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Symposium zum 65. Geburtstag des Sozialpädagogen Hans-Uwe Otto

05.01.2005 - (idw) Universität Bielefeld

Die aktuelle Standortbestimmung der bundesrepublikanischen Sozialen Arbeit bildet das zentrale Thema des Symposiums "Das Soziale und die Soziale Arbeit. Krisensemantiken, Zeitgeist und Begriffspolitiken" am Samstag, dem 8. Januar, ab 13.30 Uhr in der Mensa der Universität Bielefeld. Anlässlich des 65. Geburtstages des Bielefelder Erziehungswissenschaftlers Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Uwe Otto hat die Arbeitsgruppe "Sozialarbeit und Sozialpädagogik" der Fakultät für Pädagogik elf Wissenschaftler und Wegbegleiter eingeladen, das Thema des Symposiums, zu dem 250 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet werden, gemeinsam unter der Moderation von Dr. Fabian Kessl zu diskutieren.

Die Professionalisierung der Sozialen Arbeit als Teil des wohlfahrtsstaatlichen Arrangements der Bundesrepublik Deutschland kann als die wissenschaftliche und politische Lebensaufgabe von Hans-Uwe Otto bezeichnet werden. Nach einem Studium der Sozialarbeit in Dortmund und der Erziehungswissenschaft, der Soziologie und der Psychologie in Münster arbeitet der am 6. Januar in Husum geborene Erziehungswissenschaftler seit Ende der 1960er Jahre mit Unterbrechungen an der Bielefelder Universität, seit 1979 als Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Fakultät für Pädagogik. Mit dem Aufbau eines eigenständigen Diplomstudiengangs der Pädagogik in der Bundesrepublik, der bis heute als meist nachgefragten Schwerpunkt die Soziale Arbeit (Sozialarbeit/Sozialpädagogik) umfasst, wurde die Realisierung der Forderungen nach einer Professionalisierung sozialpädagogischer Fachkräfte für Otto greifbar. Zur erfolgreichen Institutionalisierung des Diplomstudiengangs Pädagogik trug Otto in unterschiedlichen Rollen maßgeblich bei, so als Vorsitzender der Kommission Sozialpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) und als Mitglied des Vorstandes der DGfE, als Vorsitzender des Fachausschusses "Erziehungswissenschaft" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und als Sprecher der Landeskonferenz Erziehungswissenschaft Nordrhein-Westfalen. Bis heute ist die Gestaltung der erziehungswissenschaftlichen Studiengänge dem "Professionsintellektuellen", wie Hans-Uwe Otto einmal von Micha Brumlik genannt wurde, ein fundamentales Anliegen. Das zeigt sich nicht zuletzt in seinem wissenschaftspolitischen Erfolg beim Aufbau der Erziehungswissenschaft in Ostdeutschland Anfang der 1990er Jahre. Die Universität Halle-Wittenberg hat dies durch die Verleihung eines Ehrendoktors gewürdigt. Der Glaube an die Notwendigkeit eines in einer sozialwissenschaftlich ausgerichteten Erziehungswissenschaft fundierten Studiums für die Sicherung pädagogischer Professionalität motivierte Hans-Uwe Otto, sich auch als Präsident des Erziehungswissenschaftlichen Fakultätentages (EWFT) zu engagieren. Welchen Einfluss Hans-Uwe Ottos Forschungstätigkeiten innerhalb der deutsch-sprachigen Debatten über Erziehungswissenschaft haben, zeigt sich nicht nur in den fast 60 Büchern, die Hans-Uwe Otto verfasst und herausgegeben hat, sondern auch in der Anerkennung in Fachkreisen, beispielsweise durch die Bewilligung des ersten DFG-Graduiertenkollegs im Bereich Sozialer Arbeit ("Jugendhilfe im Wandel").

Zwei Grundüberzeugungen begegnen einem immer wieder in der wissenschaftlichen Arbeit und dem wissenschaftspolitischen Engagement des ehemaligen Lehr-Prorektors Hans-Uwe Otto. Zum einen, dass die Erziehungswissenschaft nur in einer ausgebauten Universitätsstruktur, die nicht fachlich einseitig ausgelegt werden darf, als sozialwissenschaftliche Disziplin existieren kann. Zum anderen sind für Hans-Uwe Otto pädagogische Instanzen nur als Teil eines gesicherten wohlfahrtsstaatlichen Arrangements denkbar. Ein Begriff der solidarischen Verantwortung aller für alle ist daher mehr als die normative Komponente des wissenschaftlichen wie wissenschaftspolitischen Lebens von Hans-Uwe Otto. Sie verpflichtet ihn, kontinuierlich auf soziale Verwerfungen, von der insbesondere Kinder und Jugendliche betroffen sind, hinzuweisen und deshalb Öffentlichkeit, Wissenschaft und pädagogische Fachkräfte immer wieder an ihre Verantwortung für die nachwachsende Generation zu erinnern, wie seine zahlreichen Kommentare in der Neuen Praxis, der von ihm als Vorsitzender verantwortete 9. Jugendbericht der Bundesregierung oder politische Stellungnahmen, wie der jüngste Aufruf zu einem Bildungspakt von Jugendhilfe und Schule, belegen.

Seit Mitte der 1990er Jahre ist Hans-Uwe Otto maßgeblich am Auf- und Ausbau internationaler Forschungskooperationen im Bereich Sozialer Arbeit beteiligt. Die Internationalisierung scheint dem Bielefelder Erziehungswissenschaftler nach der Etablierung der erziehungswissenschaftlichen Studiengänge in der Bundesrepublik eine fast selbstverständliche Konsequenz, für die er sich in gewohnt motivierter Weise engagiert. So war er neben seiner Mitgliedschaft im Programmkomitee der International Association of Schools of Social Work einer der Mitbegründer des "Centre for Youth Policy" an der Universität Haifa (Israel) und wurde 1998 zum Honorarprofessor an der School of Social Work der University of Pennsylvania (USA) ernannt. Zudem ist Otto, der in den nächsten drei Jahren weiterhin an der Universität Bielefeld forschen und lehren wird, seit 2003 Direktor der International Summer Academy in St. Petersburg (Russland). Dass diese Aktivitäten auch zur Gründung zweier international anerkannter Magazine geführt haben, scheint keineswegs überraschend: European Journal of Social Work (Taylor & Francis) und Social Work & Society (E-Journal).


Das Foto ist abrufbar unter: www.uni-bielefeld.de | Aktuelles | Aktuelle Pressemitteilungen | Pressemitteilung Nr. 4/2005.

Pressemitteilung Nr. 4/2005
Universität Bielefeld
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Fax: 0521/106-2964
E-Mail: gerhard.trott@uni-bielefeld.de
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