klimaveränderungen auf die Evolution?
· Welche Rolle spielten Vulkanausbrüche?
· Was sagt uns die Selektivität des Aussterbens?
· Wie stark verfälscht der lückenhafte Fossilbericht unsere Sichtweise von erdgeschichtlichen Katastrophen?
· Wie verlief die Erholung der Lebewelt nach den globalen Katastrophen?
Die Tagung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Sie findet vom 21.-23. November 2002 im Hörsaal 201 des Museums für Naturkunde statt. Tagungssprache ist Englisch.

Informationen: Dr. Wolfgang Kießling, Museum für Naturkunde, Tel. (030) 2093 8576

Fax: (030)2093 8868, e-mail: wolfgang.kiessling@museum.hu-berlin.de
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