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Spezialschicht macht Holz feuerfest

15.11.2004 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Holz ist als Baustoff für höhere Wohngebäude in Deutschland bisher nur unter strengen Auflagen erlaubt. Doch das könnte sich bald ändern: Wissenschaftler entwickeln derzeit eine neuartige Hochleistungsbrandschutzbeschichtung für Holz und Holzwerkstoffe, die den Rohstoff nicht oder nur schwer brennen lässt. Am 16. November können interessierte Journalisten bei einer Demonstration in Braunschweig nicht brennbares Holz erleben. "Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen werden immer beliebter. Allerdings hat Holz gegenüber Mauerwerk, Beton und Stahl einen entscheidenden Nachteil: Es ist brennbar. Rein statistisch gesehen bricht zwar nur etwa alle fünfzig Jahre ein Feuer in einer Wohnung oder einem Gebäude aus. Doch jeder noch so kleine Brandherd kann eine große menschliche Tragödie nach sich ziehen", sagt Professor Dietmar Hosser vom Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz der TU Braunschweig. "Deshalb stellt der Gesetzgeber strengste Anforderungen an den Brandschutz. So schreibt die Bauordnung in Deutschland vor, welche Baustoffe im Hinblick auf ihre Brennbarkeit bei Neubauten und Renovierungen verwendet werden dürfen. Sie beinhaltet außerdem Forderungen an den Feuerwiderstand einzelner Bauteile."

Eine Möglichkeit, Holz am Brennen zu hindern, bieten Beschichtungen, die eine Art Dämmschicht auf der Oberfläche bilden. "Wenn eine Grenztemperatur überschritten wird, entsteht eine voluminöse Schicht, die das darunter liegende Material vor weiterer Temperatureinwirkung schützt", erklärt Dirk Kruse vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut, WKI in Braunschweig. Derzeit entwickelt ein vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderter Forschungsverbund eine neuartige Hochleistungsbrandschutzbeschichtung für Holz und Holzwerkstoffe. Partner sind neben dem Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz, dem WKI, dem Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT und der Versuchsanstalt für Holz- und Trockenbau acht mittelständische Unternehmen der Holz- und Beschichtungsmittelindustrie.

In diesem Projekt geht es aber nicht nur darum, die Entflammbarkeit von Holz zu erschweren. Auch das Entzünden von Holzbauteilen über einen definierten Zeitraum soll verhindert werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um Holz auch in höheren Gebäuden ohne Risiko als Baustoff einsetzen zu können. Wenn in einem Hochhaus ein Feuer ausbricht, muss die Sicherheit der flüchtenden Personen gewährleistet sein. Es darf in den Fluchtwegen nicht brennen, damit sich keine giftigen Rauchgase entwickeln. Bisher kann der optisch ansprechende Baustoff Holz in höheren Gebäuden nicht sichtbar verbaut werden. Alle Holzbauteile erhalten aus Brandschutzgründen eine Abdeckung aus nichtbrennbaren Baustoffen wie etwa Gipskartonplatten.

"Unsere Idee war es, auf der Basis von Isolationsmaterialien in der Raumfahrttechnik eine Holzbeschichtung zu entwickeln, die den normalen Ansprüchen hinsichtlich Optik, Dauerhaftigkeit, Kratzfestigkeit sowie Witterungsbeständigkeit genügt. Bei einem Brand soll diese Schicht aufquellen und einen Schutzfilm bilden. Er verhindert, dass das Holz über definierte Zeiträume von mindestens 30 bis zu 60 Minuten seine Entzündungstemperatur erreicht. Die transparente Beschichtung ist ein erster Schritt, Holz in Gebäuden auch in nicht bekleideter Form ohne Risiko einsetzen zu können", sagt Kruse.

Am 16. November 2004 findet eine Demonstration des neuen Materials im Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz, Beethovenstraße 52, in Braunschweig statt. Treffpunkt für Pressevertreter ist um 11.00 Uhr am Haupteingang. Die Wissenschaftler stehen zunächst im Konferenzraum 2. OG (Halle 5) für Erläuterungen und Fragen zur Verfügung. Um 11.30 Uhr startet der Versuch mit dem nicht brennbaren Holz.


Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Dietmar Hosser
Telefon: 05 31 / 3 91-54 41
Fax: 05 31 / 3 91-82 53
d.hosser@ibmb.tu-bs.de

Dipl.-Ing. Dirk Kruse,
Telefon: 05 31 / 21 55 - 4 42
Fax: 05 31 / 35 15 87
dirk.kruse@wki.fraunhofer.de
Weitere Informationen: http://www.ibmb.tu-bs.de http://www.wki.fraunhofer.de
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