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Bamberger Sozialwissenschaftler von Fritz Thyssen Stiftung ausgezeichnet

11.01.2005 - (idw) Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Zum 23. Mal wurden durch eine Jury die Preise der Fritz Thyssen Stiftung für die besten sozialwissenschaftlichen Aufsätze in deutscher Sprache vergeben, der einzige Zeitschriftenpreis in den Sozialwissenschaften außerhalb des englischsprachigen Bereichs. Für den Zeitschriftenjahrgang 2003 wurden von den Zeitschriftenredaktionen 26 Arbeiten zur Prämierung vorgeschlagen.

Erster Preis für Bamberger Sozialwissenschaftler

Den ersten Preis, dotiert mit ¤ 1.500,-, erhielt Prof. Dr. Martin Heidenreich, Inhaber der Professur für Sozialwissenschaftliche Europaforschung in Bamberg. In seinem Aufsatz "Territoriale Ungleichheiten in der erweiterten EU", der in der "Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie" (Jg. 55, Nr. 1, S. 1-28) erschienen ist, untersucht Heidenreich die Bedeutung territorialer Ungleichheiten, im Sinne von Wohlstandsgefälle, für die zukünftige Entwicklung des erweiterten Europas. Die zentrale Frage der Arbeit lautet, ob wirtschaftliche Unterschiede den vor uns stehenden politischen Vereinigungsprozess behindern und blockieren werden oder ohne wesentlichen Einfluss auf diesen Prozess bleiben.

Die erheblichen regionalen Ungleichheiten zwischen West- und Osteuropa können zu einer gravierenden Beeinträchtigung der politischen Vertiefungsbestrebungen, zu erheblichen zusätzlichen Transferzahlungen oder sogar zu einer Gefährdung weiterer Erweiterungsprojekte führen. Dieses Trilemma könnte, so Heidenreich, entschärft werden, wenn eine Polarisierung zwischen ost- und westeuropäischen Interessen entweder durch eine rasche Angleichung an das westliche Wohlstandsniveau oder durch eine rasche Differenzierung der individuellen, interregionalen und zwischenstaatlichen Lebens- und Einkommensverhältnissen in Mittel- und Osteuropa unterbunden wird. Die wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre legen allerdings nahe, von einem relativ dauerhaften Wohlstandsgefälle zwischen Ost- und Westeuropa und einer zunehmenden regionalen Differenzierung auszugehen. Heidenreich kommt zu dem Schluss, dass die Dauerhaftigkeit der europäischen Zentrum-Peripherie-Beziehungen gegen eine "Enträumlichung des Sozialen" und für eine nichtidentische, pfadabhängige Reproduktion sozio-territorial verankerter Ungleichheiten und Abhängigkeiten spricht.

Begründung der Jury

Die Jury begründete die Preisvergabe mit den deutlichen Stärken des Aufsatzes in der Beschreibung der Entwicklungsprozesse in Europa: Der Text besteche durch die gute Darstellung entlang eines Argumentationsstranges, der jederzeit nachvollziehbar ist und durch empirische Daten abgesichert wird. Aufgrund der Aktualität der Thematik im Grenzbereich zwischen Soziologie, Ökonomie und Politikwissenschaft und der insgesamt überzeugenden Durchführung und Behandlung der mit der Osterweiterung verbundenen Probleme wurde Heidenreich der erste Preis zuerkannt.

Der Preis der Fritz Thyssen Stiftung für sozialwissenschaftliche Aufsätze

Der Preis wurde von Prof. Dr. Dr. h.c. Erwin K. Scheuch initiiert und wird seit Beginn im Jahre 1981 durch die Fritz Thyssen Stiftung gefördert. Die Auswahl der Arbeiten erfolgt in zwei Stufen: Die Herausgeber und Redakteure von dreizehn deutschsprachigen Zeitschriften schlagen jeweils bis zu zwei Aufsätze vor, die anschließend von einer Jury begutachtet werden.

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