Bluthochdruck während der Schwangerschaft: Wenn das Immunsystem die eigenen Gefäße angreift

25.08.2005 - (idw) Helios Research Center GmbH

Berlin-Buch, den 25. August 2005. Die Präeklampsie ist eine schwere Form des Bluthochdrucks während der Schwangerschaft. Die Erkrankung tritt bei fünf bis zehn Prozent aller Schwangerschaften auf, verursacht bis zu 50 Prozent aller Frühgeburten und ist eine Haupttodesursache für Mutter und Kind. Die Diagnose ist aufwändig, eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Ärzte des HELIOS Klinikums Berlin-Buch entwickeln zusammen mit dem Fraunhofer Institut der Univer-sität Potsdam sowie dem Luckenwalder Biotechnologieunternehmen CellTrend auf Basis der Biohybrid-Technologie (Nano-Technologie) einen Bio-Chip. Dieser soll gefährdete Frauen frühzeitig erkennen helfen und eine vorbeugende Behandlung ermöglichen. Als Präeklampsie bezeichnet man den plötzlichen Anstiegs des Blutdrucks (höher als 140/90) in der Schwangerschaft mit einer gleichzeitig verstärkten Ausscheidung von Eiweiß (mehr als 300 mg/24 Stunden) im Urin. Der Hochdruck kann die Blutgefäße des Mutterkuchens (Plazenta) schädigen. Die Folge ist eine Unterversorgung des Ungeborenen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Eine längere Unterversorgung führt zu Wachstumsstörungen. Gleichzeitig können die Nieren und Leber der schwangeren Frauen beschädigt werden.

Gefürchtet ist die schwere Form des Schwangerschaftshochdruck: Bei der sog. "Eklampsie" leidet die Schwangere unter Krämpfen, die für Mutter und Kind lebensgefährlich sind. Die Schwangerschaft muss per Kaiserschnitt beendet werden. Gefährdet sind Mütter, die unter Bluthochdruck, chronischen Nierenerkrankungen, Diabetes, Übergewicht oder Herzerkrankungen leiden.

Doch seit zwei Jahren gibt es Hoffnung auf eine frühzeitige Diagnose und vorbeugende Behandlung, denn eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. med. Friedrich Luft, dem Chefarzt der I. Klinik für Innere Medizin des HELIOS Klinikums Berlin-Buch, ist den Ursachen auf der Spur. Die Forscher entdeckten in der Plazenta sowie im Blut der betroffenen Frauen einen bestimmten Autoantikörper, der bei gesunden Frauen und nach Schwangerschaft nicht nachweisbar ist.

Noch ist die Diagnose der Präeklampsie sehr aufwändig. "Zur Blutuntersuchung werden Herzmuskelzellen von Ratten eingesetzt", berichtet PD Dr. med. Ralf Dechend vom HELIOS Klinikum Berlin-Buch/Franz-Volhard-Klinik für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu wird das Blut von Schwangeren an die Herzmuskelzellen herangeführt, die auf den Antoantikörper reagieren. Diese Untersu-chung werde zwar am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) durchgeführt, ein Mitarbeiter schaffe maximal 15 Untersuchungen am Tag. "Zum Screening eignet sich dieses Verfahren nicht", meint Dechend.

In Kooperation mit dem Fraunhofer Institut der Universität Potsdam und dem Luckenwalder Biotech-Unternehmen CellTrend arbeiten die Bucher Forscher jetzt mit Hilfe der Biohybrid-Technologie an einem Test, der gefährdete Frauen frühzeitig erkennen kann. Dazu wird ein speziell beschichteter Bio-Chip entwickelt, der die gesuchten Autoantikörper im Blut der Schwangeren schnell und sicher erkennt. Damit ist auch eine mögliche Behandlung in Sicht. Die gefährlichen Autoantikörper, die die eigenen Gefäße angreifen, könnten durch ein spezielles Auswaschverfahren (Dialyse) vorbeugend aus dem Blut der Schwangeren entfernt werden.

Derzeit bleibt den Ärzten nur eine vorzeitige Unterbrechung der Schwangerschaft. "Da es gegen die Präeklampsie derzeit keine ursächliche Behandlung gibt, muss die Schwangerschaft häufig sehr früh per Kaiserschnitt beendet werden", erläutert Privatdozent Dr. med. Ralf Dechend die Folgen. "Das ist in der 37. Schwangerschaftswoche kein Problem, eine vorzeitige Entbindung in der 26. Schwangerschaftswoche ist aber mit großen Risiken für das noch unreife Kind verbunden".

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