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Am Mitleid scheiden sich die Geister. Tagung über "Ethik und Ästhetik des Mitleids"

10.01.2005 - (idw) Freie Universität Berlin

Die Flutkatastrophe in Südostasien hat weltweit großes Mitleid hervorgerufen. Eine interdisziplinäre Tagung an der Freien Universität Berlin (13. bis 15. Januar) versucht nun aus theologischen, philosophischen, (kunst-)historischen und literaturwissenschaftlichen Sichtweisen sich dem kontrovers diskutierten Begriff des Mitleids zuzuwenden. Einerseits gilt das Mitleid als Grundlage für ein Anteil nehmendes, solidarisches, soziales Handeln gegenüber Schwächeren und Benachteiligten, andererseits als Ausdruck eines von Herablassung geprägten und damit egoistischen Affekts. Schon 1985 schrieb die aus der schwedischen Emigration nach Deutschland zurückgekehrte Philosophin und Literaturwissenschaftlerin Käte Hamburger in ihrem Buch "Das Mitleid" , dass "Mitleid mit fremden Menschen in fernen Ländern ein Ritus unserer politischen Stimmungslage (sei), (dass) die Medien (.....) scheinbare Nähe (erzeugen)." "Dennoch gibt es bislang wenig systematische Forschung zum Begriff des Mitleids," sagt Prof. Dr. Irmela von der Lühe, die die Tagung gemeinsam mit Dr. Anita Runge (Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung) veranstaltet. Ausgehend von Käte Hamburger will die Tagung Probleme der ethischen Qualität von Mitleidsgefühlen und Fragen der ästhetischen Wirkung von Mitleidssituationen erörtern.

Prof. Dr. Joachim Ringleben (Göttingen) nähert sich dem Phänomen aus christlich-theologischer Sicht: "Gott und Mitleid". Prof. Dr. Wolfgang Riedel (Würzburg) richtet den Blick auf Käte Hamburger und die "Moralanthropologie der Aufklärung", Prof. Dr. Gert Mattenklott (Freie Universität Berlin) spricht über Martha Nussbaums Philosophie des Mitleids im Rückblick auf Käte Hamburger, und PD Dr. Gesa Dane (Göttingen) sieht in Käte Hamburgers Werk eine "Problemgeschichte als kritische Literaturtheorie". PD Dr. Hilge Landweer (Berlin) stellt zwei Modelle des Mitgefühls "Resonanz oder Kognition" vor, während Lore Hühn (Freiburg) die Ethik Rosseaus und Schopenhauers auf den Mitleidsbegriff hin untersucht.
Henning Ritter (Frankfurter Allgemeine Zeitung) liest am 13. Januar um 20 Uhr im Literaturhaus in der Fasanenstraße aus seinem Buch: "Nahes und fernes Unglück. Versuch über das Mitleid".

Alle anderen Veranstaltungen der Tagung finden von Donnerstag, 13. Januar, bis Samstag, 15. Januar, im Weiterbildungszentrum der Freien Universität Berlin, Otto-von-Simson-Straße 13-15, 14195 Berlin, statt.
Nähere Informationen erteilen Ihnen gerne: Prof. Dr. Irmela von der Lühe, Tel.: 030-838 54419 und Dr. Anita Runge: Tel.: 030-838 52482

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