Ergebnis-Pressekonferenz: Zukunftsmärkte erschließen durch Innovationscluster

15.05.2006 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Die Fraunhofer-Gesellschaft verstärkt ihre Rolle als Netzwerker im deutschen Innovationsprozess. Nach der Identifikation der Zukunftsmärkte für Deutschland steht nun das Bündeln und Fokussieren der relevanten Kräfte zu Leitthemen auf der Agenda. Die Fraunhofer-Institute eignen sich dabei als Keimzellen, um regionale Innovationscluster aufzubauen. Ziel ist, die Vernetzung von Unternehmen mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtigen voranzutreiben, um mit vereinten Kräften auch große technologische Herausforderungen effizient angehen zu können. "In den vergangenen Jahren haben Wirtschaft, Politik und auch die Medien zunehmend erkannt, welche Schlüsselrolle Innovationen im globalen Wettbewerb spielen und welche Bedeutung Bildung und Forschung für künftigen Wohlstand haben", bestätigt Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, den Aufwärtstrend in der öffentlichen Wahrnehmung von Forschung und Technik. Um Orientierung im Strukturwandel zu geben, der von wachsenden Unsicherheiten geprägt ist, hat die Fraunhofer-Gesellschaft in einem umfangreichen Bewertungsprozess 12 Forschungsgebiete identifiziert, die für Deutschland marktrelevante Innovationen erwarten lassen. Diese "Perspektiven für Zukunftsmärkte" werden gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft erschlossen. Besonders rasch gelang es dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, alle wichtigen Player für das Gebiet des "Internets der Dinge" zusammenzubringen. Mit der RFID-Technologie entwickelt sich hier ein extrem stark nachgefragtes Forschungsfeld. Besondere Aktualität haben durch die jüngsten Ölpreissteigerungen die Themengebiete Leichtbau und Energietechnik erhalten. Aber auch die anderen Gebiete erweisen ihre Anziehungskraft für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder.

Um die Innovationskraft der Wirtschaft signifikant und nachhaltig zu stärken, hat die Fraunhofer-Gesellschaft in dem mit Bund und Ländern vereinbarten "Pakt für Forschung und Innovation" die Bildung von Innovationsclustern sowie den Aufbau einer Fraunhofer Technology Academy vorgeschlagen. Mit den Innovationsclustern verfolgt die Fraunhofer-Gesellschaft das Ziel, die Fach- und Organisationskompetenz der Institute in einer neuen Form der Partnerschaft zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und der Wirtschaft zu bündeln.

Dabei steht im Vordergrund, gemeinsame Standards zu vereinbaren, Systems Engineering für den gemeinsamen Kundenkreis und Weiterbildungsmaßnahmen zur qualifizierten Durchsetzung neuer Technologien zu schaffen. Bislang wurden drei Innovationscluster verwirklicht: In Sachsen koordiniert das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU den Innovationscluster "Mechatronischer Maschinenbau". Der Jenaer Innovationscluster "Optische Technologien" wird vom Fraunhofer-Institut für Optische Technologien und Feinmechanik IOF organisiert. Der Fokus liegt auf optischen Systemen zur digitalen Informationsaufnahme und -wiedergabe in Volumenmärkten. Erste Leitprojekte wurden in Zusammenarbeit mit Industrie und Hochschulen gestartet. Mit dem Innovationscluster "Digitale Produktion" in Stuttgart, der von den Fraunhofer-Instituten für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und Produktionstechnik und Automatisierung IPA koordiniert wird, soll die vorhandene Standortqualität durch intelligente Produkte, effiziente Prozesse und exzellente Ressourcen weiter ausgebaut werden. Ein weiterer Innovationcluster zur "Medizintechnik" im Raum Nürnberg, Erlangen, Fürth ist in Vorbereitung.

"Wir wollen die Rolle der Fraunhofer-Institute als Brücke zwischen Hochschulen und der Wirtschaft weiter ausbauen", betont Prof. Bullinger die starke Verknüpfung von außeruniversitärer mit universitärer Forschung. "Wir haben inzwischen auch alle unsere Institute eng mit Hochschulen verbunden. In den meisten Fällen ist der Fraunhofer-Institutsleiter gleichzeitig auch Lehrstuhlinhaber an der benachbarten Universität". Die enge Kooperation mit Hochschulen bringt für beide Seiten erhebliche Vorteile. Sie ermöglicht den Fraunhofer-Instituten den Zugang zu den aktuellsten Ergebnissen der Grundlagenforschung und zu studentischem und wissenschaftlichem Nachwuchs. Den Hochschulen ermöglicht sie die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und eröffnet den Zugang zu Forschungsarbeiten in der Praxis.

