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Keine Entwarnung bei HIV/AIDS in Deutschland

19.04.2005 - (idw) Robert Koch-Institut

Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen ist im Jahr 2004 nach dem neuen HIV/AIDS-Halbjahresbericht des Robert Koch-Instituts mit knapp 2000 Fällen gleichbleibend hoch. Allerdings hat sich bei Männern, die Sex mit Männern haben, die bereits in den letzten Jahren beobachtete Zunahme weiter fortgesetzt. Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen ist in dieser Gruppe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 % angestiegen. Bei Syphilis stieg die Zahl der gemeldeten Fälle auf 3345 im Jahr 2004 (von 2934 im Jahr 2003), auch hier ist der Anstieg bei der Gruppe der Männer mit gleichgeschlechtlichen Kontakten besonders deutlich. Das Schutzverhalten der sexuell aktiven Menschen ist nach der neuen Repräsentativerhebung "AIDS im öffentlichen Bewusstsein 2004" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einzelnen Gruppen schlechter geworden.

Zwar verhüten die unter 45-jährigen Alleinlebenden weiterhin auf hohem Niveau, aber das Schutzverhalten ist generell rückläufig, auch in Risikosituationen. Benutzten beispielsweise zu Beginn einer neuen Beziehung im Jahr 2000 noch 78 Prozent Kondome, so sind es 2004 nur noch 70 Prozent. "Diese Entwicklungen zeigen, dass differenzierte Datenanalysen sowie zielgruppengenaue Aufklärungskonzepte notwendig sind", betonen Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts und Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Bislang werden für das Jahr 2004 insgesamt 1928 HIV-Neuinfektionen gemeldet, 2003 waren es 1979. Männer, die Sex mit Männern haben, stellen mit knapp 47 Prozent die größte Betroffenengruppe. Auffällig an der Altersverteilung bei dieser Gruppe ist die Zunahme der Erstdiagnosen bei den 30- bis 49-Jährigen. "Das ist beunruhigend, weil es sich dabei um Menschen handelt, die vor allem in den Achtzigerjahren das durch HIV/AIDS verursachte Leid in ihrem Umfeld selbst erfahren haben und bisher über einen längeren Zeitraum eine HIV-Infektion vermeiden konnten", unterstreicht Reinhard Kurth. "Besondere Sorge bereitet uns auch der wachsende Therapieoptimismus, der viele Menschen dazu verleitet, das HI-Virus nicht mehr als gefährlich einzuschätzen und deshalb in ihrem Schutzverhalten nachzulassen", so Elisabeth Pott.

Die Entwicklung bei den HIV-Erstdiagnosen bei Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten weist regionale Unterschiede auf: am deutlichsten steigen die Zahlen in Berlin, zunehmende Zahlen von Erstdiagnosen werden aber auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein registriert. In den übrigen Betroffenengruppen bleibt die Zahl der Erstdiagnosen gleich (heterosexuell Infizierte und Personen aus Hochprävalenzregionen, in denen mehr als ein Prozent der Bevölkerung HIV-infiziert ist) oder geht zurück (i.v. Drogengebraucher).

In der Gruppe der Männer, die mit Männern Sex haben, ist Syphilis eine besondere Gefahr im Sinne eines Schrittmachers für HIV/AIDS. Bei heterosexuellen Sexualkontakten muss deutlich auf die steigenden Gefahren durch die hohen HIV-Infektions-raten in Osteuropa und Infektionsrisiken durch zunehmende Prostitution hingewiesen werden. Die BZgA hat in ihrer Aidsaufklärung den Bereich der sexuell übertragbaren Krankheiten weiter intensiviert. Dabei sind gerade die Ärzte wichtige Kooperationspartner.

Weitere Informationen: http://www.rki.de & http://www.bzga.de


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