Das Sprachsystem weiß, was es nicht weiß

19.09.2005 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Forschungsverbünde

Automatische Kinoauskunft für den "Voice Award 2005" nominiert

Gleich in drei von fünf Kategorien wurde die Programmauskunft des Nürnberger Multiplexkinos "Cinecitta" für den "Voice Award 2005" nominiert, der am 20. Oktober 2005 in Bonn auf dem Voice Day zum zweiten Mal verliehen wird. Die Forschungsgruppe "Wissensverarbeitung" des Bayerischen Forschungszentrums für Wissensbasierte Systeme (FORWISS) hat die Grundlagen des Systems unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Heinrich Niemann vom Lehrstuhl für Mustererkennung an der Universität Erlangen-Nürnberg mitentwickelt. Zur Produktreife führte es die Sympalog Voice Solutions GmbH, ein Spin-Off-Unternehmen des Lehrstuhls und FORWISS. "Durch die enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Forschergruppen und Sympalog sind viele innovative Ideen in die Kinoauskunft geflossen und die Nominierung für den Voice Award ist für uns ein großer Ansporn, den fruchtbaren Austausch weiterhin zu pflegen", betont Niemann.
70 sprachgesteuerte Dienste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich um den "Voice Award 2005" beworben. Aus den 35 Systemen der letzten Runde nominierte die Jury unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), jetzt 12 Systeme für den Endspurt.
In den Kategorien "Best-Practice Award", "Innovativste Applikation" und "Bestes Voice User Interface" geht das Sprachdialogsystem in den Wettbewerb. Ein Sprachsystem kann normalerweise nur einen vorher antrainierten Wortschatz verarbeiten. Das weltweit Einmalige an dem System: Es antwortet auch sinnvoll auf Fragen, die Wörter enthalten, die dem System unbekannt sind.

Hochburg der Sprachtechnologie
Sprachverarbeitung hat eine lange Tradition am Lehrstuhl für Mustererkennung und FORWISS. Schon 1993 entstand dort das weltweit erste anrufbare Sprachdialogsystem, die Zugauskunft EVAR. 1997 war das System als erster Forschungsprototyp in der Lage, so genannte out-of-vocabulary words (OOVs), also unbekannte Wörter, zu erkennen und zu verarbeiten. In das aktuelle System flossen darüber hinaus neueste Ergebnisse aus SmartWeb ein, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt. Neu ist der Forschungsansatz, die lautliche Information des unbekannten Wortes zu extrahieren und daraus Erkenntnisse für die Systemantwort zu ziehen.

Von der Forschung in die Praxis
Im Jahr 2000 war die Technologie reif für die erste Kommerzialisierung: Mitarbeiter des Lehrstuhls und FORWISS gründeten die Firma Sympalog. Der Name, "sympathische Dialogsysteme", gab dabei die Richtung vor: benutzerfreundliche Sprachanwendungen auf Basis von innovativen Produkten. Seit der Gründung arbeiten das Spin-Off und die Wissenschaftler eng zusammen und binden auch andere Partner ein. Gemeinsam mit dem Bayerischen Forschungsverbund für Situierung, Individualisierung und Personalisierung in der Mensch-Maschine Interaktion (FORSIP) und dem Lehrstuhl für Mustererkennung entwickeln die Wissenschaftler unter anderem Systeme, die zuhören und sich erst dann in ein Gespräch einklinken, wenn sie gefragt sind.

Kontakt:
Axel Horndasch
Universität Erlangen-Nürnberg
Lehrstuhl für Mustererkennung
Martensstr. 3
91058 Erlangen
Tel. (09131) 85-2 78 72
Fax (09131) 30 38 11
Weitere Informationen: http://www.abayfor.de/forwiss - Allgemeines zum Forschungszentrum http://www.forwiss.de - eigene Homepage