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Sexuelle Funktionsstörungen der Frau - Mythos oder Realität?

29.10.2004 - (idw) Universität Leipzig

Im Rahmen der XXII. Tagung der Sächsischen Gesellschaft für Urologie e.V am 30.10.2004 wurde dieses weitgehend unerforschte und oftmals ignorierte oder tabuisierte Thema aufgegriffen und diskutiert - "Weiblichen Sexualstörungen ist bisher kaum Beachtung geschenkt worden.", so PD Dr. med. Jens-Uwe Stolzenburg, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig.

Um Sexualstörungen der Frau mehr ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, hat sich eine Arbeitsgruppe (bestehend aus Urologen, Frauenärzten, Psychologen, Psychosomatikern und Endokrinologen) mehrerer Universitätskliniken in Deutschland gebildet.
"Das klinische Interesse an den weiblichen Sexualstörungen ist spürbar gewachsen." Erklärt Prof. Dr. med. Michael Truß, leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Und das ist auch nötig, denn bei einem durch die Medizinische Hochschule Hannover ins Leben gerufenen standarisierten Fragebogen zur weiblichen Sexualität, welcher 45 Fragen zu Familienstand, Gesundheitsstatut und sexueller Aktivität umfaßt, wurde deutlich, dass 20,6% der befragten Medizinstudentinnen in verschiedenem Grade unzufrieden mit ihrem Sexualleben im letzten Monat waren.

Die Gründe dafür sind vielfältig: eine gestörte Libido, Orgasmusstörungen, Vaginismus (Verkrampfen der Scheide beim Geschlechtsverkehr) oder Dyspareunie (Schmerzen bei sexuellem Kontakt). Von 648 befragten Studentinnen (Durchschnittalter: 24 J.) gaben 25% an, aversive Reaktionen auf die sexuelle Annäherung eines Partners zu kennen. 14,7% der befragten Frauen bewerten die eigene Orgasmushäufigkeit als viel zu selten und betrachtet man die sexuell bedingten Schmerzen, so fällt auf, dass fast die Hälfte der Studentinnen schon Erfahrungen mit Schmerzen dieser Art gemacht haben.

Die Fragebogenaktion ergab, dass zwar die Mehrheit der Befragten mit ihrem Sexualleben zufrieden ist - doch auch der signifikanten Minderheit mit sexuellen Problemen muss geholfen werden.

Ansetzen müßte man bei der Kontext- und Partnerabhängigkeit, welche "sehr charakteristisch für die weibliche Sexualität ist", so Prof. Truß. So ist für die meisten Frauen Körperkontakt in Form von Kuscheln oder Streicheln sehr wichtig, und darüber hinaus nehmen Probleme innerhalb der Partnerschaft sehr oft Einfluß auf das Sexualverhalten. Sexualstörungen der Frau sind "leider" kein Mythos, sondern ernstzunehmende Realität und bisher viel zu wenig beachtet, beklagt Dr. Stolzenburg.
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