Um den aktuellen technischen Weiterbildungsbedarf der Industrie befriedigen zu können, hat die Fraunhofer-Gesellschaft die Fraunhofer Technology Academy gegründet. Die Academy greift auf das am Bedarf der Wirtschaft ausgerichtete Technologie-, Prozess- und Systemwissen der Fraunhofer-Institute zurück und vermittelt ihren Absolventen die Kompetenz, technologieorientierte Fragestellungen fundiert zu lösen. Ab September 2006 werden zunächst folgende drei Studiengänge angeboten: Executive MBA für Technologiemanager, Master of Environmental Sciences sowie Master in Logistic Engineering. Die Akkreditierung der Studiengänge erfolgt in Kooperation mit renommierten Partnern wie der Universität St. Gallen, der Fernuniversität Hagen und der RWTH Aachen.

Saatkapital für Firmengründungen
"Besser als Innovation zu fördern, ist Innovatoren zu fördern", berichtet der Fraunhofer-Präsident aus seiner langjährigen Erfahrung bei der Umsetzung von Innovationen. Ob aus einer Idee ein erfolgreiches Produkt wird, hängt meist davon ab, welches Durchhaltevermögen der Erfinder hat. Es braucht Unternehmerpersönlichkeiten, die überzeugt sind vom Erfolg des neuen Produkts, Verfahrens oder der Geschäftsidee. Ein in Deutschland viel zu selten eingeschlagener Weg ist es, den Forschern durch eine Ausgründung die rasche und zielgerichtete Umsetzung ihrer Idee zu ermöglichen. Im Jahr 2005 unterstützte die Fraunhofer-Venture-Gruppe 32 neue Ausgründungsprojekte. Fünf Unternehmen wurden gegründet, darunter vier mit Beteiligung der Fraunhofer-Gesellschaft an Grund- bzw. Stammkapital. Insgesamt ist die Fraunhofer-Gesellschaft inzwischen an 54 innovativen Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen beteiligt. Vor kurzem ist ein erster Fraunhofer-Spin-Off an die Börse gegangen: Die Bio-Gate AG ist in Nürnberg und Bremen ansässig. Das Nanotechnologie-Unternehmen ist darauf spezialisiert, Materialien und Oberflächen mit Nanosilberpartikeln antibakterielle Eigenschaften zu verleihen. Im Jahr 2005 ist es auch gelungen, zusammen mit einem Venture-Capital-Unternehmen einen Fonds zur Finanzierung von innovativen Hightech-Firmen zu gründen. Er soll insbesondere Ausgründungen aus der Fraunhofer-Gesellschaft unterstützen. Dabei wird ein Fondsvolumen von 50 Mio Euro anvisiert.

Mehr FuE-Investitionen von Wirtschaft und Staat!
"Alle Anstrengungen durch Bündelung der Kräfte und neue Formen der Zusammenarbeit die Innovationskraft zu erhöhen, werden nicht ausreichen, wenn Wirtschaft und Staat nicht gleichzeitig ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung deutlich steigern", mahnt Hans-Jörg Bullinger. "Dem gemeinsamen Ziel der EU-Mitgliedsstaaten und der Bundesregierung, den Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt bis 2010 auf drei Prozent zu steigern, sind wir nicht näher gekommen. Im Gegenteil: Zum ersten Mal seit Mitte der 90er-Jahre sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland im Jahr 2004 wieder gesunken - von 2,52 Prozent im Jahr 2003 auf 2,48 Prozent im Jahr 2004." Die Ankündigung der neuen Bundesregierung, aus dem insgesamt 25 Mrd Euro umfassenden "Zukunftsfonds" 6 Mrd Euro in den nächsten vier Jahren zusätzlich in die Forschungsförderung zu investieren, wird von den Forschungseinrichtungen als positives Signal aufgenommen. "Die zusätzlichen Ausgaben reichen allerdings nicht aus, um Deutschland, gemessen an der Forschungsintensität, aus dem Mittelfeld in die Spitzengruppe der Industrienationen zu befördern", gibt Prof. Bullinger zu bedenken. "Außerdem müsste auch die Wirtschaft erheblich mehr in Forschung und Entwicklung investieren, schließlich bestreitet sie zwei Drittel der Ausgaben dafür in Deutschland."
Weitere Informationen: http://tristage.bi.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2006/05/Presseinformation15052006b.jsp