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Mit einem Schalter sein Leben selbst gestalten

19.04.2005 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Stephanie Schuchmann aus Osnabrück meistert ihren Alltag per Knopfdruck. Mit dem an der Kopfstütze angebrachten Sensor steuert sie nicht nur ihren Elektro-Rollstuhl. Sie öffnet damit auch die Autotür, klappt die Einstiegsrampe heraus, bedient Telefon und Fernsehgerät, schreibt Briefe oder E-Mails. Noch wichtiger ist für sie aber die Möglichkeit, per "Delta-Talker" mit anderen Menschen sprechen zu können: Auf Grund ihrer schweren Körperbehinderung kann sie sich nämlich nicht lautsprachlich verständigen. Bei der ersten Fachtagung über Praxis und Perspektiven der Unterstützten Kommunikation (UK), die an der Uni Würzburg stattfand, erläuterte Stephanie Schuchmann gemeinsam mit Stefanie Sachse von der UK-Beratungsstelle der Uni Halle die vielfältigen Formen und Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation. Die beiden zeigten den mehr als 200 Fachleuten im Hörsaal des Unigebäudes am Wittelsbacherplatz auch die sich daraus ergebenden Chancen für schwerbehinderte Menschen, aktiv und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Professor Reinhard Lelgemann vom Lehrstuhl Sonderpädagogik II war als Veranstalter der Tagung beeindruckt, dass dieses Thema auf so breite Resonanz stieß. Auch Mitveranstalterin Anja Riemann, Leiterin der Regionalgruppe Bayern der international agierenden Vereinigung ISAAC, freute sich über das große Interesse. ISAAC steht für "International Society for Augmentative and Alternative Communication".

An der Tagung nahmen Studierende, Pädagogen, Mitarbeiter in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Betroffene teil. In Workshops, an Büchertischen und an Informationsständen verschiedener Anbieter elektronischer Kommunikationshilfen informierten sie sich über praktische Erfahrungen mit der Unterstützten Kommunikation sowie über Konzepte und Perspektiven.

"Die Anwesenheit so vieler Interessenten aus den Werkstätten zeigt uns, dass es zu diesem Thema gerade bei erwachsenen Menschen mit Behinderungen noch einen erheblichen Nachholbedarf gibt, für den wir mit dieser Tagung möglicherweise wichtige Impulse geben konnten", meint Lelgemann. Der Würzburger Professor will darum weitere Veranstaltungen zu dieser Thematik folgen lassen.

Es sei "niemals zu früh und nie zu spät", mit individuell ausgewählten Formen der Unterstützten Kommunikation zu beginnen. Das machte Angelika Rothmayr, Förderschulkonrektorin aus Frankfurt und ISAAC-Vertreterin, in ihrem Einführungsreferat deutlich. Sie erinnerte vor allem die Pädagogen daran, dass für nicht lautsprachlich kommunizierende Menschen immer wieder geeignete Wege gesucht und gefunden werden müssen, um ihnen ihr Recht auf Teilhabe und Anerkennung zu gewähren.

In den neun Workshops zeigte sich, wie viele unterschiedliche Aspekte und Möglichkeiten die Unterstützte Kommunikation beinhaltet: Neben körpereigenen Formen der Verständigung sind es vor allem elektronische Kommunikationshilfen unterschiedlichster Komplexität, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Ausdruck verhelfen können. Erfahrungsberichte zeigten, dass die Unterstützte Kommunikation nicht nur in der schulischen Förderung vielfältige Erfahrungs- und Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet, sondern auch neue Wege vom Spiel bis hin zum Theater ebnet. Stephanie Schuchmann brachte das in ihrem humorvollen Vortrag auf den Punkt: "Mit einem Schalter kann ich mein Leben selbst gestalten."

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