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Thüringer Projekt "Kopfchirurgisches Zentrum" erfolgreich im BMBF-Wettbewerb SOMIT

20.12.2004 - (idw) Technische Universität Ilmenau

Das Kompetenzzentrum der Medizintechnik OphthalmoInnovation Thüringen (OIT) hat sich mit seinem Projekt "Kopfchirurgisches Zentrum" erfolgreich am Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) "Schonendes Operieren mit innovativer Technik - SOMIT" beteiligt. Insgesamt 34 Konsortien bewarben sich um die ausgeschriebene Förderung durch den Bund. Ziel des von OIT geführten multidisziplinären, überregionalen Konsortiums ist die Realisierung eines völlig neuartigen, prozessoptimierten Operationssaals für die Presbyopie-Therapie sowie zur Untersuchung und Behandlung lokaler früher Katarakte am Helios-Klinikum Erfurt.

Die Presbyopie ist die meist altersbedingte Einschränkung der Anpassungsfähigkeit des Auges: Es ist nicht mehr in der Lage, sich auf unterschiedliche Sehentfernungen einzustellen - eine Grunderfahrung jedes Menschen im Alter zwischen dem 40. bis 50. Lebensjahr. Momentan wird dieses im Alter fortschreitende Defizit durch Sehhilfen wie Lesebrillen oder Brillen mit Gleitsichtgläsern gemildert. Es soll nunmehr erforscht werden, wie mit außerordentlich kurzen Laserimpulsen, so genannten Femtosekunden-Lasern, eine Behandlung der "Volkskrankheit" Alterweitsichtigkeit erfolgreich vorgenommen werden kann. Ansatz der Forscher ist, dass der transparente vordere Augenabschnitt einen nichtinvasiven Zugang für die Ultrakurzpuls-Laserstrahlung bietet, mittels der die Akkomodationsfähigkeit des Auges wieder erhöht werden kann, ohne dass kollaterale Gewebeschädigungen auftreten.

Die Operation des Grauen Stars - der Trübung der Augenlinse - ist der weltweit am häufigsten durchgeführte chirurgische Eingriff und (aufgrund der hohen Zahl von Fällen) die kostenträchtigste Operation überhaupt. Auch auf diesem Anwendungsfeld arbeiten die Wissenschaftler an der Entwicklung einer innovativen Femtosekunden-Lasertherapie, mit deren Hilfe bereits im Frühstadium der Katarakterkrankung Einlagerungen im Auge zertrümmert und so eine weitere Eintrübung und Verhärtung der Linse verhindert werden sollen. Die klassische Operation, bei der die getrübte Linse entfernt und gegen eine künstliche ausgetauscht wird, würde damit durch ein sehr patientenschonendes und zugleich kostensenkendes Verfahren ersetzt werden. Grundlage der Arbeiten ist u.a. ein Patent zur Vorrichtung/Methode der minimalinvasiven Beseitigung von Verhärtungen und Trübungen der Augenlinse.

Nach rund drei Jahren der insgesamt fünfjährigen Projektlaufzeit will das Konsortium mit dem Prototyp des prozessoptimierten opthalmologischen Operationssaal in die klinische Erprobung am Helios-Klinikum in Erfurt gehen. In das System soll neben den innovativen OP-Verfahren selbst auch eine durchgängige Patientenlogistik und ein modular aufgebautes Patienten-Transport- und Positioniersystem integriert sein, wodurch sich die OP-Zeiten erheblich verkürzen. Ein zentrales Entwicklungsziel besteht dabei in der erheblichen Verbesserung der Genauigkeit der Laserpositionierung um eine Größenordnung gegenüber dem internationalen Stand der Technik. Damit würde das Thüringer Konsortium seine weltweite Spitzenposition auf dem Gebiet der Ophthalmologie weiter ausbauen.
Nach erfolgreicher Erprobung soll das System auch auf andere Gebiete der Gesichtschirurgie, so im HNO- und Neurochirurgiebereich, übertragen werden können und nachhaltige ökonomische Effekte bewirken.

An der Realisierung des mit rund sieben Millionen Euro geförderten Projektes sind insgesamt zwölf Partner beteiligt - neben dem Helios Klinikum Erfurt die Helios Research GmbH Berlin, die Universitäts-Augenklinik Mainz, das Institut für Biomedizinische Technik und Informatik der Technischen Universität Ilmenau, das Institut für angewandte Physik der Friedrich Schiller Universität in Jena, das Zentrum für Ergonomie und Gebrauchstauglichkeit der Fachhhochschule Münster, das Fraunhofer Institut für angewandte Optik und Feinmechanik Jena, das Fraunhofer Institut für Zerstörungsfreie Materialprüfung Dresden, die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE sowie die in der Medizintechnik herausragenden Unternehmen Carl-Zeiss Meditec AG Jena, Jenoptik AG und TRUMPF Medizinsysteme, Saalfeld.

Weitere Informationen:

Kompetenzzentrum der Medizintechnik OphthalmoInnovation Thüringen
Volker Wiechmann, Geschäftsführer
Wildenbruchstraße 15, 07745 Jena
Tel. 03641 / 67 56 90, Fax. 03641 / 67 56 93

e-Mail : vw@ophthalmoinnovation.de

Prof. Dr.-Ing. habil. Günter Henning,
Sprecher des Kompetenzzentrums der Medizintechnik OphthalmoInnovation Thüringen
TU Ilmenau, Institut für Biomedizinische Technik und Informatik
Tel. 03677 / 69 28 61,
e-mail: guenter.henning@tu-ilmenau.de
Weitere Informationen: http://www-bmti.tu-ilmenau.de http://www.ophthalmoinnovation.de http://www.gmta.de
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