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Verlangt die Europäische Union unsinnige Grenzwertsenkungen im Tunnel- und Bergbau?

12.11.2004 - (idw) Technische Universität Clausthal

Bis zu 2100 Meter Felsgestein werden sich über Gotthard-Basistunnel auftürmen - und das auf einer Strecke von rund 10 Kilometern. Weil die Temperatur in die Tiefe hinein ansteigt, rechnen die Geologen mit Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius, gleichzeitig entstehen bei den Sprengvortriebsarbeiten und durch die mit Diesel betriebenen Lkws untertage giftige Gase und Schwaden. Die Klimatisierung und Belüftung solcher Bauprojekte ist daher für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz von zentraler Bedeutung und eine große Herausforderung an die planenden Bergbauingenieure. Über den Stand der Technik und offene Fragen informierte eine Tagung am 10. - 11. November in der Aula der TU Clausthal. Ein Vertreter von K+S forderte eine realitätsbezogene Festlegung von Grenzwerten. Einen Appell, sich von Fakten leiten zu lassen, richtete Dr.-Ing. Spachtholz von der K+S Aktiengesellschaft aus Kassel an die Teilnehmer des Kolloquiums. In aufwendigen Langzeituntersuchungen an ihrem Untertage tätigen Personal, zum Teil auch mit unternehmensexternen, unabhängigen Partnern, sei die K+S AG zu dem definitiven Schluss gekommen, dass die Luft (Wetter) in Kali- und Salzbergwerken in keiner Weise zu Atemwegs- und Lungenkrankheiten der Belegschaft führe, sagte Dr. Spachtholz. Die Grenzwerte für Kohlenmonoxid, Stickoxide und partikelförmige Dieselabgase drastisch - teilweise um mehr als das Zehnfache - zu senken, wie derzeit von der EU geplant sei, sei sachlich in keiner Weise gefordert und stelle die Unternehmen vor die Existenzfrage. Im Kern stimmte von Schweizer Seite Dipl.-Ing. Vogel dem zu, der für die SUVA, Schweizerische Unfallversicherungsanstalt über die bisherigen Erfahrungen beim Bau des Gotthart-Basistunnels gesprochen hatte. Man sei angesichts dieser drohenden Entwicklung für den deutschen Bergbau froh nicht zur Europäischen Union zu gehören, sagte Herr Vogel. "Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen", sagte Dr. Spachtholz.

Am ersten Halbtag stand die Klimatisierung im Mittelpunkt der Vorträge, neben einem weiteren Vortrag zu den Besonderheiten der Belüftung und Kühlung beim Bau des Lötschberg-Basistunnels auch die Clausthaler Softwareentwicklung zur Prognose des Klimas, das den Bergmann bei einem speziellen Tunnelprojekt erwarten wird. Am zweiten Tag wurden neuere Entwicklung zur Staubbekämpfung im Berg- und Tunnelbau vorgestellt.

Die Tagung wurde ausgerichtet von der Abteilung Maschinelle Betriebsmittel in Bergbau und Geotechnik des Institut für Bergbau, Prof. Dr.-Ing. Oliver Langefeld. Rund 130 Teilnehmer aus Behörden, Hochschulen und der Industrie nahmen an dem Kolloquium teil.

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