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Rückenwind für die klinische Forschung

28.11.2002 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Der Zulassung eines viel versprechenden neuen Medikamentes geht in jedem Fall eine intensive klinische Erprobung voraus. Um die innovativen Präparate oder auch andere neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden an einer ausreichend großen Zahl von Patienten zu überprüfen und verlässliche Daten gewinnen zu können, werden insbesondere bei selteneren Krankheitsbildern in der Regel mehrere Kliniken in Deutschland in entsprechende klinische Studien einbezogen. Deren Koordinierung und Durchführung ist für die beteiligten Mediziner jedoch mit einem gewaltigen Aufwand an Kosten, Zeit und Personal verbunden. An der Medizinischen Fakultät und dem Universitätsklinikum Münster (UKM) sind die Rahmenbedingungen für diese wichtige Aufgabe jetzt nachhaltig verbessert worden. Am 6. Dezember erfolgt die offizielle Eröffnung eines Koordinierungszentrums für Klinische Studien (KKS), das vom Bundesforschungsministerium bis zum Jahr 2008 mit einer Gesamtsumme von 2,1 Millionen Euro gefördert wird.

Das KKS in Münster ist eines von bundesweit insgesamt zwölf solcher Zentren, mit deren Hilfe die im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren zunehmend ins Hintertreffen geratene klinische Forschung in Deutschland spürbaren Rückenwind erfahren soll. Sprecher des KKS-Vorstandes ist der Direktor des Instituts für Medizinische Informatik und Biomathematik des UKM, Prof. Dr. Wolfgang Köpcke. Aufgabe des sowohl aus Bundes- als auch aus Landesmitteln geförderten KKS ist die nachhaltige Unterstützung der Mediziner bei der Durchführung klinischer Studien nach internationalen Qualitätskriterien. Sie reicht von der Konzeption und Planung einer Studie über die konkrete Durchführung bis hin zur Auswertung und Präsentation der Ergebnisse.

Darüber hinaus versteht sich das im April dieses Jahres bewilligte und dann sukzessive aufgebaute KKS auch als Ansprechpartner für Patienten, die im Rahmen klinischer Studien behandelt werden. Für viele schwer kranke Menschen bietet eine solche Studie erstmals einen großen Lichtblick. Sie sind die ersten Patienten, die von den innovativen Präparaten profitieren können, noch bevor diese offiziell als Arzneimittel zugelassen sind. Sie erfahren eine intensive ärztliche Betreuung, Behandlung und Nachsorge nach international gültigen Qualitätskriterien. Gerade für Schwerstkranke, bei denen bisherige Behandlungsverfahren keine Aussicht auf Heilung mehr
versprechen, kann sich die Aufnahme in eine klinische Studie als Segen erweisen. Welch wichtiges und unverzichtbares Instrument die klinische Forschung im Hinblick auf die Verbesserung von Behandlungsmöglichkeiten darstellt, wird besonders eindrucksvoll am Beispiel der Tumormedizin deutlich: Dass sich die Heilungsraten bei bestimmten Krebserkrankungen, insbesondere auch bei Kindern, nach und nach von quasi null auf bis zu 90 Prozent erhöht haben, ist einzig und allein entsprechenden klinischen Studien zu verdanken.

Um der besonderen Situation kleiner Patienten gerecht zu werden, ist Münster ein pädiatrisches Modul eingebunden. Mit der Schaffung einer eigenen Infrastruktur für diesen Bereich soll die bislang wegen ihres besonderen Aufwandes häufig an Kostengründen scheiternde Durchführung klinischer Studien bei Kindern erleichtert werden. Ziel ist es, die Arzneimittelsicherheit für kleine Patienten zu erhöhen. Bislang erhalten Kinder häufig Medikamente, deren Wirksamkeit und Sicherheit nur bei Erwachsenen nachgewiesen wurden. Schon vor Einrichtung des KKS war die Kinderklinik des UKM auf dem Gebiet klinischer Studien bei Kindern besonders engagiert. Allein drei multizentrische klinische Studien zur Behandlung kleiner Patienten mit Knochenkrebs und Leukämie werden von Münster aus geleitet.

Mit der am 6. Dezember von 14 bis 17 Uhr im Hörsaal des Dekanates der Medizinischen Fakultät stattfindenden Eröffnungsveranstaltung stellt sich das KKS erstmals der Öffentlichkeit vor. Auf dem Programm stehen nach Grußworten von Repräsentanten der Fakultät und des Klinikums fünf Vorträge, mit denen Vertreter des Bundesforschungsministeriums, der Arzneimittelindustrie und des KKS in Münster die Zielsetzung der Koordinierungszentren für Klinische Studien, die Bedeutung akademischer Forschungsstandorte für die industrielle Arzneimittelforschung, besondere Aspekte der nationalen, europäischen und US-amerikanischen Arzneimittelforschung sowie die Besonderheiten des Zentrums in Münster und seines besonderen Moduls für Kinder erörtern werden.

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