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Osteuropas islamische Geschichte im Spiegel der Münzen

21.04.2005 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Neue Publikation über osteuropäische Münzen des Orientalischen Münzkabinetts der Universität Jena wird auf Tagung der "Oriental Numismatic Society" vom 22.-24. April an der Jenaer Universität vorgestellt Jena (21.04.05) Neue wichtige Quellen zur Geschichte des Kaukasus und Osteuropas legt das Orientalische Münzkabinett der Universität Jena jetzt in Form eines Kataloges vor. Er wird auf der mitteleuropäischen Tagung der "Oriental Numismatic Society", die morgen (22.04.) in Jena beginnt, erstmals der internationalen Wissenschaftlergemeinde vorgestellt. Die Tagung wird vom Lehrstuhl für Semitische Philologie und Islamwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität ausgerichtet, zu dem auch das Münzkabinett gehört.

"Über die islamische Vergangenheit Osteuropas ist wenig bekannt", berichtet HDoz Dr. Stefan Heidemann, der die Jenaer Münzsammlung wissenschaftlich betreut. Die Wikinger unterhielten im 10. Jahrhundert einen Handelsweg von der Ostsee über die Wolga in die Kernländer des Islams und Zentralasiens. Die Mongolen beherrschten Osteuropa und den Kaukasus im 13. und 14. Jahrhundert. "Sowohl die Geschichte des Wikingerhandels als auch die der Mongolen in Russland lässt sich fast nur mit Münzen und den auf ihnen befindlichen Texten rekonstruieren, da kaum andere Schriftquellen vorliegen", beschreibt der Orientalist das Problem.

In Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes haben Tobias Mayer und Gert Rispling den osteuropäischen Münzbestand der Jenaer Sammlung mit Blick auf die Geschichte Osteuropas und des Kaukasus bearbeitet. Mayer gibt in der Einleitung des neuen Buches den ersten wissenschaftlichen Überblick seit 1826 zur mongolischen Münzprägung. Risplings Beitrag ist die erste Gesamtdarstellung der osteuropäischen Nachahmungen von Münzen aus der Zeit des Wikingerhandels. Das Werk liegt rechtzeitig zum Geburtstag des Gründers des Jenaer Münzkabinetts Johann Gustav Stickel (1805-1896) vor, der sich dieses Jahr zum 200. Male jährt.

Kern des heutigen osteuropäischen Bestandes in Jena bildet die Sammlung des Herrnhuter Missionars Heinrich August Zwick (1796-1855), der zwischen 1818 und 1836 an der unteren Wolga lebte, und als Pionier der Wolga-Archäologie gilt. Die Jenaer Sammlung ist noch heute die umfangreichste auf diesem Gebiet außerhalb Russlands. Johann Gustav Stickel, der zu den Gründervätern der islamischen Münzkunde zählt, hatte im Jahr 1840 den Ankauf organisiert und somit die Grundlage für die Forschungen in Jena gelegt. Die aktuellen Ergebnisse, die in dem neuen Band dokumentiert sind, werden auf der wissenschaftlichen Tagung vorgestellt. Etwa 40 Wissenschaftler und Sammler orientalischer Münzen kommen am 23. und 24. April im Senatssaal (Universitätshauptgebäude, Fürstengraben 1) zu Vorträgen zusammen. Die Themen sind geografisch zwischen Sizilien und Zentralasien verortet und umfassen einen Zeitraum, der vom 6. bis zum 19. Jahrhundert reicht. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich zu den Vorträgen eingeladen.

Bibliografische Angaben:
Stefan Heidemann & Norbert Nebes (Hrsg.): "Die Sylloge der Münzen des Kaukasus und Osteuropas", bearbeitet von Tobias Mayer mit Beiträgen von Stefan Heidemann und Gert Rispling (Orientalisches Münzkabinett Jena 1), Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2005, ISBN: 3-447-04893-X, 268 S., 68,50 Euro.

Kontakt:
HDoz. Dr. Stefan Heidemann
Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität
Sellierstr. 6, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 944864 oder 944850
E-Mail: x7hest@uni-jena.de

Das Orientalische Münzkabinett Jena ist die drittgrößte öffentliche deutsche Sammlung orientalischer Münzen mit derzeit etwa 15.000 Exemplaren.


Die Oriental Numismatic Society ist ein weltweiter Zusammenschluss von etwa 1.000 Wissenschaftlern und Sammlern.
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de/data/unijena_/presse/Numismatik_TgProgramm.pdf http://www2.uni-jena.de/philosophie/iskvo/omj.htm http://www.onsnumis.org
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