"Am Gelde hängt, zum Gelde drängt..."

18.10.2006 - (idw) Universität Erfurt

Gemeinsame Ringvorlesung von Universität und Fachhochschule im Wintersemester startet am Dienstag Jedermann trägt es in der Tasche und spätestens wenn es fehlt, wird man unnachgiebig mit seiner Allgegenwart in unserem Leben konfrontiert: das Geld. Geld gehört zu den alltäglichsten und zugleich geheimnisvollsten, ja manchmal Angst einflößenden Tatsachen unserer gesellschaftlichen Existenz. Mehr denn je fühlen sich viele Menschen von der Lebensklugheit Goethes berührt, wenn dieser im Faust I seine Margarete ausrufen lässt: "Nach Golde drängt, Am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!" Schon Goethe wusste oder ahnte allerdings, dass das Geld nicht nur ein Fluch unserer Existenz ist, sondern dass nahezu alle Segnungen unserer modernen Zivilisation untrennbar an das Vorhandensein und Funktionieren einer Geldwirtschaft geknüpft sind. Gesellschaftliche Experimente, die mit der "Abschaffung des Geldes" verbunden sind, führen in die Barbarei, zerrüttete Geldwirtschaften (Weltwirtschaftskrise der 20er Jahre) verursachen Massenelend und tiefgehende soziale Verwerfungen.
Die Ambivalenz des Geldes, nicht nur Mittel, sondern auch Zweck des Handelns zu sein und zusehends zu werden, bedroht auf der einen Seite zivilisatorische Errungenschaften wie die Entfaltung oder auch nur Erhaltung geldferner Bereiche wie Kultur, Geselligkeit, "Umwelt" und nicht zuletzt die Person. Auf der anderen Seite zeichnet sie für das enorme Innovationspotential unserer Gesellschaft, ihre Frei- und Spielräume wie den materiellen Reichtum verantwortlich, in dem wir uns eingerichtet haben.

Das Thema Geld im weiteren Sinne steht im Zentrum der gemeinsamen öffentlichen Ringvorlesung von Universität und Fachhochschule Erfurt im Wintersemester 2006/07. Wie stets bei dieser inzwischen zur Tradition gewordenen Veranstaltungsreihe wurden namhafte Praktiker und Wissenschaftler gewonnen, um unterschiedliche Facetten dieses unerschöpflichen Themas beleuchten zu können. Das Spektrum der Themen reicht von der Geschichte des Geldes, dem Verhältnis von Geld und Religion über den heutigen "Finanzmarkt-Kapitalismus", bis hin zu der Frage nach den Folgen der Einführung des Euro im europäischen Wirtschaftsraum und andere Fragen der Finanz- und Geldpolitik.

Die Vorlesungsreihe beginnt am 24. Oktober 2006 um 18.00 Uhr im Festsaal des Erfurter Rathauses. Den Einführungsvortrag hält Prof. Dr. Frank Ettrich von der Universität Erfurt. Der Soziologe Ettrich geht im Anschluss an Georg Simmels (1958-1918) epochales Werk "Philosophie des Geldes" (1900) einführend der Frage nach, welche Rolle Geld für das menschliche Zusammenleben in modernen Gesellschaften spielt? Wie stets wendet sich die Reihe nicht nur an Studierende, sondern an ein breiteres städtisches Publikum, dass die aufgelockerte akademische Rede nicht scheut.

Die mit Unterstützung der Sparkassenfinanzgruppe, der Stadtverwaltung Erfurt und der Universitätsgesellschaft Erfurt e.V. veranstaltete und von der Thüringer Allgemeine präsentierte populäre Reihe bietet jeweils dienstags (Beginn 18.00 Uhr im Rathausfestsaal) in insgesamt 12 Veranstaltungen Vorträge ausgewiesener Experten. Den Abschlussvortrag hält der ehemalige Bundesbankpräsident Prof. Hans Tietmeyer.
Weitere Informationen: http://www.uni-erfurt.de/presse/veranstaltungen/ringvorlesung/